Von Urs E. Kneubühl

Mit der Philosophie sei das so eine Sache, sagt mir ein Bekannter. «Die einen halten sie für gar keine vollwertige Wissenschaft und daher für Zeitverschwendung, während die anderen glauben mit ihrer Hilfe Antworten auf wichtige Fragen der Menschheit, z. B. jener nach dem Sinn unserer Existenz, zu erhalten.»

Nun gut, wie gesagt: Mit der Philosophie sei das so eine Sache, und gerade deshalb durfte man nach zehn Jahren Philosophie-Wochen mit Wilhelm Schmid und den letztjährigen KunstPhilosophie-Wochen mit Musik- und Malatelier auf die aktuelle Fortsetzung gespannt sein.

Stefan Uhlig, Psychotherapeut und Projektleiter, hält dazu denn auch vorab fest: «Die Fortsetzung der Philosophie-Wochen am Spital Affoltern durften nicht einfach Kopien der vorangegangenen Marksteine, gesetzt von Wilhelm Schmid, sein. Die aktuelle Auflage ist eine klare Verlagerung und Erweiterung, die sich ja bereits im Titel ausdrückt: KunstPhilosophie-Wochen ...»

Philosophen, Musiker und Künstler

Das vielfältige und höchst abwechslungsreiche Programm hielt denn auch, was der Titel versprochen hat: Zu den mittäglichen Vorträgen der beiden Philosophen Prof. Dr. Martin Kunz und Markus Huber sowie den Team- und Gruppengesprächen mit den beiden, gesellten sich diesmal auch Workshops mit dem Musiker Rodrigo Botter Maio und dem Kunstschaffenden Gianni Vasari. Das allerdings war nicht das einzige Plus der neuen KunstPhilosophie-Wochen am Spital Affoltern. Stefan Uhlig: «In den Vorträgen wurde das Publikum über weite Strecken aktiv mit einbezogen und auch während den abendlichen Seminaren animierten die beiden Philosophen unsere Mitarbeitenden mit provokativen Fragen zum engagierten Mitmachen. Gleichzeitig haben wir auch im Personalrestaurant die Möglichkeit zum Philosophieren am Mittagstisch geschaffen.»


Die zahlreichen Möglichkeiten wurden gut genutzt, die Veranstaltungen waren allesamt gut besucht. Das Fazit der Projektgruppe mit Stefan Uhlig, Spitalleiter Rudolf Wegmann, Lis Bürgi, Pflegedientsleiterin Akut, Tamara Ravetta, Finanzen/Betriebsdienste, und Andreas Grieshaber, Pflegedienstleiter LZP, fiel nach den beiden aktiven Wochen überaus positiv aus.

Philosophisches Abendessen

Neu im Rahmen der Philosophie-Wochen am Spital Affoltern war auch ein philosophisches Abendessen für Gäste. Diese wurden einerseits von den beiden Philosophen Martin Kunz und Markus Huber in die Antike, ins alte Griechenland von Plato, sowie in Sitten und Gebräuche rund um das Gastmahl eingeführt, andererseits in die Philosophie des Weines, und gleichzeitig wurden sie durch die Spitalküche saisonal kulinarisch mit Gaumenkitzel verwöhnt.

Die philosophischen Gespräche um Plato und das Symposium der sieben Weisen im alten Griechenland gestaltete sich zum lustvollen Spiel. Gaumenfreude und Augenweide, die das Essen und der Wein boten, verbanden sich mit Ohrenschmaus und «Hirnkitzel». Die Gedanken wanderten zwischen Rationalität und affektiver Komponente hin und her, animierten zum unbeschwerten Mitreden und Mitdenken, was den Abend Lebenskunst werden liess.