Filmpreis

Kreative Auftragswerke

Hollywood hat den Oscar, Cannes die goldene Palme und Berlin den silbernen Bären. Nun zieht Basel nach, und zwar mit dem vom Verein für Film- und Medienkunst «balimage» lancierten Basler Filmpreis.

Michèle Faller

Die Basler «Oscars» werden heute zum ersten Mal verliehen. Von 65 Eingaben des Jahrgangs 2008 wurden 20 Filme nominiert, die ab 12 Uhr im Stadtkino und im kult.kino atelier gezeigt werden. Abends werden die Gewinner in den Kategorien Langfilm, Kurzfilm, Kunstfilm und Auftragsfilm gekürt. In der hochkarätigen Jury sitzen Regisseurin Stina Werenfels, Regisseur Dany Levy und Schauspieler Lorenz Nufer.

Auftragswerk mit Filmpreis gewürdigt

Dass Auftragsfilme prämiert werden, ist nichts Ungewöhnliches. Dass die Auftragswerke zusammen mit freien Produktionen im Rahmen eines Filmpreises gewürdigt werden, vielleicht eher. «Das Auftragsfilmschaffen ist in Basel sehr stark verankert», sagt Pascal Trächslin von balimage. Das Anliegen von balimage sei, die Filmbranche in Basel generell zu stärken, weshalb nicht so stark zwischen freien und Auftragsarbeiten getrennt würde. Ausserdem gebe es Überschneidungen; auch für Langspielfilme bekannte Regisseure und Produzenten machten hin und wieder Werbefilme. «Wir möchten generell die Rahmenbedingungen der Basler Filmszene verbessern, weshalb wir auch den Kunst- und Auftragsfilm in den Wettbewerb genommen haben», so Trächslin.

Dass ein Werbefilm nicht etwa ein Übungsfeld für Einsteiger oder ein Fall für ideenlose Arbeitstiere ist, zeigen auch die fünf für den Basler Filmpreis nominierten Auftragsfilme. Sie könnten von Form, Inhalt, Länge und Zielpublikum her unterschiedlicher kaum sein.

Der kürzeste der nominierten Filme dauert gerade mal 25 Sekunden und ist ein Werbespot für die Basler Polizeischule, der am Fernsehen, auf den Grossleinwänden des Basler Bahnhofs SBB und in den Kinos zu sehen war bzw. sein wird. Regisseur Bela Böke, der vor allem Auftragsfilme, aber auch freie Dokumentarfilme macht, lobt die Vorzüge des Auftragsfilms: «Einen Auftrag, ein Ziel und somit auch ein Budget zu haben, ist ein Riesenvorteil», erklärt er. Bei einem freien Film müsse immer erst ein Geldgeber für die eigene Idee gesucht werden, bevor man mit der Arbeit loslegen könne. Ausserdem sei die Freiheit in der Umsetzung beim Auftragsfilm meist sehr gross.

Beim Polizeischule-Werbespot waren die Vorgaben jedoch klar. Die Rennfahrerin Christina Surer wird bei einem vermeintlichen Banküberfall sehr prompt von der Basler Polizei verhaftet. Das war die Idee der Agentur brenneisen communications, die ihrerseits Böke mit der Umsetzung beauftragte. «Herauszuspüren, was sich die Auftraggeber genau vorstellen, ist sehr spannend und die eigentliche Herausforderung», schwärmt der Regisseur. Speziell an diesem Dreh sei der enge Zeitrahmen gewesen, sowie der technische Aufwand. Mit rund 50 000 Watt wurde die nachts gefilmte Szene so ausgeleuchtet, dass es nach Tageslicht aussah. Wegen der rasanten Anfahrt von Surer musste auch die Strasse abgesperrt werden. Böke schmunzelt: «Glücklicherweise hatten wir dafür ja die Polizei zur Stelle.»

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