Krise war an der mia kein Thema

«Ich glaube nicht, dass die Krise auf unserem Niveau grossen Einfluss hat», sagt Messeleiter Jürg Möri. Die meisten Aussteller pflichten ihm bei. Das kühle Wetter sorgte für eine friedliche Stimmung, und eine Kampagne des Blauen Kreuzes trug dazu bei, dass keine Alkoholleichen aufgelesen werden mussten.

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Solothurner Zeitung

Daniela Deck

Die 21. Mittelländer Ausstellung (mia) geht als gute Messe in die Annalen ein. Keiner der befragten Standbetreiber vermeldet Rekordverdächtiges, aber zufrieden sind praktisch alle. Sie bedauern nicht, dass die mia und die Berner BEA wegen der Eishockey-Weltmeisterschaften die Daten getauscht haben.

Für die Messeorganisatoren hatte die ungewöhnlich frühe Durchführung nur Vorteile. Das Wetter war mehrheitlich kühl, was sich vorteilhaft auf die Kundenfrequenz in den Zelten auswirkt. Abgesehen von einer kurzen Rempelei mit blauen Flecken am ersten Wochenende, waren die Sicherheitskräfte nicht gefordert. «Es war eine ruhige mia», bestätigt Thalia Schweizer, Sprecherin der Kantonspolizei.

Der Durst der Besucher hielt sich nicht nur wetterbedingt in Grenzen. Erstmals war das Blaue Kreuz mit seiner Aktion für Autofahrer vor Ort. Messeleiterin Caroline Möri erklärt: «Fahrerinnen und Fahrer konnten sich beim Eintritt registrieren lassen. Sie erhielten einen Bon, mit dem sie im Messerestaurant nicht alkoholische Getränke zum halben Preis erhielten.» Caroline Möri wertet die Kampagne als Erfolg: «Als Messe können wir auf den Alkoholausschank nicht verzichten. Aber wir tun etwas gegen Exzesse. Diesmal hatten wir fast keine Probleme mit Betrunkenen.»

Erwartungen teilweise übertroffen

Die Aussteller drücken sich heuer vorsichtiger aus als in früheren Jahren. Doch das Wort «Krise» nimmt in den Zelten niemand in den Mund. «Zufrieden sind wir auf jeden Fall», sagt Boi Lung Tsan von McOptik. «Wir hatten weniger erwartet, aber jetzt ist doch ein rechtes Interesse da», freut sich Anita Stampfli von der gleichnamigen Wasseraufbereitungsfirma. Für Vergleiche kann sie aus dem Vollen schöpfen: Jede einzelne mia hat ihr Geschäft mitgemacht. Auch Christoph Aeschlimann freute sich am Interesse der Leute an seinen Solaranlagen. «Die mia ist für uns keine Messe zum Direktverkaufen.» Die Früchte der Präsenz erntet er jeweils später.

Roger Saudan betont ebenfalls den Wert der Imagepflege und bedauert, dass es werktags «etwas wenig Leute» hatte. Denn diese Abende seien für sein Geschäft besonders wichtig. Stefan Peter Mumenthaler vom Möbel-Märit findet, die Leute seien zurückhaltender als in anderen Jahren. «Investitionen werden bewusster getätigt.» Im Gegensatz zu den Imagepflegern besteht er darauf, dass der Erfolg mit dem Direktverkauf steht und fällt. Und da habe er noch keinen Überblick.

Meinungen zum 1. Mai geteilt

Bei den auswärtigen Standbetreibern sind die Meinungen geteilt. Während Gebäudesanierer Erhard Oesch (Thurgau/ Thun) seine Erwartungen erfüllt sieht, ist Peter Ullmann (Brill-Gebrauchsgegenstände) zutiefst enttäuscht. «Das Geschäft läuft katastrophal. Die Leute gehen hier bloss spazieren.» Geteilt sind die Meinungen auch darüber, ob der 1. Mai den Feiertagen Auffahrt und Fronleichnam das Wasser reichen kann. Hans-Peter Lanz vom Möbelgeschäft ist diesmal vorsorglich mit moderaten Erwartungen angetreten und sieht diese erfüllt. Der Schaffhauser Freddy Obermeier, mit ebenso grosser mia-Erfahrung wie Lanz, hat seine Weine gut an den Mann und die Frau gebracht. Ihm war der 1. Mai gleich willkommen wie die kirchlichen Feiertage.

Wunsch nach Toiletten für Aussteller

Lob und Kritik verteilten die Aussteller auch an die Adresse der Messeleitung. Der Gemeinschaftsstand (Saudan, Lanz, Städtische Werke und Gewerbeverband Grenchen) kam gut an. Ebenso die privilegierte Standgebühr für einheimische Betriebe. Geärgert haben sich einige Aussteller darüber, dass sie keine eigenen Toiletten haben. Mit Snobismus hat das nichts zu tun. «Aber in der Schlange verliert man zu viel wertvolle Zeit», erklärt eine Verkäuferin.