Am Ende
Konkurs: Hotel von Gilberte de Courgenay kommt unter den Hammer

Das legendäre Hôtel de la Gare, wo Gilberte de Courgenay im Ersten Weltkrieg wirkte, wird wohl liquidiert. Das Konkursgericht in Pruntrut hat vor wenigen Tagen bereits das Verfahren gegen die «Fondation Gilberte de Courgenay» eröffnet.

Bojan Stula
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Hôtel de la Gare in Courgenay ist am Ende. Hier hat die legendäre Gilberte de Courgenay gesungen. Ein Wandbild zeugt noch heute davon.

Hôtel de la Gare in Courgenay ist am Ende. Hier hat die legendäre Gilberte de Courgenay gesungen. Ein Wandbild zeugt noch heute davon.

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Über ein Jahrzehnt lang versuchte der Baselbieter Moritz Schmidli, dem berühmten Hôtel de la Gare im jurassischen Flecken Courgenay neues Leben einzuhauchen. Nun ist der
88-jährige Rentner endgültig am Ende. Die frühere Wirkungsstätte der vielfach besungenen und im Film verewigten Wirtstochter Gilberte Montavon, die während des Ersten Weltkriegs «toute l’armée» bewirtete und kannte, steht kurz vor der Liquidation. Das Konkursgericht in Pruntrut hat vor wenigen Tagen das Verfahren gegen die «Fondation Gilberte de Courgenay» eröffnet. Schmidli bestätigte gestern gegenüber dieser Zeitung einen entsprechenden Eintrag im Handelsregister.

Keinen Nachfolger gefunden

1998 hatte Schmidli das marode Gebäude samt Grundstück gekauft und danach 1,25 Millionen Franken als Darlehen in die Fondation eingeschossen, um die nationale Gedenkstätte zu erhalten. Gemäss eigener Schätzung hat der Prattler in den vergangenen 15 Jahren 1,75 Millionen in den Unterhalt investiert. Noch heute besuchen mehrere Reisegruppen pro Woche das 2001 wiedereröffnete Hotel-Restaurant, wo die Gäste in der restaurierten Gaststube von einer Verwandten der 1957 verstorbenen Gilberte empfangen werden.

Seit 2010 bemühte sich Schmidli darum, einen Nachfolger für den Stiftungsvorsitz der Gilberte-Fondation zu finden, der diese in seinem Sinne hätte weiterführen können. Entsprechende Gespräche mit potenziellen Nachfolgern verliefen aber im Sande. Auch auf die Rückzahlung seines Darlehens, das er von sich aus bis auf 500 000 Franken abschrieb, hat er vergebens gewartet; für eine Rückzahlung reichten die flüssigen Mittel der Stiftung nie aus. Eine nationale Spendenaktion verpuffte ergebnislos. So musste sich der Rentner ohne Nachfolger und im Rechtsstreit mit den jurassischen Behörden zurückziehen. Seit 2012 verwaltet der Kanton Jura die Stiftung kommissarisch.