schlangen

Kuscheltiere sind es nicht gerade

Alles andere als ein Kuscheltier: Eine Bartagame, eines der vielen ausgestellten Reptilien in der Lausner Mehrzweckhalle. (Bild: Daniel Aenishänslin)

Reptil

Alles andere als ein Kuscheltier: Eine Bartagame, eines der vielen ausgestellten Reptilien in der Lausner Mehrzweckhalle. (Bild: Daniel Aenishänslin)

Die Reptilienbörse in Lausen ist ein Publikumsmagnet. Gestern bewunderten und kauften 2500 Neugierige exotische Exemplare der Fauna.

Daniel Aenishänslin

Manch ein Zoodirektor würde glatt vor Neid erblassen. Die Lausner Mehrzweckhalle Stutz ist rappelvoll. Die Besucherinnen und Besucher kommen nur langsam vorwärts, zu dicht gedrängt ballt sich das Publikum in den Gassen zwischen den Ständen der Aussteller. Die «Auslage» darf sich sehen lassen: Terrarien, Schlangen, Spinnen, Heuschrecken sowie deren kreuchende und fleuchende Nahrung werden feilgeboten.

Reptilienbörse nennt sich, was zumindest in der Lausner Version von Börsenmacher Markus Borer weit darüber hinaus geht. Schliesslich ist die Vogelspinne auf Alice Huwilers Hand kein Reptil, sondern ein Spinnentier, aber etwa gleich lange auf Erden wie die Reptilien selbst. Mehr als 300 Millionen Jahre. Mit ihrer Demonstration möchte Huwiler aus dem aargauischen Niederwil den Besuchern beweisen, dass die Vogelspinne besser ist als ihr Ruf.

Samtig fühlt sich das Pelzchen an, als streichle man ein Kätzchen. Einige Besucher wagen es, den Achtbeiner auf die Hand zu nehmen. Gebissen wird niemand. Die Spinne verhält sich ruhig, nicht eine ihrer Bewegungen lässt auf Angst, Flucht oder Angriff schliessen. Ein Kuscheltier ist sie dennoch nicht. Yves hilft Alice Huwiler an ihrem Stand. Seit zwei Jahren besitzt auch er eine Vogelspinne. Als Grund dafür gibt er nur eines an: «Die Faszination.»

Reno teilt diese Faszination schon länger mit Alice Huwiler und Yves. Vor zehn Jahren zog die erste Vogelspinne bei ihm ein. Inzwischen wurde die WG mit Geckos, Gottesanbeterinnen und anderen Exoten ergänzt. «Ich lasse sie grundsätzlich in Ruhe», sagt Reno über seine Mitbewohner, «es reicht mir, sie zu betrachten.» Sicherlich wollten er, Yves und Alice Huwiler hier Tiere verkaufen, «das Wichtigste aber bleibt die Aufklärung».

Vernarrt in Riesenschlangen

Veranstalter Markus Borer aus Laufen und seine Frau Cornelia haben sich den Riesenschlangen verschrieben. Boas und Pythons gehören zu ihrem Lebensinhalt. «Die Reptilienbörse bringt mir einen jährlichen Aufwand von gegen 800 Stunden», sagt Borer. Wohlgemerkt handle es sich um sein Hobby. «Das mag nach enormem Aufwand klingen, aber auch andere Hobbys kosten viel Zeit», sagt er und fügt an, dass ihn die Reptilienbörse «zusätzlich zwei Wochen Ferien» koste.

Seit 20 Jahren ist Mittvierziger Markus Borer den Riesenschlangen verbunden. Um einen finanziellen Gewinn gehe es ihm mit seiner Börse nicht. Der Eintritt von sieben Franken werde benötigt, um die Unkosten decken zu können. Zum Beispiel, um das Personal - 32 Leute - zu bezahlen.

«Wenn alle zufrieden nach Hause gehen, sowohl die Aussteller als auch die Besucher, dann hat es sich gelohnt», sagt Borer, der durch seine Reptilienbörse auch ein klein wenig zum Zoodirektor wird.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1