Fahrplan 2010

Lauter Ruf nach modernen Zügen

Mit 400 Eingaben verlangen vor allem Privatpersonen mehr Takt und bessere Züge. (Bild: Walter Schwager)

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Mit 400 Eingaben verlangen vor allem Privatpersonen mehr Takt und bessere Züge. (Bild: Walter Schwager)

Die 400 Eingaben zum Fern- und Nahverkehr der SBB und zu den Buslinien enthalten diese Wünsche: mehr moderne Züge, dichtere Fahrpläne und mehr Takt bei den Bussen. Nur ein kleiner Teil wird ab 13. Dezember erfüllt.

Hans Lüthi

Gemeinden, Regionalplanungsgruppen (Repla) und alle Pendler sowie die übrigen Reisenden konnten sich bis Mitte Juni zum Entwurf des neuen Fahrplans äussern. «Von den total 400 Eingaben gingen 360 Mails an den Bund, 20 an die Abteilung Verkehr des Kantons. Von Gemeinden, Schulen und Regionalplanungsgruppen wurden 20 Briefe direkt nach Aarau geschickt», sagt Jürg Bitterli von der Abeilung Verkehr im BVU. Mit Antworten können nur die Gemeinden und Repla rechnen, «sonst müssten wir zusätzliches Personal einstellen», betonte Bitterli. Dennoch: Die Wünsche werden sehr ernst genommen, aber Fahrpläne sind an Schienen gebunden, Änderungen oft erst beim nächsten oder

übernächsten Entwurf möglich. «Ende August, Anfang September gehen sie schon in Druck», erklärt öV-Spezialist Reto Kobi.

Kritik am Komfort-Abbau

Bei 40 Eingaben geht es um den Fernverkehr, aus der geringen Zahl schliesst die Abteilung Verkehr «auf eine hohe Akzeptanz des aktuellen Angebots». Dennoch: Die Verkehrsplaner unterstützen laut Brief an die SBB jene Begehren, «die im Gesamtinteresse des Aargaus liegen». Die konkreten Reklamationen bewegen sich um den Komfortabbau durch veraltetes Rollmaterial. Von Basel und Aarau Richtung Zürich verkehren vermehrt Züge, die nicht klimatisiert und nicht behindertengerecht sind. Das ärgert viele öV-Benutzer.

Jetzt verlangt die Sektion öffentlicher Verkehr von den Bundesbahnen «einen konkreten Terminplan zur Verbesserung». Dem - weitgehend erfüllten - Trend zu Spätverbindungen über Mitternacht hinaus folgen nun Forderungen nach frühen Frühzügen, vor allem zum Flughafen und nach Zürich - um von dort aus in die Welt zu fliegen und zu fahren. Allgemein bedauert wird im Fernverkehr die Abnabelung des Aargaus von nationalen (Wallis, Tessin) und internationalen Zügen. Wichtige Anliegen sind ein Halbstundentakt Aarau-Basel und Zofingen-Bern.

Zwänge beim Regionalverkehr

Im öffentlichen Verkehr der Aargauer Zentren gibt es Sachzwänge bei Kapazität, Betrieb und Finanzen, die manchen Wunsch (vorerst) zur Illusion verkommen lassen. Beispiel 1: Die Strecke Aarau-Olten ist ein nationales Bahn-Nadelöhr, das erst mit dem Eppenbergtunnel lösbar ist. Beispiel 2: Eine Verdichtung der nur stündlichen S-Bahn 3 Aarau-Limmattal-Zürich setzt milliardenschwere Investitionen in neue Linien (Chestenberg, Heitersberg) voraus, die nicht vor 2030 realisierbar sind.

Von den Wünschen sind diese teilweise erfüllbar: Verlängerung des 15-Minuten-Takts bei der BDWM und der WSB, Halbstundentakt Zofingen-Lenzburg auch am Samstagnachmittag. Zusätzliche Halte im oberen Freiamt gibt es erst ab Dezember 2010, wenn die modernen Flirt-Züge von Stadler-Rail hier zum Einsatz kommen. Den schnellen Flirt braucht es auch, um beim Regio-Express Luzern-Olten in Aarburg-Oftringen einen Zusatzhalt einzuschalten - der Zeitpunkt dafür ist offen.

Ausbau des Busverkehrs

Die Busse in den Städten und Dörfern gehören zum Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Bei 177 Eingaben steht der Ausbau des Angebots im Zentrum, allein 60 davon wollen mehr Spät- und Nachtbusse. In den Nächten auf Samstag und Sonntag werden in den Regionen Seetal, Freiamt, Brugg, Zofingen und vereinzelt auf anderen Linien viele bis 2.00 oder 3.00 Uhr zeitlich ausgedehnt. Das neue Buskonzept Baden Süd bringt den Viertelstundentakt bis Bellikon. Beim Konzept Widen zeichnet sich eine Lösung für die Schulen ab. Zusätzliche Verbindungen am Abend gibt es von Bremgarten nach Unterlunkhofen und Jonen, in Döttingen Richtung Leuggern und Leibstadt.

Auch eine Frage der Kosten

Im Fernverkehr definiert der Bund das Angebot, im Regionalverkehr ist der Aargau der Besteller - und muss auch zahlen. Beispiel Regio-Express Wettingen-Olten: «Neue Doppelstockzüge mit Klimatisierung würden die Kosten fast verdoppeln», sagt Reto Kobi. Dank höheren Frequenzen und dem vom Parlament abgesegneten Mehrjahresprogramm findet vorerst bis 2017 ein ständiger Ausbau statt, primär auf den Linien mit viel Potenzial.
www.ag.ch/verkehr/de/pub/bahn_und_bus/fahrplanvernehmlassung.php

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