Klingnauer ist in Waldshut der Boss

Der Klingnauer Victor Kern präsidiert seit sechs Jahren die Minigolffreunde Waldshut – und hat Spass an seinem Amt. Für ihn ist es nichts Aussergewöhnliches, als Schweizer einen deutschen Verein zu führen.

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Aargauer Zeitung

«Als Indianer sehe ich mich nicht», antwortet der Klingnauer Victor Kern auf die Frage, ob er sich von den verbalen Attacken des deutschen Aussenministers Peer Steinbrück angegriffen fühle. «Bei den Minigolffreunden Waldshut war das bisher kein grosses Thema. Hier kann auch keiner was für diese Sprüche.»

Seit 2003 ist Victor Kern nun schon Erster Vorsitzender bei den Minigolffreunden Waldshut. Für ihn ist es nichts Aussergewöhnliches, als Schweizer einen deutschen Verein zu führen: «Ich war schon immer ein sehr offener Mensch», sagt er.

Victor Kern knüpfte bereits 1976 freundschaftliche Bande zum Minigolfclub Waldshut, spielte später als Aktiver im Regionalliga-Team sowie bei den Senioren mit. Im Einzel nahm er sogar an deutschen Meisterschaften teil. Bis vor zwei Jahren war der 54-jährige Klingnauer noch aktiv, heute nimmt er nur noch selten Schläger und Bälle in die Hand. Dafür ist seine Kompetenz seit sechs Jahren als Funktionär im Verein gefragt: «Ich bin bei den Minigolffreunden zu 100 Prozent akzeptiert», sagt er und fügt ganz leise hinzu: «Die anderen höre ich einfach nicht.»

Kern wirkt souverän. Diese Gelassenheit bringt er wohl aus seinem Beruf mit. Er ist als Verkaufsleiter des grössten Schweizer Milchverarbeiters der Niederlassung Zürich nicht nur für 12 Mitarbeiter, sondern auch für ein Umsatzvolumen von 10 Millionen Franken verantwortlich. Da fällt die Führung eines Vereins wie der MGF Waldshut schon etwas leichter. «Der gesunde Menschenverstand ist das Wichtigste und ich habe auch ein gutes Team, das mitzieht», sagt Kern. Von den Mitgliedern wünscht er sich aber doch manchmal mehr Eigeninitiative.

Unterschiedliche Mentalität

Auch wenn die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz für ihn noch nie ein Hindernis war: In der Mentalität stellt er einen grossen Unterschied fest: «Wir Schweizer sind nicht so obrigkeitshörig wie die Deutschen.» Dafür sei das Vereinsleben auf der rechten Rheinseite intensiver, stellt er fest. Das bestätigen ihm auch immer wieder seine Freunde Bruno Blum und Andreas Zimmermann, beide als Schweizer Fussballtrainer in Stetten, Waldshut und Tiengen ein Begriff. «Es geht hier sehr kameradschaftlich zu», sagt Kern.

In den nächsten Wochen und Monaten hat der Vorsitzende der MGF Waldshut mit seinem Team zwei Grossanlässe zu meistern. Am 30./31. Mai kommen rund zehn Juniorenteams aus Europa zum Nationencup auf die herrlich gelegene Anlage und vom 5. bis zum 8. August ist der Verein Ausrichter der Jugend-Europameisterschaften.

«Das bedeutet uns sehr viel. Dies sind für den Verein wichtige Anlässe, damit wollen wir ein Zeichen setzen und auf uns aufmerksam machen», erklärt Victor Kern die Motivation seines Klubs, derartige Grossanlässe zu organisieren und durchzuführen. (ged)