Kompetenzzentrum für Altersfragen
Kompetenzzentrum für Altersfragen

Die Fachstelle für Altersfragen beendet die Pilotphase, öffnet sich der ganzen Region und steht Gemeinden und Organisationen als Kompetenzzentrum und Stabsstelle zur Verfügung.

Merken
Drucken
Teilen
Fachstelle für Altersfragen

Fachstelle für Altersfragen

Stadtanzeiger Baden

Hubert Keller

«Vor der Einführung des neuen Pflegegesetzes hatten die Gemeinden wenig Grund, sich mit Fragen der Betagtenbetreuung und deren Finanzierung auseinanderzusetzen», sagt die Bergdietiker Gemeinderätin Brigitte Diggelmann.
Seit dem 1. Januar 2008 ist das anders. Die Gemeinden sind bedingt durch das neue Pflegegesetz gefordert und - dies betrifft insbesondere die kleinen Gemeinden - in vielerlei Hinsicht auch überfordert.

Die Informations- und Fachstelle für Altersfragen Baden / Ennetbaden wurde bereits 1999 eingerichtet, damals als Massnahme des Betagtenbetreuungskonzepts von 1992.
Mit der Pro Senectute Aargau besteht eine Leistungsvereinbarung, um am Fachwissen und an der Kompetenz dieser nationalen Altersorganisation teilhaben zu können.
2006 wurde die Fachstelle auf die Gemeinden Obersiggenthal, Bergdietikon und Killwangen ausgedehnt - vorerst als Pilotprojekt für zwei Jahre. Wegen der Entwicklungen im Langzeitpflegebereich und vor allem wegen des neuen Pflegegesetzes wurde die Pilotphase verlängert. Ende 2009 ist diese nun abgelaufen.
Abgelaufen heisst nicht eingestellt. Die Fachstelle und deren Angebote werden angepasst und neu konzipiert. Denn, davon sind die verantwortlichen Personen sowie Fachstellenleiter Roland Guntern überzeugt: Die Fachstelle ist heute wichtiger denn je. Eine gemeinsame Fachstelle, so Guntern, trage mithin auch zu Kosteneinsparungen in den Gemeinden bei.

Die Neukonzeption sieht vor, dass der Bereich Informationsvermittlung neu gemäss Pflegegesetz von Pro Senectute Aargau angeboten wird.
Die verbleibenden Aufgaben der Fachstelle sind in Module aufgeteilt und können von den Gemeinden gemäss ihren Bedürfnissen flexibel und massgeschneidert beansprucht werden. Neu heisst die Stelle «Fachstelle für Altersfragen Region Baden», um die regionale Verankerung und Bedeutung zu dokumentieren.

Das Grundmodul I hat für die Gemeinden und deren Behörden die Funktion einer Stabsstelle, welche Aufgaben übernimmt, die sonst die Gemeindeverwaltungen zu erledigen haben. Die Fachstelle steht den Gemeinden der Region als kompetente Anlaufstelle zur Verfügung. Durch die Einbettung in die Pro Senectute Aargau ist sichergestellt, dass neue Entwicklungen und Erkenntnisse in die kommunale Altersarbeit einfliessen.
Das Altersforum, das Grundmodul II, dient als Plattform zur Koordination der Altersarbeit. Organisationen und Institutionen (Gemeinden, Heime, Kirchen usw.) können ihre Anliegen einbringen und gemeinsam besprechen. Relevante Projekte werden aufgegriffen und angestossen. Das Forum trägt zur Entwicklung der Altersarbeit bei.

Am Schluss zahlen die Gemeinden

«Ein Vorteil des neuen Pflegegesetzes besteht darin, dass die Gemeinden zur Zusammenarbeit gezwungen sind», sagt die Badener Stadträtin Daniela Oehrli. Im Rahmen der Regionalplanung Baden Regio findet demnächst eine Sitzung statt, welche eine Bestandesaufnahme in den Gemeinden in die Wege leiten soll: Was ist vorhanden (Betten, Dienstleistungen)? Wo ist das Know-how? Wo sind die Bedürfnisse, wo die Lücken, und wer füllt sie? Damit dürfte ein wichtiger Schritt zur Zusammenarbeit der Gemeinden gemacht werden. Denn die Gemeinden stehen in der Pflicht, vor allem auch finanziell. In diesem Zusammenhang macht Oehrli darauf aufmerksam, dass gemäss geltender Regelung die «Restkosten» im ambulanten und stationären Bereich (Gesamtkosten für einen Patienten abzüglich der Beiträge von Krankenkasse und Patient) von den Gemeinden getragen werden müssen. Bis 2015 benötigt der Aargau zu den bestehenden 5800 Pflegeplätzen weitere 2700. Und das ist nicht Aufgabe des Kantons, sondern der Gemeinden. (Kel)

Neu beteiligt sich zur Freude der Badener Stadträtin Daniela Oehrli auch die Gemeinde Wettingen an diesem Forum.
Zwei Zusatzmodule betreffen die Herausgabe der Senioreninformationsschrift und den Betrieb einer Vermittlungsstelle für den Besuchsdienst.
Im Unterschied zu Pro Senectute, die mit ihren Diensten betroffenen Personen direkt zur Verfügung steht, sind bei der Fachstelle für Altersfragen Institutionen und Organisationen die Nutzniesser.

Mit dem neuen Pflegegesetz sind die Gemeinden urplötzlich zuständig für die Langzeitversorgung der betagten Leute. «Für die Gemeinden stellt dies eine grosse Hürde und komplexe Aufgabe dar», sagt Gemeinderätin Brigitte Diggelmann, deren Gemeinde Bergdietikon für die Dienste der Fachstelle dankbar ist.

Gemeindeammann Cornelia Biasca, Killwangen, doppelt nach: «Mir ist es ein Rätsel, wie die anderen kleinen Gemeinden mit den komplexen Fragen, die durch das neue Pflegegesetz an sie herangetragen werden, klarkommen.» Die Fachstelle ist genau richtig in der Zeit.