Martin Platter

Nicht alle freuen sich gleichermassen über den markanten Verkehrsabfluss aus den Dörfern im Bezirk Affoltern seit der Eröffnung der A4. Vor allem die zahlreichen Tankstellenbetreiber entlang der früheren Transitachse durchs Säuliamt haben teilweise empfindliche Umsatzrückgänge zu verkraften.

Diejenigen, die offen reden dürfen, wie beispielsweise Roger Maurer, Besitzer einer Billigtankstelle mit Garage in Hedingen, beziffern den Rückgang beim Treibstoffverkauf auf 40 Prozent. Er sei froh, dass der langjährige Vertrag mit Markenbindung an eine Treibstofffirma Ende 2007 ausgelaufen sei, sagt Maurer. Seither betreibe er eine freie Tankstelle, was mehr Spielraum in der Preisgestaltung zulasse. Sonst sähe das Ergebnis wohl noch desolater aus, denn Treibstoff werde in erster Linie über einen möglichst günstigen Preis verkauft.

«Als die Westumfahrung aufging, stieg die Kundenzahl um 30 Prozent. Viele davon ausländischer Herkunft, auf der Durchreise in den Süden», hat Maurer festgestellt. Dieser Anteil sei weitgehend weggebrochen, was sich in geringeren Euro-Einnahmen bemerkbar mache. Kleiner Rettungsanker seien Navigationsgeräte mit veralteten Kartendaten, die immer noch Autofahrer über den
alten Transitweg lotsten.

Ähnliches beobachtet auch Hans-Peter Meier, der seit zweieinhalb Jahren eingangs Affoltern eine BP-Tankstelle mit Shop, Bistro und Autowaschanlage betreibt. Im Vergleich zur Vorjahresperiode verzeichnete er in den letzten acht Wochen 25 und 30 Prozent weniger Umsatz an den Zapfsäulen und im Shop. Nur die Autowaschanlage sei vom Rückgang nicht betroffen. «Ich darf nicht jammern. Die Entwicklung war abzusehen», sagt Meier. In Zukunft wolle er noch mehr in die Kundenbindung investieren, die ihn bereits jetzt vor noch schlechteren Zahlen bewahrt habe.

Gemäss Pressesprecher Jürg R. Kretzer will auch die Coop-Mineralölgesellschaft ihren Franchisingnehmern mit Aktionen und Hilfsmassnahmen unter die Arme greifen. Gleich zwei Tankstellen - eine an der Zürichstrasse in Affoltern und eine in Sihlbrugg - verzeichnen geringere Kundenfrequenzen aufgrund der neuen Verkehrsführung. «Die Einbussen liegen im Rahmen der Erwartungen», so Kretzer, der aber keine konkreten Zahlen nennen will. Die Standorte seien dennoch nicht gefährdet, denn das Shop-Angebot liege im Trend. Die Coop-Pronto-Gruppe wachse im Convenience-Bereich (Fertiggerichte, Sandwichs, Getränke) nach wie vor im zweistelligen Prozentbereich.

Nicht überall ist die kommerzielle Bilanz der neuen Verkehrsführung negativ. Die drei Tankstellen zwischen Kronenplatzkreisel in Affoltern am Albis und der neuen Autobahneinfahrt verzeichnen deutlich höhere Einnahmen. «Die Benzinverkäufe stiegen in den Wochen seit der Autobahneröffnung um 20 Prozent», sagt Josi Jori, Mitinhaber der Kronenplatz-Garage.

Ebenfalls auf der Gewinnerseite steht die Esso-Station «On the Run» beim Bahnhofplatz-Kreisel. «Seit der Autobahneröffnung verkaufen wir rund 15 Prozent mehr Benzin, und auch der Shop hat mehr Kunden», stellt Geschäftsführer Agim Sabedini fest.

Esso-Sprecher Betrand Cornaz äussert sich dazu «vorsichtig optimistisch» und ergänzt, dass auch der Treibstoffverkauf an der My-Stop-Tankstelle auf der A4 Richtung Zürich gut angelaufen sei. Erfreulich ist für Cornaz, dass sich die beiden Tankstellen nicht gegenseitig konkurrenzieren. Bei «Oil!» an der Obfelderstrasse, nur wenige Meter von der Autobahnein- und -ausfahrt entfernt, blickt man ebenfalls auf eine positive Geschäftsentwicklung seit der A4-Eröffnung zurück.

Eine gemischte Bilanz ziehen Autogaragen, die Tankstellen als Nebengeschäft betreiben oder nur das Grundstück zur Verfügung stellen. «Wir haben einen Tankstellen-Krieg. Heute bin ich froh, dass wir vor zehn Jahren gegen einen Shop entschieden haben», sagt etwa Peter Odermatt, Betriebsleiter der Ruckstuhl-Garage an der Zürichstrasse in Affoltern. Mit rund 15 Prozent Einbusse bei den Benzinverkäufen seien sie bisher glimpflich davongekommen.