Konservenkirschen habens schwer

Ein Systemwechsel brachte heuer die Produzenten von Konservenkirschen in die Bredouille. Zollfreie Importe verarbeiteter Kirschen und der Wegfall der Exportverbilligung liessen befürchten, dass ein Drittel der Ernte nicht verkauft werden könnte. Nun scheint diese Gefahr gebannt.

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Konservenkirschen habens schwer

Konservenkirschen habens schwer

Daniel Haller

Seine Aussage in der «Bauernzeitung», man müsse die Zahl der Bäume reduzieren, falls es nicht gelinge, die Konservenkirschen alle abzusetzen, will Hansruedi Wirz als Provokation verstanden wissen. Doch der Präsident des Früchtezentrums Basel scheint damit den Produzenten aus dem Herz zu sprechen: «Es bringt nichts, Hochstammbäume zu fördern, wenn die Preise für Konservenkirschen im Keller sind», meint der Wintersinger Kirschenproduzent Paul Sprenger. Hochstämmer liefern vor allem Kirschen für Konfitüre, Joghurt, Kuchen oder Säfte. Fr. 1.37 für geschüttelte, Fr. 1.47 fürs Kilo handgepflückte bekommt der Konservenkirschen-Produzent nach Abzug des Verarbeitungsbeitrags (siehe unten). Ein Pflücker schafft 10 bis 12 Kilo pro Stunde. «Der Stundenlohn ist meistens höher als der Ertrag», rechnet Sprenger vor.

Griechen sind billiger

Selbst zu diesen Preisen ist der Absatz unsicher. «Unsere Hauptkonkurrenten sind die Türkei und Griechenland», berichtet Wirz. Der türkische Produzent liefere für 50 bis 60Rappen pro Kilo. So konkurrenzieren entsteinte und gefrorene Importkirschen seit den Bilateralen II (2005) die Inland-Konservenkirschen. Dazu kommt, dass im Zug der WTO-Verhandlungen die Exportbeiträge, mit denen der Bund Ausfuhren verbilligt hat, sei diesem Jahr wegfallen.

Sie wurden ersetzt durch den Rohstoffpreisausgleich: Damit es inländischen Herstellern von Kirschenprodukten leichter fällt, sich für die teurere Schweizer Ware anstelle der billigen Importe zu entscheiden, erstattet der Bund den Fabriken die Hälfte des Produzentenpreis-Unterschieds. Bei Konservenkirschen beträgt diese Subvention heuer 52,3Rappen pro Kilo.

Mit dem Bund gefeilscht

Dass sich Wirz im Juni trotzdem zur provokativen Aussage des Bäume-Reduzierens hinreissen liess, lag an den Ernte-Aussichten: «Wir erwarteten eine Konservenkirschen-Ernte von rund 1200Tonnen, davon zwei Drittel in der Nordwestschweiz», berichtet er. Dem stand ein geschätzter Inlandsbedarf von 700Tonnen gegenüber. «Wir mussten, auch mit der Unterstützung von Nationalrat Caspar Baader (SVP), mit dem Bundesamt für Landwirtschaft heftig um die Höhe des Rohstoffpreisausgleichs feilschen», erklärt er. Der Bund sei von falschen griechischen und türkischen Produzentenpreisen ausgegangen.

Verarbeitungsbeitrag

Zudem hätten sich die Schweizer Produzenten bereit erklärt, pro Kilo einen Verarbeitungsbeitrag von 20Rappen zu bezahlen. Mit diesem De-facto-Preisabschlag werde es gelingen, weitere Kirschen zu verkaufen.

Da wegen des trockenen Wetters die Kirschen nun etwas kleiner bleiben und somit die erwarteten 1200 Tonnen nicht erreicht werden, hofft Wirz, in diesem Jahr die ganze Konservenkirschenernte vermarkten zu können: «Wenn dies gelingen sollte, dann wäre dies eine grosse Befriedigung für mich.» Doch einen Seitenhieb kann sich der SVP-Landrat nicht verkneifen: «Es ist mühsam, wenn die Poli-tik die Rahmenbedingungen ändert, und am Schluss liegt die Verantwortung bei einzelnen Berufsgruppen respektive bei einzelnen Personen.»

Für die Zukunft hofft er auf das Projekt einer Aargauer Firma, Trockenkirschen herzustellen. «Noch ist nichts spruchreif. Und ob dann Schweizer Kirschen verarbeitet werden, ist eben auch da eine Frage des Preises.» Prinzipiell hofft er, mittels Rohstoffpreisausgleich die Kirschen künftig auf dem Inlandsmarkt absetzen zu können: «Das ist vernünftiger, als sie für den Export zu verbilligen.»

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