Weinlese

Klebrige Finger versprechen guten Wein

Surentaler Wein? Wer den Namen des Tales mit «sauer» verbindet, ist auf dem Holzweg. Der Trienger Wein von Hans Barmet (55) geniesst weit über die Region, ja über die Zentralschweiz hinaus hohes Ansehen. Am Wochenende war der Lese erster Teil.

Peter Weingartner

«Es darf einen nicht reuen, etwas herauszuschneiden», sagt Helfer Kurt Arnold, im normalen Leben Bankdirektor: «Jeder Trübel muss angeschaut werden; angeschlagene Früchte müssen weg.» So will es Hans Barmet. Eines der Geheimnisse für Qualität, nicht erst bei der Lese, sondern vor allem vorher. «500 Gramm Ertrag beim Premium-Wein, 800 Gramm bis 1 Kilo bei den früheren Sorten», das sind für den Winzer die Zielgrössen, auf dass die Weine durch Struktur, Charakter und Vielschichtigkeit überzeugen.

Für die arbeitsintensive Zeit der Weinlese hat Hans Barmet jeweils genügend Helfer. Er verfügt über eine Liste von rund 30 Nachbarn, Bekannten und Verwandten, von denen er jeweils 10 für einen Lesetag aufbietet.

12 Jahre - 12 Sorten

Bereits 1978 hat Hans Barmet in Eschenbach auf dem elterlichen Grundstück seinen ersten Rebberg angepflanzt: Blauburgunder. Er hat den Rebbau in Wädenswil gelernt, in mehreren Kursen, und 1997 konnte er in Triengen 500 Quadratmeter Land pachten.

«Es het mer de Ärmu inegno», sagt er im Rückblick, denn der Erfolg motiviert. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. «Du kannst nur vier Flaschen haben», erinnert sich Kurt Arnold an seine ersten Erwerbsbemühungen.

Aus 5 Aren wurden 13,5 Aren; seit diesem Frühling, als 500 neue Stöcke gepflanzt wurden, sinds 22 Aren. «Ab 20 Aren gilt man als Erwerbswinzer», lacht Hans Barmet, im Hauptberuf weiterhin Sekundarlehrer. Mittlerweile baut er 12 Rebsorten an.

Lohnendes Lehrgeld

Hans Barmet macht nicht reine Weine, sondern Cuvées, das heisst, er mischt verschiedene Traubensorten. Da er selber vinifiziert, also im Keller aus seinen Trauben Wein macht, kann er experimentieren. «Das ist etwas vom Schwierigsten, und ich musste auch Lehrgeld bezahlen», sagt er, doch heute gilt er als Experte. Vor seinem Haus hat er einen Versuchsrebberg. Er kennt die einzelnen Sorten und ihre Eigenschaften, macht sich Vorstellungen, was zusammen- passen könnte.

Hans Barmet geniesst es, wenn Kollegen im Zentralschweizer Weinbauverein, Ko-ryphäen, seinen Premium- Wein, den «Türstetrunk», als einen «Wein aus einer anderen Liga» bezeichnen. Bestätigung für vorzügliche Arbeit, die auch Zeit kostet. Pro Woche einen halben Tag, dazu je eine Woche in der Fasnachtszeit, im Juni und im Herbst.

Süsse Früchte

«Kläbrig wiene Soucheib», meint Markus, Hans Barmets Bruder, der Vorarbeiter im Weinberg. Ein gutes Zeichen: Die Trauben sind reif, süss. Etwa 800 Kilo Trauben werden heute gelesen und in Barmets Keller gefahren, wo sie bereits die erste Verarbeitung erfahren. Die Luzerner AOC-Anforderungen sind höher als die eidgenössischen. Man will Qualität. Die Trauben werden im Keller durch die Mühle gelassen, damit kein Holz mehr im Saft ist, dann wird abgepresst. Nachtschicht für den Winzer, der selber keltert.

Guter Jahrgang zu erwarten

Mitten im Nachmittag ruft der Winzer zur Pause für die Arbeitenden im Weingut Schürmatt. «Weinlage Schürmatt», sagt Hans Barmet, so seis auch im Grundbuch vermerkt. Weingut klinge doch etwas arg gross. Meterbrot gefüllt und ein Glas Wein. Auf den Jahrgang 09 wird angestossen mit einem «Schürmättler Sonnetropfe» Jahrgang 2007. Zeit auch zum Fachsimpeln. Der 09er soll ein sehr guter Jahrgang werden.

Zum Nachtessen offeriert der Winzer ein Käsefondue. Und noch in derselben Nacht beginnt für ihn die Arbeit im Keller. Die Voraussetzungen für einen ausgezeichneten Jahrgang sind gegeben: Im Durchschnitt 95 Öchslegrad bei den roten und 91 bei den weissen Trauben misst Hans Barmet am Abend nach der Lese. Spitzenreiter ist der Gewürztraminer mit vielversrechenden 101 Öchslegrad.

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