Köhler kritisiert Fehlverhalten und hohe Gehälter in der Wirtschaft

Horst Köhler übt Kritik (Archiv)

Horst Köhler übt Kritik (Archiv)

Der deutsche Bundespräsident Horst Köhler hat scharfe Kritik an Fehlverhalten und zu hohen Gehältern in der Wirtschafts- und Finanzwelt geübt.

"Es gab Exzesse. Da kann die Politik nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Köhler der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

"Wenn manche Manager in wenigen Jahren mit zwei- bis dreistelligen Millionenbeträgen vergütet wurden, steht das in keinem Verhältnis zu ihrer Leistung. Zumal sie jetzt einen Scherbenhaufen hinterlassen haben, ohne persönlich nennenswert zu haften", sagte das Staatsoberhaupt.

Es habe eindeutig Fehlverhalten gegeben. "Was einigen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht", erklärte Köhler. Es gehe "auch um Fragen des Anstands". Der Bundespräsident forderte die Finanzelite auf, sich einer kritischen Selbstreflexion zu unterziehen. Dies gelte auch für die Aufsichtsorgane der Finanzinstitutionen.

Die Spitzen im Finanzgeschäft hätten sich nicht nur von der Realwirtschaft entfernt, sondern von der Gesellschaft insgesamt. Unternehmen könnten nur dauerhaft Wertschöpfung erbringen, wenn sie in die Gesellschaft eingebettet seien und von ihr getragen würden, mahnte Köhler.

Auf den Finanzmärkten ist nach Ansicht des Bundespräsidenten "eklatant" gegen die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft verstossen worden, die Freiheit und Verantwortung zum Nutzen aller vereinige.

"Die Freiheit war hier praktisch schrankenlos geworden", sagte Köhler. In schrankenloser Freiheit stecke aber auch Zerstörungskraft. "Der Markt braucht Regeln und Moral."

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