Von Rolf Zenklusen

Eine neue Untersuchung stellt den kleinen Spitälern in der Schweiz ein unschönes Zeugnis aus. Die Qualität der Behandlungen sei schlechter als in den grossen Krankenhäusern, zeigt die Studie, die sich vor allem auf die Kundenzufriedenheit von Brustkrebspatientinnen stützt. In kleinen Häusern würden viel weniger Brustkrebsbehandlungen durchgeführt; also hätten die Ärzte dort auch keine grossen Erfahrungen mit dem Krankheitsbild.

Ärzte aus kleinen Spitälern würden zudem weniger an den so genannten «Tumor-Boards» teilnehmen, an denen sich Fachärzte über Tumorerkrankungen unterhalten und austauschen. Der St. Galler Krebsspezialist Thomas Cerny kritisierte in der letzten «NZZ am Sonntag», dass die Qualität von Mammografien aus kleinen Krankenhäusern zu oft ungenügend sei. «Da müssen wir am Zentrumsspital dann eine neue Röntgenuntersuchung durchführen. Das kostet Geld, und ist für die Patientin unangenehm.»

Dass so etwas in der Region Basel passiert ist, kann sich Wolfgang Hedtler, Chefarzt am Institut für Radiologie im Basler Bethesda-Spital, nicht vorstellen. Er kenne keinen solchen Fall, sagt Hedtler. Dass ein Spital klein sei, heisse ja nicht automatisch, dass es auch tiefe Fallzahlen aufweise. Das Bethesda mit seinen 124 Betten sei ein vergleichsweise kleines Spital. «Aber wir behandeln über 2000 Brustkrebspatientinnen pro Jahr.»

Für Hedtler hängt die Behandlungsqualität eines Spitals nicht von der Grösse der Infrastruktur ab, sondern vom Grad seiner Spezialisierung. Der Chefarzt plädiert dafür, dass sich mehr Spitäler auf gewisse Bereiche spezialisieren, anstatt dass jedes Krankenhaus alles anbietet.

In diesem Bereich sieht er in der Region Basel noch ein Manko. «Aber wir sind auf einem guten Weg.» Ein erster Schritt sei die Einrichtung des «Brustzentrums Regio Basiliensis», eines Netzwerks für Brustkrebsspezialisten. Dieses Netzwerk stelle sicher, dass bei einem unsicheren Krankheitsbild auch eine Zweit- oder sogar eine Drittmeinung eingeholt wird.

Vreny Kamber, Chefärztin Innere Medizin und Geriatrie im Gemeindespital Riehen, kann zu Brustkrebsbehandlungen nichts sagen, da das Riehener Spital solche nicht anbietet. «Im Bereich der hochtechnisierten Medizin mögen die Resultate der Studie stimmen», erklärt Kamber.

Allgemein jedoch ist sie der Ansicht, dass kleine Spitäler mindestens die gleiche hohe Qualität bieten wie grosse. «Wir betrachten die Patienten ganzheitlicher», sieht Kamber, die früher im Basler Universitätsspital gearbeitet hat, sogar einen Vorteil, sich in einem kleinen Spital behandeln zu lassen.

In Sachen Fortbildung und fachlichem Austausch stünden die Ärzte der Kleinspitäler ihren Kollegen in grossen Häusern in nichts nach. Jeden Donnerstag besuche ein Assistenzarzt eine Fortbildung im Universitätsspital Basel und liefere den Riehener Kollegen einen Bericht ab. Kamber: «Wir pflegen auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Claraspital, speziell in der Radiologie.»

Rudolf Mohler, Direktor des Kantonsspitals Laufen, hält die Studie für «fragwürdig». Es gebe verschiedene Indikatoren für die Qualität des Spitals Laufen - zum Beispiel die hohe Patientenzufriedenheit und eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für Qualitätssicherung in der Chirurgie (AQC), bei der Laufen gut abschneide. «Anbieter von Spitalhaftpflicht-Versicherungen sagen mir, dass es in kleinen Spitälern verhältnismässig wenig Haftpflichtfälle gibt.»

Auch Heike Bittel, Direktorin des Spitals Dornach, hält wenig von der Studie. «Wieso sollen wir schlechter sein als grössere Häuser? In der Grundversorgung haben wir die Möglichkeit, Fachspezialisten beizuziehen, um die Qualität sicherzustellen.» Falls die Spezialisten nicht zur Stelle sind, werde der Patient dorthin verlegt, wo diese sich befinden.

sagt, vor allem mit dem Bruderholzspital, aber auch mit dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Olten pflege man einen regen Austausch Peter Vogelbach, Chefarzt Chirurgie und ärztlicher Leiter im Spital Dornach, werde sogar für Operationen ans Unispital Basel gerufen.