Katharina Schwab

An der Gstaader Promenade reiht sich ein Luxusgeschäft ans andere; Cartier, Hermés, Chopard - für Schmuck, Schuhe oder Kleider kann in Gstaad ein kleines bis grosses Vermögen ausgegeben werden. Für das Portemonnaie der Einheimischen sind diese Läden allerdings nicht geeignet.

Ihnen bleiben die Grossverteiler oder eben die kleinen, bezahlbaren Geschäfte. Auf der Suche nach nicht-touristischen Läden in der bekannten Promenade braucht man allerdings ein gutes Auge.

«Weniger Anzugleute»

Der Blumenladen Stricker steht fast am Ende der Promenade, Gestecke und Pflanzen schmücken das Trottoir. Die Kundschaft bestehe mehrheitlich aus Einheimischen, die Touristen kämen vor allem um die Weihnachtszeit herum, sagt die Filialleiterin Agnes Röthlisberger. Die Wirtschaftskrise geht auch am Blumengeschäft nicht spurlos vorbei: »Wir haben weniger Anzugleute», womit Röthlisberger Geschäftsleute meint, welche für Tagungen nach Gstaad kommen. Dafür hätten sie Glück mit dem Vermieter, «er will, dass das Lokal das ganze Jahr geöffnet hat, und deshalb bevorzugt er uns gegenüber den Luxusboutiquen», sagt Filialleiterin Röthlisberger.

«Wir sind frustriert»

Weniger Glück hat das Kleidergeschäft Zwahlen-Hüni, welches an einem prominenten Standort mitten an der Promenade steht. Denn das Haus wurde vor einiger Zeit verkauft und Zwahlen-Hüni müsse vermutlich raus, sagt die Kleiderverkäuferin Vreni Frautschi. Sie war 1961 die erste Lehrtochter im Kleidergeschäft und wird bald pensioniert.

«Wir sind frustriert», sagt Frautschi. Denn der neue Standort werde nicht mehr «top» sein. Das Sortiment ist klassisch und auch nicht den Touristen angepasst worden, da sie in der Zwischensaison auf die Einheimischen angewiesen seien, so Frautschi. Wie der Laden am neuen, weniger prominenten Standort überleben wird, kann sie nicht sagen. «Das wird sich zeigen.»

Ein wenig versteckt, auf der Hinterseite eines Chalets, befindet sich das Geschäft von H. G., der nicht genannt werden möchte. Seine Kunden sind zu zwei Dritteln Einheimische, der Rest seien Chalet-Besitzer und Touristen. «Ich spüre die Wirtschaftskrise», sagt der Inhaber des Ladens. Das Kaufverhalten sei überlegter geworden, «und zahlungsfähige Menschen zeigen sich knauseriger als sonst», so H. G.

Dass sein Laden inmitten von Boutiquen mit kaum bezahlbaren Waren steht, mache ihm keine Probleme, bei ihm verkehre eine andere «Gastig», wie er sagt. Und er biete gute Beratung und Dienstleistung an. Hat er sich noch nie überlegt, voll auf den Touristenzug zu springen? «Ich kann es mir nicht leisten, ein halbes Jahr Ferien zu machen», sagt er. Damit spricht er die Geschäfte an, welche nur wenige Monate im Jahr - zur Hauptsaison - geöffnet haben.

Gewerbe verschwindet

Die Geschäfte, welche nur in der Hauptsaison geöffnet haben, dominieren im Luxusferienort Gstaad. Das «Lädeli»-Sterben habe auch Gstaad erreicht; «vor allem die klassischen einheimischen Geschäfte müssen schliessen», ist Verkäuferin Frautschi überzeugt. Ins gleiche Horn bläst auch der Ladeninhaber H. G.: Das traditionelle Gewerbe wie das Gemüsegeschäft oder die Bäckerei um die Ecke sei am Verschwinden. Trotzdem sehe er nicht schwarz. «Wir boxen uns durch und haben harte Schädel».