«Krakau hat sich unheimlich entwickelt»

Stadtvisite: Stadtpräsident Kurt Fluri begrüsst seinen Krakauer Kollegen Jacek Majchrowski. Er empfängt das Solothurner Stadtoberhaupt zusammen mit Boguslaw Kosmider, Vizevorsitzender des Krakauer Stadtrates, und Justyna Olszanska, verantwortliche Partnerstädtebetreuerin.

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Stadtvisite: Stadtpräsident Kurt Fluri begrüsst seinen Krakauer Kollegen Jacek Majchrowski. Er empfängt das Solothurner Stadtoberhaupt zusammen mit Boguslaw Kosmider, Vizevorsitzender des Krakauer Stadtrates, und Justyna Olszanska, verantwortliche Partnerstädtebetreuerin.

Während vier Tagen lernte eine Delegation aus Solothurn die polnische Partnerstadt Krakau näher kennen. Neben dem touristischen und gesellschaftlichen Aspekt wurden auch konkrete Projekte besprochen und die Partnerschaft bekräftigt.

Niklaus Stuber

Krakau ist seit dem 6. November 1990 neben Heilbronn und La Neuveville eine der drei Partnerstädte Solothurns. Die Universitäts- und Kulturstadt in Polen wird alle vier Jahre durch eine Solothurner Delegation von Chefbeamten und des Gemeinderats besucht. Unter der 18-köpfigen Delegation, die vom Donnerstag bis Sonntag auf eigene Kosten in Krakau weilte, befanden sich als Gäste alt Stadtpräsident Urs Scheidegger, der Begründer der Städtepartnerschaft, sowie RBS- und BSU-Direktor Hans Amacker. Neben dem offiziellen Anlass gilt jeweils ein grosser Teil der Zeit dem Besuch von Stadt und Umgebung und deren Sehenswürdigkeiten.

Kurt Fluri auf Polnisch

Krakau hat sich «in den letzten Jahren unheimlich entwickelt», sagte Kurt Fluri beim offiziellen Anlass im Krakauer Stadthaus, bei dem gegenseitig die gute Partnerschaft gerühmt wurde. Fluri liess es sich nicht nehmen, Begrüssung wie Schluss der Rede in - fast - lupenreinem Polnisch zu halten. Auch er gemahnte an die Verbindung der beiden Städte durch Kos´ciuszko. Der Krakauer Stadtpräsident Jacek Majchrowski seinerseits fand Worte des Lobes und des Dankes: «Die Beziehung mit Solothurn war und ist eine besondere.» Als Gastgeschenk überreichte Kurt Fluri Majchrowski die Kunstmappe «Hommage à Soleure» sowie 3000 Euro für die Notaufnahme des Narutowicza-Krankenhauses. «Die Unterstützung der medizinischen Versorgung ist wertvoll», dankte Majchrowski für die Spende, die ganz in der Tradition der Solothurner Städtepartnerschaft ist, wurde doch beispielsweise auch schon eine Kinderpflegeabteilung unterstützt.

Grosse Polizeipräsenz

Dass sich Krakau enorm entwickelt hat, das konnten vor allem diejenigen Mitglieder der Solothurner Delegation beobachten, die bereits vor vier oder mehr Jahren in Krakau waren. Die ungeheuer belebte Altstadt ist bis auf wenige Gebäude restauriert und macht einen äusserst gepflegten Eindruck, wie auf dem Stadtrundgang beobachtet werden konnte. Bemerkenswert auch die hohe Polizeipräsenz, die wohl mitverantwortlich ist, dass das bunte Treiben in (einigermassen) geordneten Bahnen verläuft. Das pulsierende Leben auf dem Marktplatz wird in

bester Zirkusmanier angereichert durch Gaukler, Schausteller, Musikanten und Artisten. Der Krakauer Marktplatz gehört mit einer Fläche von rund vier Hektaren zu den grössten und auch zu den ältesten in Europa. Er wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts angelegt. Markant auch die Marienkirche mit ihren zwei unterschiedlichen, ungleich hohen Türmen. Der höhere von beiden war der alte Wachturm von Krakau und ist wegen des Trompetensignals bekannt, das heute noch jede volle Stunde in alle vier Himmelsrichtungen geblasen wird. Die Hauptpfarrkirche Krakaus wurde zwischen der Mitte des 13. bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts erbaut. Die dreischiffige Basilika ist auch wegen des grossen Werkes des Nürnberger Künstlers Veit Stoss bekannt. Neben der Stadtführung standen unter anderem ein beeindruckender Besuch im KZ Auschwitz-Birkenau, der Besuch der Retortenstadt Nova Huta und ein Nachtessen in einem typischen Restaurant und Klezmer-Musik im jüdischen Viertel Kazimierz auf dem Programm.

Amacker seinerseits nutzte die Gelegenheit, sich bei den Krakauer Verantwortlichen über deren Konzept für den öffentlichen Verkehr zu informieren. «Nicht direkt für uns nutzbar, aber doch höchst interessant», lautete sein Kommentar. Stadtschreiber Hansjörg Boll seinerseits führte erste Gespräche über die Verwendung des von der Schweiz für EU-Neumitglieder zur Verfügung gestellten Geldes. Dieses Geld steht ausschliesslich für nicht gewinnorientierte Projekte. «Ein erstes Abtasten ohne konkrete Resultate - noch», lautete sein Kommentar. Konkret hingegen ist der gute Eindruck, den die Delegation nach vier «anstrengenden» Tagen mit nach Hause nahm.

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