Klinik Sonnenblick

Klinik Sonnenblick: Angestellte kritisieren Leitung

Wehmut: Die Angestellten winken zum Abschied von den Balkonen der Klinik Sonnenblick.

Angestellte der Klinik Sonnenblick

Wehmut: Die Angestellten winken zum Abschied von den Balkonen der Klinik Sonnenblick.

Die Angestellten fühlen sich von der Klinikleitung Sonnenblick im Stich gelassen: Abschiedsapéro und RAV-Termin haben sie selbst organisiert. Derweil machte sich der Direktor rar.

Roman Schenkel

Bis zum bitteren Ende haben die Angestellten der Klinik Sonnenblick vollen Einsatz gezeigt. Gestern Morgen haben die letzten beiden Patientinnen den «Sonnenblick» verlassen. «Nun schreibe ich die Arbeitszeugnisse für die Mitarbeitenden», sagt Martina Engelen, leitende Hebamme.

Schliessung war für alle ein Schock

Fast alle der 91 Angestellten sind gestern Nachmittag ein letztes Mal in den «Sonnenblick» gekommen. «Wir haben alle zu einem Abschiedsapéro eingeladen», sagt Engelen. «Die Schliessung des ‹Sonnenblicks› war ein Schock für alle, wir wollen uns gemeinsam verabschieden.»

Nicht nur den Apéro, sondern auch die Termine mit der regionalen Arbeitsvermittlung und der Gewerkschaft haben die Angestellten eigenhändig organisiert. Denn unter den Angestellten herrscht neben dem Ärger vor allem Ratlosigkeit. «Ich bin mit der Situation ziemlich überfordert, wir wissen nicht, was alles auf uns zu kommt», sagt eine Hebamme.

«Die Klinikleitung war heute Morgen nur kurz hier und ist wieder gegangen», ärgert sich Gabriela Schegg, Leiterin Wochenbett. Den Verwaltungsrat habe man seit dem Dienstag, als er die Angestellten über die sofortige Schliessung informiert hat, nicht mehr gesehen.

Ein anderer Termin war wichtiger

Wo bleibt die Verantwortung des Arbeitgebers? «Ich hatte um 14 Uhr eine andere terminliche Verpflichtung und konnte beim Apéro der Angestellten nicht vor Ort sein», sagt Direktor Felix Lienert. «Das war nicht böse gemeint, es ging einfach nicht anders.» Er werde nachher aber in die Klinik gehen und «sie dann wohl auch als Letzter verlassen», so Lienert.

«Die Informationen durch die regionale Arbeitsvermittlung und die Gewerkschaft hätten wir auch organisiert, die Mitarbeiter konnten aber nicht länger warten. Deshalb haben Sie die Termine selbst fixiert», versucht Lienert zu erklären.

Er könne nachvollziehen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer solch schwierigen Situation wenig Verständnis haben. «Wir bedauern die Schliessung sehr, es ist auch für uns mental sehr schwierig.»

Das Konkursamt Baden hat inzwischen die Konkurseröffnung der Klinik Sonnenblick AG erhalten. Der Verwaltungsratspräsident Beat Fellmann war gestern für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen.

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