Tanja Enseroth

Ich glaube, viele stellen sich ein Jahr in der Karibik als ein Jahr Ferien vor. Sollte dem so sein, muss ich diejenigen jetzt enttäuschen. Als Austauschschüler führt man ein ganz normales Leben, hat Hausaufgaben und ist ab und zu mal krank. Letzteres war diese Woche der Fall und ich durfte ein dominikanisches Krankenhaus von innen kennenlernen.

Angefangen hat es damit, dass ich mich schon letzte Woche öfters nicht sehr wohl gefühlt habe, bis ich dann am Montag mit den verschiedensten Symptomen wie Schwindel und Übelkeit von der Schule direkt ins Krankenhaus gefahren wurde.

Nach vier Stunden und geschätzten zwei Liter Blutproben in der Notaufnahme stand dann endlich die Diagnose: Infektion in der Magengegend!

Mit zwei Schläuchen im Handgelenk und vier Spritzen im Oberarm fuhr mich dann endlich ein (gutaussehender) Helfer in mein Zimmer, wo die Klimaanlage und die Fernbedienung nicht funktionierten.

Doch trotz vielen Schmerzen und Unannehmlichkeiten, langweilig wurde mir während meines Aufenthaltes in der Klinik nie, da man mich keine zehn Minuten alleine liess. Obwohl die dominikanische Mentalität an manchen Ecken gewöhnungsbedürftig sein kann, hat mich diese Seite sehr positiv berührt.

Denn im Gegensatz zu der Schweiz hält man hier Tag und Nacht Wache am Krankenbett. So fanden sich schon wenige Minuten nach Zimmerbezug einige meiner Freunde in diesem ein und blieben bis zum Ende der Besuchszeit, bis auf meine Schwester Catherine, welche die Nacht mit mir verbrachte.

Am nächsten Morgen verliess sie das Krankenhaus Richtung Universität, wurde aber unverzüglich von jemandem abgelöst und immer so weiter. In diesen zwei Tagen besuchten mich meine Familie, meine Freunde, deren Mütter, deren Freundinnen, sogar zwei meiner Lehrer kamen um nach mir zu sehen.

Und als ich dann endlich wieder entlassen wurde und zuhause das erste Mal seit zwei Tagen richtig essen durfte, fühlte ich mich schon fast wieder wie neu geboren. Allerdings setzten mich die Ärzte noch eine Weile auf Diät. Sie verboten mir für die nächste Zeit das Essen von der Strasse, bis mein Magen wieder stark genug ist, um auch dies zu verdauen.

Aufgrund meines Aufenthaltes im Krankenhaus, das übrigens wie meine Schule auch privat war, verpasste ich den ersten Ausflug meiner Organisation und somit gleichzeitig die Möglichkeit, endlich meine Schweizer Freundinnen wieder zu sehen.

Dafür wurde ich entschädigt, da ich und meine Schwester von einer befreundeten Familie nach Cabarete eingeladen wurden, der berühmteste Strand zum Kitesurfen in der dominikanischen Republik. Ein Tag voller Sonne, Strand und schöner Männer!