Kulturbeamte winden sich

Kulturbeamte winden sich

Jean-Frédéric Jauslin «Ich war sehr überrascht.» (Archiv)

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Jean-Frédéric Jauslin «Ich war sehr überrascht.» (Archiv)

Die Verhaftung Polanskis empört die Schweizer Kulturschaffenden. Der Chef des Bundesamts für Kultur hingegen will seine Kollegen von der Justiz nicht angreifen.

Hans-Peter Wäfler

Für sein Lebenswerk hätte Regisseur Roman Polanski am Sonntag am Zurich Film Festival geehrt werden sollen. Die Laudatio vorbereitet hatte Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur. Halten konnte er sie nicht: Auf Geheiss des Justizdepartements von Eveline Widmer-Schlumpf verhafteten Zürcher Polizisten Polanski, als er am Samstag am Flughafen ankam.

Was Polanski von den Beamten des Justizdepartements drohte, wussten die Kollegen beim Bundesamt für Kultur offenbar nicht. «Ich war sehr überrascht», teilte Jauslin gestern schriftlich der MZ mit. Als Kulturliebhaber finde er es schade, dass die Vergangenheit Polanski gerade jetzt einhole.

Kritisieren mochte Jauslin das Vorgehen der Justiz aber nicht: «Die Verhaftung hat nichts mit der Kultur zu tun, sie hat aus rechtlichen Gründen, aufgrund des internationalen Haftbefehles, stattgefunden. Man sollte das eine nicht mit dem anderen vermischen.»

Anderer Ansicht sind viele Filmschaffende. Der Verband Filmregie und Drehbuch, dem etwa Samir, Frédéric Maire oder Alain Tanner angehören, protestierte gegen die Verhaftung. Diese sei «nicht nur eine groteske Justizposse, sondern auch ein ungeheurer Kulturskandal».

Als «unhaltbar» bezeichnet diese Auslegung wiederum

Jean-Pierre Hoby, Kulturdirektor der Stadt Zürich. Er ver-weist darauf, dass Polanski im Rahmen der geltenden Rechtsordnung der Schweiz und einer zwischenstaatlichen Vereinbarung mit den USA verhaftet worden sei. Dass es so weit kam, bedauert Hoby. «Es ist gewiss berechtigt, Polanski als Regisseur zu ehren. Ihn aber in die Schweiz einzuladen und dies gross anzukündigen, war im Nachhinein gesehen falsch.»

«Fakten falsch einschätzt»

Fragezeichen macht auch Doris Fiala, FDP-Nationalrätin und Mitglied im Patronatskomitee des Zurich Film Festival. «In der ganzen Kulturszene hat man offenbar die juristische Faktenlage nicht gekannt oder falsch eingeschätzt.» Und: «Nur so ist es zu erklären, dass keine Alarmlampen leuchteten und sich niemand beim Bundesamt für Justiz über das Dossier Polanski erkundigte.»

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