Kopfhörer

Kopfhörer auf und ab geht die «Silent Party»

Silent Pary im Flössi

Silent Pary im Flössi

Eine Party ohne laute Musik, dafür mit Kopfhörer - das ist die «Silent Party». Ein Bericht von einem exotischen Experiment, durchgeführt im Aarauer Jugendkulturhaus «Flössi».

Michael Hunziker

Es ist Samstagabend, vor dem Jugendkulturhaus Flösserplatz, und wo sonst Bässe gegen Fensterscheiben hämmern und Melodien bis ins danebenliegende Parkhaus hallen, ist es still. Es scheint, das Partyhaus gönne sich einen veranstaltungsfreien Abend. Doch die Ruhe trügt. Da steht ein Türsteher, der den ganzen Türrahmen ausfüllt, und da trudeln Leute ein.

Im Innern, wo man ansonsten meistens nur mit Ohropax den Wall lauter Musik zu durchschreiten vermag, hört man jetzt das Quietschen von Turnschuhen eines Tänzers und vereinzelt ein leises Summen. Es ist Silent Party und der Name ist Programm.

Wie funktioniert das Ganze? Am Eingang erhält jeder einen Kopfhörer, der via Funksignal mit den DJs verbunden ist. Auf zwei Kanälen spielen die DJs Xanthipus und Tiggr die Hits und Shits der vergangenen 40 Jahre und DJ Vertigo Elektro. Das Publikum tanzt dementsprechend unterschiedlich, und man könnte es sich zum Ratespiel machen herauszufinden, wer zu was tanzt.

Der Veranstalter Ueli Gut ist an diesem Abend mit 500 Kopfhörern chinesischen Fabrikats aus St.Gallen angereist. Er ist derjenige, der diese Form von Partymachen in die Schweiz hinaustragen will. «In England und den Niederlanden sind solche Partys stark im Trend», sagt er und bedauert, dass dieser in Aarau noch nicht so ganz angekommen ist: Rund 50 Leute tanzen unter der Discokugel, im Eingang stehen die vollen Kisten mit den Kopfhörern.

Angefangen hat alles letztes Jahr, als Gut eine grosse Grillparty veranstalten wollte, und um keinen Zoff wegen des Lärms mit den Nachbarn zu bekommen, bestellte er 100 Kopfhörer. «Die Idee kam gut an, und ich dachte, das liesse sich ausbauen», erzählt Gut. Beim Charity-Anlass «Jeder Rappen zählt» von Radio DRS sei er auf dem Bundesplatz gewesen, und die Menschen konnten ein Silent-Konzert durch seine Kopfhörer erleben.

Eigenartig: Gespräche in einer Disco in normaler Lautstärke zu führen, das eigene Wort zu versehen, und sogar das des andern, ohne gegen die Musik anbrüllen zu müssen - daran könnte man sich gewöhnen.

Dann und wann klatscht jemand im Takt, Refrains werden mit fragilen Stimmen mitgesungen. Das Publikum scheint sich zu amüsieren, an der Bar versteht der Barkeeper die Bestellungen. «Ich finde diesen Anlass super, denn es ist einfach ein intensiveres Tanzen und Abtauchen, wenn ich die Musik direkt auf den Ohren habe», meint Solange, die wie fast alle zum ersten Mal an einer Silent Party teilnimmt. «Hier habe ich die Freiheit, welche Musik ich hören will und wie laut. Die Kopfhörer kann ich ablegen, wenn mir nach reden ist. Das ist angenehm.»

Nicht ganz so zufrieden sind die Jungs Tex und Bryan: «In einer normalen Disco ist es leichter, Frauen kennen zu lernen, da tanzen alle zum gleichen Beat», sagt Ersterer. «Ist einfach so, Mann!», pflichtet ihm sein Kollege bei. An der Bar steht ein Paar und nickt in ungleichem Takt. Sie schmunzeln und schalten auf denselben Kanal.
Bis morgens um vier werden Kopfhörer auf- und abgesetzt und wird getanzt, jeder zu seinem Takt, bis Ueli Gut sie wieder in ein Mobility-Auto verlädt und nach St. Gallen zurückfährt.

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