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Kirchenbänke bleiben leer

Fehlende Nähe zur Kirche, Kirchensteuer und der Vatikan vergraulen Kirchenanhänger. Die katholische und die reformierte Kirche verlieren in den beiden Basel kontinuierlich Anhänger. Aber: Auffallend ist, dass in Basel-Stadt die Ein- und Wiedereintritte beider Landeskirchen wieder zunehmen.

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Kirchenbänke bleiben leer

Kirchenbänke bleiben leer

Alessandra Paone

Die Landeskirchen – insbesondere die römisch-katholische – verlieren je länger je mehr Schäfchen. Eine Meldung aus dem Kanton Zürich lässt aufhorchen: Im vergangenen Jahr traten doppelt so viele Personen aus der katholischen Kirche aus wie noch ein Jahr zuvor, wie die Sonntag bz am 14. Februar berichtete. Insgesamt kehrten 2009 in Zürich 3864 Mitglieder der Kirche den Rücken. In der Region Basel kämpft die katholische, aber auch die reformierte Kirche ebenfalls mit Abgängen.

«Ganz so alarmierend sind die Zahlen im Baselbiet aber nicht», beruhigt Franz Schaub, Verwalter der römisch-katholischen Landeskirche Baselland. Im Jahr 2008 wurden 80014 Mitglieder gezählt. Davon traten 569 aus. Schaub geht davon aus, dass es 2009 ähnlich sein wird. Dennoch: «Die Katholiken im Kanton Baselland werden immer weniger», bestätigt der Kirchenverwalter. Von 1994 bis Ende September 2009 ist die Anzahl Mitglieder um 5,8 Prozent auf 28,9 Prozent gesunken. Noch mehr Austritte verzeichnet die evangelisch-reformierte Kirche Baselland. 2009 traten 679 Mitglieder aus – 90 mehr als im Vorjahr. Doch stiegen auch die Eintritte im Vergleich zu 2008 um 25 Mitglieder auf 179.

Wiedereintritte in Basel-Stadt

Auch Xaver Pfister, Informationsbeauftragter der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt, spricht von einem Mitgliederrückgang. Dies, obwohl die Zahl der Eintritte im Stadtkanton in der Tendenz zunimmt. Hier zählte man vor einigen Jahren jeweils zwischen 75 und 150 Wiedereintritte, seit 2007 steigt die Zahl. Im letzten Jahr fanden insgesamt 220 Menschen den Weg zur Kirche wieder. Die Zahl der Austritte betrug 2009 in Basel allerdings immer noch 716.

Ein Drittel der wieder gefundenen Schäfchen seien Menschen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden, sich mit der Kirche versöhnt haben und nun den Sinn des Lebens suchen, erklärt Pfister. Beim Rest handle es sich dagegen grösstenteils um Eltern, die im Zusammenhang mit ihren Kindern wieder eintreten. Sei es wegen der Taufe, der Kommunion oder weil sie erfahren, dass der Religionsunterricht von der Kirche und nicht vom Staat finanziert werde. Der Kanton Baselland verzeichnete 2008 lediglich 60 Wiedereintritte. Schaub geht davon aus, dass es 2009 ungefähr gleich viele gewesen sind.

Einen kleinen Erfolg kann auch die evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt vermelden: Die Austritte nahmen im vergangenen Jahr um fünf Personen ab, die Eintritte um 18 zu, wie Astrid Sümeghy von der Informationsstelle der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt bestätigt. Dies sei in erster Linie der Kampagne «Credo 08» zu verdanken.

Geld und Macht sind zu wichtig

Als gewichtigsten Austrittsgrund nennt Franz Schaub den Tod. Aber auch das Geld spiele eine wesentliche Rolle. So stelle die Kirchensteuer gerade für junge Familien ein Problem dar. Doch diese abzuschaffen sei nicht unbedingt die richtige Lösung, brauche die Kirche doch das Geld, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, so Schaub. Wobei andere Kantone auch ohne Kirchensteuer auszukommen scheinen (siehe Kasten unten).

Schaub und Pfister sind sich einig, dass die konservative Haltung des Vatikans ebenfalls verantwortlich ist für den Mitgliederschwund. Vor allem jüngere Kirchenmitglieder hätten damit Mühe, bemerkt der Baselbieter Kirchenverwalter. «Es fehlt eine Demokratie. Auch wird aus Machtgründen und wegen des Geldes an überholten Strukturen festgehalten.» Ausserdem vermisst Schaub die Ehrlichkeit. Eine weitere Kritik: Die Sprache. «Die Leute verstehen nicht, was gesagt wird», sagt Schaub. Für Pfister ist die Gesellschaft mit ein Grund für die Abwanderung. Denn im Vergleich zu früher stehe heute das Individuum und nicht die Gemeinschaft im Zentrum. Dies merkten auch die Vereine, die ebenfalls vermehrt mit Abgängen konfrontiert werden.

Was tun, um die Kirchenbänke wieder zu füllen? «Ganz wichtig ist die Seelsorge vor Ort», betont Schaub. Die Leute müssten spüren, dass es eine Kirche gibt. Ins selbe Horn stösst Pfister: Es müsse Nähe geschaffen werden zwischen Personen, die in der Kirche tätig sind oder engagierten Laien und jenen Menschen, die sich von der Kirche abgewendet oder den Weg zu dieser gar nie gefunden haben. Eine weitere mögliche Massnahme seien Kampagnen, sagt Pfister. «Doch dafür fehlt schlicht das Geld.»