Laufenburg

Mit seinem Buch «Im Namen des Teufels» erregte der frühere Italienkorrespondent Victor J. Willi vor 22 Jahren Aufsehen. Auf Einladung der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Laufenburg berichtete er äusserst spannend über seine Begegnungen mit sechs Päpsten.

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Früherer Italien-Korrespondent berichtet von seinen Erlebnissen

Früherer Italien-Korrespondent berichtet von seinen Erlebnissen

Yallop hatte mit seinem Buch «Im Namen Gottes?» trotz vernichtenden Kritiken der Vatikanberichterstatter einen weltweiten Hit gelandet – sehr zur Verärgerung der römisch-katholischen Kirche, die Yallop unseriöse Recherchen und Darstellungen vorgeworfen hatte.

Victor J. Willi, langjähriger Italienkorrespondent von Radio DRS und zahlreicher Zeitungen, zeigte in seiner 222 Seiten starken Antwort, wie wenig der Bestseller Yallops die Bezeichnung «Dokumentarbericht» verdiente. Bei der Beweisführung standen Willi mehrere Experten zur Seite. Seinen herbeigezogenen Experten gelang es, Yallops Buch als «Kriminalknüller mit vielen Halbwahrheiten, Unterstellungen und Verleumdungen» zu entlarven.

Der Kirchenkenner Joseph Bochenski schrieb dazu: «Das Buch von Yallop gehört zu den für die römisch-katholische Kirche schädlichsten, die seit langem erschienen sind. Es war höchste Zeit, dass man endlich auf dieses skandalöse Buch reagiert hat. Das hat Willi in vorzüglicher Weise getan.»

Niemand schlief ein

In Laufenburg war Victor J. Willi auf Einladung der römisch-katholischen Kirche zu Gast im Parterresaal des Gerichtsgebäudes. Er verzichtete auf eine Lesung aus seinem Buch und zog es vor, frei aus der Erinnerung zu erzählen. 50 Minuten lang sollte sein Vortrag «Sechs Päpste persönlich miterlebt» dauern. Aber Willi schoss weit über das Ziel hinaus. Immerhin: Niemand schlief ein. «Ich erlaube mir, Fragen zu stellen, damit niemand einschläft», bemerkte der Referent. Schon die erste Frage hatte es in sich: «Wo hat Eisenhower sein erstes Gipfeltreffen abgehalten?» Antwort: In Rom, beim Papst.

Victor J. Willi stieg im Jahr 1958 als Korrespondent ein. Er lernte Pius XII., Johannes XXIII., Johannes Paul I., Paul XI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. kennen. Klar, dass Willi durch seine journalistische Tätigkeit vor Ort auch mal hinter die Türen des Vatikans blicken konnte. Er war an Audienzen dabei und erlebte die Päpste nicht nur als Würdenträger, sondern auch von ihrer menschlichen Seite.

Besonders fasziniert war er von Johannes Paul I., mit bürgerlichem Namen Albino Luciano: «Er war ein revolutionärer Papst, jede Audienz war eine Sensation», blickte Willi zurück. Luciano wurde als der lächelnde Papst oder der gute Papst bezeichnet. Dass er nach nur 33 Tagen im Amt starb, führte Willi auf dessen angeschlagene Gesundheit zurück: Herztod durch den Überforderungs-Stress eines Amtes, dem er weder gesundheitlich noch psychisch gewachsen war. Victor J. Willi: «Er hat das Amt nur widerwillig und voller Bedenken übernommen. Bald musste er erkennen, dass er das Kreuz nicht so tragen konnte, wie er es tragen wollte und es von ihm erwartet wurde.»

Staatenkonföderation ist nötig

Gegen Ende des Vortrages schweifte Willi in die globale Politik ab. Er forderte eine Staatenkonföderation, da nur diese geeignet sei, den Weltuntergang zu verhindern. Eine Frage aus dem Publikum blieb ihm noch zu beantworten: «Wie ist die Chance, dass einmal ein Aussereuropäer Papst wird?» Die Antwort Victor J. Willis: «Sehr gross.» (mz/psc/aen)