Kugeln kugeln über Kupferdraht und Kippmechanismen ins Körbchen

Alain Schartner kreiert seit über 30 Jahren Kugelbahnen und Objekte aus Kupferdraht. Seine Werke sind ab dem 6. November in der Stanzerei Baden zu sehen.

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Alain Schartner

Alain Schartner

Stadtanzeiger Baden

Carolin Frei

Überall stehen, hängen und liegen Kupferdrahtgestelle und überall ist das schleifende Geräusch von Kugeln zu hören, die die zahllosen Kugelbahngestelle im Atelier von Alain Schartner herunterkugeln. Einige der Kugeln können aber noch viel mehr. Sie springen in Kippmechanismen, «bedienen» eine Glocke oder hüpfen über Xilophonplättchen und erzeugen so Töne. Der kreativen Ader von Alain Schartner sind keine Grenzen gesetzt.

Kulturwochen in der Stanzerei Baden vom 6. bis 22. November

Am 6. November fällt der Startschuss zu den Kulturwochen in der Stanzerei. Anlässlich der Vernissage werden die Gäste nicht nur mit Tanz, Gesang und Musik - sondern auch mit feinen Häppchen verwöhnt. Isa Wiss, Esther Bucher, Christa Näf und Katharina Albisser zeichnen für die musikalische Umrahmung verantwortlich. Zudem ist es erlaubt, mit den rund 30 ausgestellten Kugelbahnen des Künstlers Alain Schartner zu spielen und sich von den Bildern der Malerin Anna Bakurova auf eine malerische Reise mitnehmen zu lassen. Bis zum 22. November finden verschiedene Events statt, unter anderem mit l'Art de Passage, die zum vierten Mal in Baden auftreten, den Huser Brothers, dem Co Streiff Sextett oder Simon Libsig und Jonas Tauber. Die Finissage am 22. November wartet mit einem Überraschungsgast auf.

Die Ausstellung von Alain Schartner und Anna Bakurova ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Details zum Programm unter www.stanzerei-baden.ch oder unter www.kugelbahnenundobjekte.ch.

«Am liebsten erledige ich jedoch Auftragsarbeiten, mit Vorgaben zur Grösse und Dekoration», sagt der Künstler. Das Spannende hierbei sei, dass er, wenn er mit der Arbeit beginne, nicht wisse, wie sie am Schluss aussehe. «Und ich weiss auch nicht, ob sie dem Käufer gefällt.» Das übt auf Alain Schartner einen speziellen Reiz aus und stellt für ihn zugleich eine spezielle Herausforderung dar.

Wie kommt man eigentlich dazu, Kugelbahnen zu bauen? «Im Fach Werken an der Oberstufe haben wir eine Kugelbahn kreieren dürfen», erinnert sich Alain Schartner. «Mich hat diese Arbeit so fasziniert, dass ich nicht mehr davon lassen konnte.» In den letzten dreissig Jahren hat der Künstler in seiner Freizeit über 1000 Kugelbahnen und Objekte aus Kupferdraht geschaffen und bis auf rund 35 Stück alle verkauft und verschenkt.

Im März dieses Jahres hat er seinen Brotjob als Monteur an den Nagel gehängt und konzentriert sich nun gänzlich auf seine Leidenschaft - das Kugelbahnbauen. «Ich gebe mir zwei Jahre Zeit, um damit Fuss zu fassen und davon leben zu können.» Einen ersten Schritt, sich einem breiteren Publikum zu zeigen, macht er anlässlich der Kulturwochen, die vom 6. bis 22. November in der Stanzerei Baden durchgeführt werden. Dort können alle Interessierten seine Bahnen bestaunen - und ganz wichtig, auch damit spielen. Zudem haben sie Gelegenheit, dem Kugelbahnbauer beim Arbeiten über die Schultern zu schauen.

Der Künstler schafft jedoch nicht nur Kunstwerke, er bietet auch Schulen, Firmen und Privatpersonen Kurse im Kugelbahnbauen an. «Bei den Kindern spreche ich mit meinen Workshops eher Knaben an, bei den Erwachsenen zeigen erstaunlich viele Frauen Interesse», sagt er. Schwierig sei der Bau einer einfachen Kugelbahn nicht, und da man ausser Draht, einem Lötkolben, Lötzinn und Blei- oder Glaskugeln herzlich wenig brauche, nach einem Einführungskurs auch zu Hause machbar. Denn die Bautechnik sei immer die gleiche. «In der Mitte der Kugelbahn steckt ein Gestell, das als Träger dient. Daran werden von oben nach unten die Bahnen bzw. die Kippmechanismen und Körbe gehängt. So sei man jederzeit in der Lage, die ideale Bahn der Kugel - sofern nötig - zu korrigieren.

Einige seiner Kugelbahn-Kunstwerke dürften schon einige Leser bestaunt haben. Etwa diejenige unter der Hochbrücke in Baden, die mit Bocciakugeln bespielt wird. Oder das filigrane, kastenähnliche Objekt, das im Kindermuseum in Baden nicht nur Kinder animiert, bunte Murmeln auf die Reise zu schicken.