Dietikon

Kostspielige Prävention

Täglich Türgriffe reinigen: Massnahmen sollen vor Schweinegrippe-Verbreitung schützen. mu

Schule

Täglich Türgriffe reinigen: Massnahmen sollen vor Schweinegrippe-Verbreitung schützen. mu

Das «Wolfsmatt» in Dietikon ist wie alle Schulen im Kanton Zürich zur Pandemievorsorge verpflichtet. Damit verbunden ist ein erhöhter Hygienestandard, aber auch mehr Arbeitsstunden und eine stärkere finanzielle Belastung.

Kathrin Schaffner

«Wir leisten unseren Beitrag zur Pandemieprävention, und die Privatwirtschaft ist davon befreit», ärgert sich Herbert Sauter, Hauswart am Schulhaus Wolfsmatt in Dietikon.

Gehe er beim Grossverteiler einkaufen, so sehe er nirgends Handschuhe, Feuchttüchlein zum Abwischen der Einkaufswagen-Handgriffe oder aufwändige Reinigungsbemühungen. «Das ist doch unfair», findet Sauter. Die Schule als Dienstleister der öffentlichen Hand habe nämlich die Auflagen des Kantons zu erfüllen. «Die seit der letzten Ferienwoche laufende Pandemievorsorge bringt ganz klar einen Mehraufwand mit sich», sagt Sauter.

Aufwändige Sucharbeit

Erst eine Woche vor Schulbeginn seien die Weisungen des Volksschulamtes gekommen: Dutzende von Flüssigseifenspendern und Stoff- oder Papierspenderollen sollten installiert werden. «Ausserdem mussten Abfalleimer mit Deckel für Hygieneabfälle angeschafft werden», so Sauter. Dies sei nur unter Stress und durch den Verzicht auf das ansonsten freie Wochenende zu bewerkstelligen gewesen, da das Ziel gewesen sei, am ersten Schultag voll ausgerüstet zu sein.

Dadurch sei Arbeit liegen geblieben, deren spätere Erledigung wiederum zu Stress führe. Allein die Sucharbeit nach den geforderten Materialien habe sich als ausgesprochen aufwändig erwiesen, meint auch der Schulleiter des Wolfsmatt, Werner Hardmeier. «Alle Schulen des Kantons Zürich hatten sich zum selben Zeitpunkt dieselben Gegenstände zu besorgen. Wenn ein passender Anbieter gefunden wurde, war der benötigte Artikel oft ausverkauft», schildert Hardmeier das Problem.

Zusätzlich zu den Einkäufen und Installationen kommt laut Hardmeier der Arbeitsaufwand für die Reinigungsarbeit. Hauswart Sauter beschreibt die Situation so: «In den ersten zwei Wochen mussten alle Türgriffe und Treppengeländer zwei Mal täglich mit bakterientötendem Mittel gereinigt werden. Das entspricht täglich drei vollen Arbeitsstunden.» Ab jetzt werde dieselbe Reinigung noch ein Mal täglich durchgeführt.

Einsichten gewinnen

Sauter sieht aber auch die positive Seite der Pandemieprävention. «Nun hat ein angemessener Hygienestandard Einzug gehalten, von dem die Schulen auch nach der Schweinegrippe-Zeit noch profitieren werden», ist Sauter überzeugt. Denn die kostspieligen Neuanschaffungen blieben zukünftig in Betrieb, und dass kranke Kinder sich zuhause auskurieren sollten, habe auch wieder ein Mal bewusst gemacht werden müssen.

«Ich hoffe auch, dass der Kanton die Gelegenheit nutzt, durch Befragungen des Schulpersonals Einsichten zu gewinnen, die bei einer späteren Pandemiegefahr das rasche und richtige Reagieren erleichtern», so Sauter.

Überblick nicht möglich

Darüber, in welcher Grössenordnung sich die bisherigen durch die Schweinegrippe-Prävention verursachten finanziellen Ausgaben der Schule Dietikon bewegen, können laut Dietikons Schulpräsident Gaudenz Buchli noch keine Angaben gemacht werden. Die Abrechnungen der Schuleinheiten erfolgten höchstens ein Mal monatlich, sodass ein Überblick über die Kosten momentan nicht möglich sei.

«An der Schulleitungskonferenz in etwa drei Wochen sehen wir, wie es um die finanziellen Aufwände steht», so Hardmeier dazu.

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