Bettina Nägeli

Menschen - diese bilden seit jeher die Grundlage für das Wirken von David Glatz. Die Menschen mit all ihren Eigentümlichkeiten und Wesenszügen, jede Generation mit samt ihren kleineren und grösseren Sorgen: «Es ist inspirierend, sich in Menschen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, hineinzudenken.» Genau dieser gesellschaftliche Aspekt war es schliesslich, den Glatz in das Gefilde der Politik führte; in eine Landschaft, die nur allzu oft von Intransparenz und fehlender Menschlichkeit durchzogen zu sein scheint. In Anbetracht des Schweizerischen Politsystems sei eine der direkten Demokratie entgegengesetzte Machtballung auf staatlicher Ebene festzustellen. Diese bringe die Konsequenz mit sich, dass «das Volk dabei einfach weggeschaltet wird». In zugespitztem Wortlaut spricht der ehemalige Lehrer angesichts jener ungleichen Machtverteilung gar von einer frappierenden Ähnlichkeit zum absolutistischen «Ancien régime». Die Frage, die sich der einstige SVP-Politiker unweigerlich stellt, lautet: «Wo bleibt der Mensch?»

«Man spricht miteinander»

1964 erfolgte im Zusammenhang mit dem Aufbau des hiesigen neuen Seminars der Umzug von Fraubrunnen nach Langenthal. Neun Jahre später trat Glatz das Amt des kantonalen Schulinspektors an. Die Bildung empfand er als Berufsfeld, in welchem der «Faktor Mensch» nicht zu Gunsten anderer Aspekte unterging.

Jene Menschlichkeit, eng verbunden mit Akzeptanz, Entgegenkommen und Kommunikation, fand Glatz denn auch in der Langenthaler Politik wieder: «Politik auf der Ebene der Gemeinde funktioniert anders als auf jener des Bundes: Man spricht miteinander - ungeachtet der Parteizugehörigkeit.» In selbigem Umfeld fiel es dem heute 76-Jährigen nicht schwer, sich sowohl im Grossen wie auch im Kleinen Gemeinderat in den Dienst der Öffentlichkeit zu stellen. Und wiederum ist es insbesondere das Kennzeichen der Kommunikationsfähigkeit, das er benutzt, um die verbliebenen Erinnerungen an das Jahr 1982 - das Jahr als Präsident der Legislative - zu beschreiben: «Der Ratsbetrieb war geprägt von angenehmen Diskussionen und sachlichen Argumentationen. Das widerspiegelt die Langenthaler Politik.»

Neue Gewichtung Langenthals

Neben Glatz' Tätigkeiten in zahlreichen Ämtern und Kommissionen, zählte auch das Image Langenthals zu den Schwerpunkten seines lokalpolitischen Engagements. Wie das Funktionieren der Politik selbst, wertet David Glatz auch das Bild der Stadt aus einer Innenperspektive sowie deren Darstellung gegenüber aussen als positiv: «Langenthal bildet ein Konglomerat aus den verschiedensten Menschen, die gut zusammen leben können.» Zur aussenbestimmten Wahrnehmung als selbstbewusste und vielseitige Stadt hätten zudem namhafte Persönlichkeiten beigetragen; so etwa der langjährige Gemeindepräsident Hans Ischi oder Regierungsrat Hans-Jürg Käser. «Für den Kanton existierten wir lange Zeit kaum. Durch das grenzüberschreitende Agieren und Wirken von solchen Charakteren hat die Gewichtung des Fleckens Langenthal jedoch eine neue Dimension erreicht.»

Der Kreis schliesst sich

Nach dem Rücktritt aus der Langenthaler Politik Ende der Achtzigerjahre widmete sich Glatz vollumfänglich jenem Bereich, der neben seinem Beruf stets erste Priorität genoss und eine zusätzliche Facette seines eigenen Mensch-Seins darstellte: das Schiessen. Seine Laufbahn umfasst alle Chargen von Sektion, Landesteil und Kanton bis hin zur Spitze des Schweizerischen Schützenvereins und in den Verwaltungsrat der Weltorganisation ISSF. Abermals bildete der Einsatz für den Einzelnen ein zentrales Element seiner Beschäftigung. Um die Anliegen der Schützen als Zentralpräsident wahrzunehmen, paarte Glatz - wie bei bisher angegangenen Herausforderungen - Feingefühl mit Durchsetzungsvermögen. Eine Mischung, die sich im Umgang mit den Menschen erneut als erfolgreich erwies.

Bis heute setzt sich der Vater dreier Kinder und neunfache Grossvater mit Erfahrung und Motivation für andere ein. Mit einer vor zwölf Jahren gegründeten Einzelfirma für Kommunikation und Lebensberatung richtet er sein Augenmerk nunmehr auf Personen im Pensionsalter. Damit schliesst sich sein in vergangenen Jahren als Lehrer geöffneter Kreis. Nach Ruhe, Gemächlichkeit und freier Zeit scheint man in Glatz' Alltag vergeblich zu suchen. Er selbst meint jedoch: «Für das, was mich interessiert, nehme ich mir alle Zeit der Welt.»