Kruzifixe
«Kruzifixe sind bei uns Tradition»

Bei den einen Schulen gehören Kruzifixe zur Grundausstattung. Bei anderen ist das Kreuz schon lange aus den Klassenräumen verbannt.

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Kruzifix

Kruzifix

Aargauer Zeitung

Maja Sommerhalder

Wird Gott auf die «Ersatzbank» verwiesen? Dies befürchtete Bischof Kurt Koch, wie gestern in dieser Zeitung stand. Anlass für seine klaren Worte war das Urteil des Europäischen Gerichthofes für Menschenrechte in Strassburg. Dieses hat die obligatorische Präsenz von Kruzifixen in italienischen Schulzimmern aufgehoben.

In zwei von den drei Wohler Bünzmatt-Schulhäusern jedenfalls sitzt Gott nicht auf der «Ersatzbank.» Hier gehört ein dezentes Kreuz in den Klassenzimmern zur Grundausstatung: «Kruzifixe sind bei uns Tradition», sagt Rolf Stadler, Schulleiter der Oberstufe Bünzmatt in Wohlen. Er sieht keinen Grund, die religiösen Symbole zu entfernen: «Bisher hat sich niemand daran gestört, obwohl viele Schüler keine Christen sind.»

Im Notfall entscheidet Gericht

Würde sich allerdings jemand daran stören, so müssten die Kruzifixe aus den Schulzimmern verbannt werden. Das entschied das Bundesgericht 1990 im Fall der Gemeinde Cadro TI. Grund: Ein Kruzifix in öffentlichen Schulen verletze die Religionsneutralität. «Natürlich gilt dieses Urteil auch im Aargau», sagt Sascha Giger vom Departement Bildung, Kultur und Sport: «Allerdings haben wir noch nie eine Reklamation erhalten. Deshalb sehen wir auch keinen Grund, den Schulen Vorschriften zu machen.» Und was, wenn jemand reklamiert? «Dann müsste die Schulpflege eine Lösung finden. Wird man sich nicht einig, muss das Gericht entscheiden.»

«Kruzifixe sind kein Thema»

Im Wohler Primarschulhaus Halde sind Kruzifixe kein Thema - hier sind sie in den letzten zehn Jahren einfach still und heimlich aus den Klassenzimmern verschwunden. «Neue Lehrer haben das Kreuz entfernt», so Schulleiter Markus Walter: «Man hat aber nie über das Für und Wider von von diesen Symbolen diskutiert. Es war eine schleichende Entwicklung» Kruzifixen in Klassenzimmer erachtet er als unproblematisch, so lange niemand reklamiert.

Dieser Meinung ist auch Annemarie Hosmann, Schulleiterin in Boswil: «Die Kruzifixe in unseren Klassenzimmern waren bisher noch nie ein Problem.» Dafür wurde schon darüber diskutiert, wie man mit verschiedenen Kulturen religiöse Feste wie Weihnachten in der Schule feiert. Schülerinnen und Schüler aus vielen Kulturen werden auch im Badener Schulhaus Pfaffechappe unterrichtet.

Deshalb wird bei Weihnachten die Friedensbotschaft und nicht Jesus Geburt in den Mittelpunkt gestellt. Auch Kruzifixe sind schon lange aus allen Klassenzimmern verschwunden, wie Schulleiter Werner Zumsteg sagt. Was wenn ein Lehrer auf dieses Symbol bestehen würde? «Dann müsste ich mir gut überlegen, ob ich es ihm erlauben würde. Ich müsste die Hintergründe kennen.» Zudem müsse man aufpassen, dass man keine Gefühle verletze.

«Unsere Kultur ist christlich geprägt»

Keine Vorschriften macht Peter Boss, Primarschulleiter aus Frick: «Jeder Lehrer soll selbst entscheiden. Das ist für mich Offenheit und Toleranz.» Die Kruzifixe seien aber aus den Klassenzimmern in Frick verschwunden. «Das ist schleichend passiert.» Vor 30 Jahren war das ganz anders. «Da war man im Fricktal ein Exot, wenn man nicht katholisch war», so Boss.

In der katholischen Gemeinde Sins hingegen hängt in den meisten Schulräumen des Oberstufenhauses noch ein Kruzifix. «Das ist bei uns normal. Ich glaube, die Leute nehmen es nicht einmal richtig wahr», sagt Schulleiter Roland Birrer: «Natürlich ist eine Schule ein neutraler Ort und man darf nicht missionieren.» Trotzdem sei unsere Kultur christlich geprägt: «Wieso sollen wir dies nicht mit einem Kruzifix zum Ausdruck bringen?»

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