Schweizerdeutsch
Kopf, Haupt, Grind: Eine dieser Bezeichnungen stand einst für einen Ausschlag der Kopfhaupt

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch. Er schreibt über Mundartausdrücke, deren Geschichten auch in den Aargau führen. Heute geht es um den Kopf.

Niklaus Bigler
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Der Kopf: Für ihn haben die Menschen schon so manchen Begriff ersonnen.

Der Kopf: Für ihn haben die Menschen schon so manchen Begriff ersonnen.

AZ

Im Mittelalter war houbet (Haupt) das übliche Wort zur Bezeichnung des Kopfes. Das Wort ist in allen germanischen Sprachen vorhanden; in der altenglischen Form hafud erkennt man am besten, dass es auch mit lateinisch caput verwandt ist. Später hat es sich zugunsten von Kopf zurückgezogen, seine Reservate sind unter anderem die feierliche Sprache (sein Haupt neigen), der Garten (Saloothäuptli), der Stall (es Haupt Vee) und (wenn es schon um Reservate geht) der Häuptling. Der Bezug auf das Vieh ist recht alt: «Sy namen jm syn vych, by [etwa] 40 häupter», heisst es in einem Dokument von 1419.

Was den Salatgarten betrifft, so findet man in der deutschen Schweiz vor allem das Häu(p)tli (in Wien übrigens das Hapel), aber auch den Chopf (so im Fricktal) oder (im Wallis) das Chopfji. Diese Angaben aus dem Sprachatlas wären noch zu ergänzen mit ein paar Grinde (Grindli) aus dem südlichen Kanton Bern.

Grind bezeichnete ursprünglich einen Ausschlag der Kopfhaut, der mit einer harten Krustenbildung verbunden war. Im Niederdeutschen bedeutet das Wort auch ‹Sand, Kies› und im Englischen als Verb ‹mahlen, knirschen›. Seit dem 16. Jahrhundert ist der Grind bzw. Gring im Alemannischen nichts anderes mehr als ‹Kopf›. Das Schweizerdeutsche Wörterbuch stuft um 1880 seine Verwendung als «derb» ein, mit Ausnahme von Bern, Entlebuch und Solothurn, wo sie «nicht eben als anstössig» gelte. Der Entlebucher Volkswitz nannte als Mittel gegen Kopfweh: Gang z Wolhuuse über d Brugg [ins Entlebuch], daa hest de Grindwee.

Der hert Grind hat seinen Mittelpunkt innerhalb des Schädels, er heisst dann auch Setz-, Steck-, Stiere- oder Zwäng-Grind. Treffen zwei solche Köpfe aufeinander, dann kann man sich denken, wie der Disput ausgeht: Sie gänd enand uf de Grind!