Dorthin war sie nach ihrem vorherigen Freispruch im Jahr 2011 zurückgekehrt. Nachdem sie im zweiten Verfahren für unschuldig erklärt worden sei, habe sie "Besseres vom italienischen Justizsystem erwartet".

Ein Berufungsgericht in Florenz hatte die 26-Jährige am Donnerstagabend des Mordes schuldig gesprochen und in Abwesenheit zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde ebenfalls des Mordes schuldig befunden und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

(Quelle: Youtube.com)

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Sollecito verfolgte das Urteil nach Angaben seiner Anwälte im Fernsehen und reagierte "bestürzt". Die Angeklagten hatten die Tat stets bestritten. Sie waren bereits 2010 wegen des Mordes an Kercher im Jahr 2007 im italienischen Perugia zu 26 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Berufungsgericht sprach sie jedoch 2011 nach vier Jahren Haft frei.

Der neue Prozess in Florenz war 2013 vom obersten italienischen Gericht angeordnet worden, das Widersprüche und Unzulänglichkeiten im Berufungsverfahren sah. Aus Angst vor einem neuen Schuldspruch war Knox nicht nach Florenz gereist.

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"Übereifrig und stur"

In ihrer Erklärung kritisierte die US-Studentin eine "übereifrige und sture Staatsanwaltschaft" und sprach von "voreingenommenen und engstirnigen Ermittlungen". Allen mangelnden Beweisen zum Trotz sei die Anklage nicht bereit gewesen, "Fehler zuzugeben" und habe sich stattdessen auf "unzuverlässige Zeugenaussagen und Beweismittel" gestützt.

Das "Fehlurteil" sei nicht nur entsetzlich für die Verurteilten, sondern auch für "das Opfer, die Angehörigen und die Gesellschaft". Die Anwälte von Knox und Sollecito haben bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.

Die damals 21-jährige Britin Kercher war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der Wohnung im italienischen Perugia entdeckt worden, die sie sich mit Knox teilte. Ihre Leiche wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war zudem vergewaltigt worden.

"Ein wenig Gerechtigkeit"

Wegen ihres Todes im Gefängnis sitzt bereits der Drogendealer Rudy Guede, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt. Den Ermittlern zufolge wiesen die Stichwunden jedoch stark darauf hin, dass es mehr als einen Täter gab.

Der Anwalt der Familie Kercher, Francesco Maresca, äusserte sich zufrieden über das neue Urteil. Mit ihm sei Meredith und ihrer Familie "ein wenig Gerechtigkeit widerfahren".

"Das war das Urteil, das wir wollten. Wir wussten immer, dass das erstinstanzliche Urteil gerecht und ausgewogen war", sagte er. Die Schwester der Toten, Stephanie, sagte nach dem Verfahren, ihre Familie verlange lediglich nach "Wahrheit und Gerechtigkeit".

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