Katja Schlegel

Übergewichtige bedeuten für Bestattungsunternehmer Schwerstarbeit. «Wir können übergewichtige Tote oftmals nicht mehr im Sarg aus der Wohnung tragen, weil sie zu schwer sind», sagt Theo Gasser, Bestattungsleiter beim Institut Käch in Dornach. Für den Transport Fettleibiger hätte man deshalb eine spezielle Trage angeschafft. Die Verstorbenen werden eingehüllt durch das Treppenhaus nach unten getragen und im Hauseingang oder auf dem Friedhof in den Sarg umgebettet.

Dass die Feuerwehr beim Transport eines Übergewichtigen mit anpacken musste, hat Gasser aber noch nie erlebt. «Das kam bislang nur beim betriebsinternen Sanitätsdienst vor», sagt Gasser. Die schwerste Person, die er in den letzten 34 Jahren bestattet hat, wog 160 Kilos.

Das Bestattungsinstitut Käch hat heute Übergrössensärge an Lager; drei Kremationssärge und drei Erdbestattungssärge. Zwei Meter zehn auf 65 Zentimeter. Gebraucht werden solche Modelle etwa alle 14 Tage. Einen noch breiteren Sarg hat Gasser indes bisher nur ein einziges Mal gebraucht.

Drei bis vier Übergrössensärge stehen auch beim Bestattungsinstitut Sutter in Sissach immer bereit. Etwa alle 14 Tage wird einer gebraucht, Tendenz steigend. «Die schwerste Person, die wir bisher bestattet haben, wog rund 180 Kilo», sagt Margrit Sutter. In solchen Fällen müssten jeweils vier Mitarbeiter aufgeboten werden, um den Sarg aus der Wohnung zu tragen.

Doch nicht nur die Bestatter, sondern auch die Kremationsöfen stossen an ihre Grenzen: Die Öfen auf dem Basler Friedhof am Hörnli sind 80 Zentimeter breit. «Bis heute hatten wir keine breiteren Särge», sagt Betriebsleiter Markus Schnidrig. Massgebender als die Breite sei vielmehr das Gewicht. «Für die Einfahrmaschinen ist ein Gesamtgewicht von 175 Kilo die Obergrenze», sagt Schnidrig, wobei alleine der Sarg 30 Kilo ausmache.

Was darüber liege, werde an die Aarauer Krematorien überwiesen. Doch das ist selten: In den letzten zehn Jahren mussten lediglich zwei Kremationen in Aarau durchgeführt werden. Schnidrig sieht deshalb keinen dringenden Handlungsbedarf: «Das Thema Übergewicht wird erst bei der Planung eines Krematorium-Neubaus spruchreif werden.» Bis dahin werde es aber noch einige Jahre dauern.

Kräftig aufrüsten musste das Kantonsspital Bruderholz. Dank Igor Langer, Chefarzt der Chirurgie und Spezialist für bariatrische Chirurgie (chirurgische Behandlung übergewichtiger Personen) gilt das Kantonsspital Bruderholz inzwischen als Adipositaszentrum.

Seit Langers Stellenantritt im August 2008 wurden bereits 50 Patienten behandelt - entsprechend stabil muss die Infrastruktur sein: «Wir haben Spezialbetten mit einer Tragkraft bis 240 Kilo angeschafft», sagt Kommunikationsleiter Urs-Peter Modespacher. Für Eingriffe wie Magenbypass- oder Magenbandersatz-Operationen musste ausserdem ein verstärkter Operationstisch gekauft werden, der Patienten bis 360 Kilo tragen kann. Die alten Tische reichten für 130 Kilo.

Zu den Betten und Tischen kommen spezielle Operationsinstrumente, wie beispielsweise längere und dickere Kanülen für Spritzen, Rollstühle und WC-Stühle. Alles in allem wurden im Kantonsspital Bruderholz rund 215 000 Franken investiert.

Vorerst nicht gehandelt wird hingegen beim Rettungsdienst Paramedic AG in Laufen. «Die Transportgeräte sind für Lasten von 180 bis 240 Kilogramm ausgelegt», sagt Rettungssanitäter Georg Hirsch. Und bisher sei das Material noch nie an seine Grenze gestossen.