Langjährige Freiheitsstrafen für vier Betrüger

Justizia, Brunnen Vis-?-vis Bohnenblust Solothurn

Langjährige Freiheitsstrafen für vier Betrüger

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Die vier Angeklagten im Quartett-Prozess wurden zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Sie haben gemäss gestriger Urteilseröffnung 58 Anleger betrogen und sie um 15 Millionen Franken erleichtert.

Adriana Gubler

Die Angeklagten – Stefan Pracht* und Paul Klam* aus Deutschland sowie Peter Streit* aus Olten und Ernesto Protz* aus Aarburg – haben während zehn Jahren umfangreiche Vermögensdelikte begangen, wie Amtsgerichtspräsident Pierino Orfei gestern an der dreieinhalbstündigen mündlichen Urteilseröffnung sagte: «Verwerflich und egoistisch» sei das Handeln des Quartetts gewesen. So verloren die vertrauensseligen Anleger insgesamt 15 Millionen Franken.

In den Anklagepunkten der Geldwäscherei, Urkundenfälschung und des gewerbsmässigen Betrugs, oder zumindest der Gehilfenschaft zum gewerbsmässigen Betrug, wurden alle vier Angeklagten durch das Amtsgericht schuldig gesprochen. Das Quartett hat in seinem Treuhandunternehmen Seriosity AG* willentlich und wissentlich die Anleger «übers Näscht zoge», wie Orfei die Verbrechen auf den Punkt brachte: «Die Kohle wurde schlicht verputzt.» Das kriminelle Lügenkonstrukt hat gemäss Urteil weitere Lügen und Verbrechen, wie etwa mehrfache Urkundenfälschung, nach sich gezogen. Mit dem Schneeballsystem à la Madoff ersetzten die angeklagten Männer das fehlende Geld und tätigten Rückzahlungen.

Die höchste kriminelle Energie weise der 43-jährige Deutsche Stefan Pracht auf, der sich übrigens unrechtmässig als Doktor ausgegeben habe. Wie auch schon der sechstägigen Gerichtsverhandlung blieb der Hauptangeklagte der mündlichen Urteilsverkündung fern. Pracht war laut Orfei der Initiator dieses betrügerischen Konstrukts. Er habe zwar den Grossteil seiner Taten gestanden und sich kooperativ verhalten, «dennoch ist ihm das Schicksal der Anleger gleichgültig, und er zeigt keine Reue», sagte Orfei. «Hätte die Eidgenössische Bankenkommission 2008 nicht ein Verfahren gegen die Seriosity AG eingeleitet, würde er wohl heute noch das Schneeballsystem betreiben.» Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren – die Staatsanwältin Barbara Lips hatte achteinhalb Jahre gefordert.

Auch der Oltner muss in den Bau

Däumchen drehend nahm der 70-jährige Oltner sein Urteil entgegen: Mit einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, davon 26 Monate bedingt, blieb das Gericht unter den Forderungen von Lips, die auf viereinhalb Jahre plädiert hatte. Auf Streits «Mist» sei die Idee des Schneeballsystems zur Rückführung der Anlagegelder gewachsen. Einzig von pekuniärem Interesse wurde der sozial integrierte Oltner getrieben, wie der Amtsgerichtspräsident ausführte. Streit habe ein teilweises Geständnis abgelegt und eine gewisse Reue gezeigt.

Der Exmann von Streits Tochter sass gestern ebenfalls auf der Anklagebank. Der 41-jährige Aarburger Ernesto Protz habe bei der «Buchhaltungsfälschungsorgie» (Zitat Orfei) mitgewirkt. Er sei in die Machenschaften der Seriosity AG hineingerutscht und habe nie den Ausstieg angestrebt. Da der gemeinsame Sohn von ihm und seiner geschiedenen Frau bei Protz lebt, rechnete das Amtsgericht ihm eine erhöhte Strafempfindlichkeit an. Gegen Protz sprach das Amtsgericht Olten-Gösgen eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren aus, die beim Betroffenen verzweifelt wirkendes Kopfschütteln auslöste. In seinem Fall hatte Lips eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten gefordert, davon sechs unbedingt.

Der Vierte im Bunde, Paul Klam, wurde zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt, was den Forderungen der Staatsanwältin entsprach. Er sei seit Beginn der Seriosity AG in deren Geschäfte verwickelt gewesen – habe aber vor einigen Jahren aus eigenem Antrieb den Ausstieg ersucht.

«Nichts zu beschönigen»

Gleich zu Beginn der Urteilseröffnung kam Amtsgerichtspräsident Orfei auf die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu sprechen. «Es gibt nichts zu beschönigen: Der Anklagegrundsatz wurde in mehreren Punkten verletzt.» Er bezog sich auf Prachts Anwalt, der in seinem Plädoyer vor mehr als drei Wochen sagte, dass die Anklageschrift zu Beginn präzise sei – aber je länger je ungenauer werde in ihren Vorhalten.

* Name von der Redaktion geändert

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