Baden

Kinderwagen kommen nicht in den Himmel

Kinderwagen sind im Badener Café Himmel nicht willkommen: Betroffene sagen, was sie davon halten. Die befragten Mütter in Baden verstehen zwar, dass der «Himmel» Platzprobleme hat. Sie sehnen sich aber nach einer kinderfreundlichen Alternative.

Maja Sommerhalder

Am Nachmittag ist der «Himmel» am Badener Bahnhofplatz meistens propenvoll. Dann sitzen die Gäste auf den gepolsterten Bänken, schlürfen ihren Cappuccino und tratschen über Gott und die Welt. Nur den Leuten mit Kinderwagen wird kein Einlass gewährt. «Wir haben nichts gegen Kinder», versichert Geschäftsführer Jörg Holstein: «Wenn das Café aber voll ist, dann ist für die Kinderwagen schlicht und einfach kein Durchkommen mehr.» Dann werden die Mütter und Väter jeweils darauf hingewiesen, dass sie den Wagen in den überdachten Garten des Cafés oder nach draussen stellen müssen. «Natürlich macht dies nicht alle Eltern glücklich, sie würden eben den Wagen gerne drin behalten.» Wenn nicht so viele Leute im «Himmel» sitzen, sieht es allerdings anders aus, so Holstein: «Dann dürfen die Gäste ihre Kinderwagen ins Lokal rein nehmen.» Holstein vermutet, dass wohl viele Lokale ähnliche Platzprobleme haben.

Tatsächlich sei dies in Baden ein Problem, meinen auch Marianna Abraham und Sibylle Schnell. Die Frauen aus Ennetbaden sind mit Kinderwagen in der Badener Innenstadt unterwegs. Für das Kinderwagenverbot im «Himmel» haben sie aber Verständnis: «Es ist wirklich sehr eng. Ich meide das Lokal vor allem, weil dort geraucht wird.» Nur gebe es kaum Alternativen in der Stadt: «Wir können nur in das Manor- , Coop- oder Migrosrestaurant gehen», sagt Abraham. Dabei meint sie nicht nur, dass Stufen und enge Räume den Zugang mit Kinderwagen erschweren: «In den meisten Lokalen muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn sich die Kinder bewegen wollen.»
Gerne würde Abraham dies ändern und ein kinderfreundliches Café eröffnen: «Das Bedürfnis ist sicher da. Leider sind die Mieten in der Badener Innenstadt unerschwinglich.» Sonst kommen die beiden Mütter im Aargau gut mit ihren Kinderwagen zurecht, wie Schnell bestätigt: «Die Leute sind hier sehr hilfsbereit. Wenn ich in den Bus muss, ist sofort jemand zur Stelle.» Anders sei dies in Zürich: «Wenn man dort zu Stosszeiten in ein Tram steigt, wird man ausgeschimpft. Viele Fahrgäste begreifen dort offenbar nicht, dass es auch berufstätige Mütter gibt.»
Gute Erfahrungen haben auch Franziska Baschnagel aus Niederrohrdorf und Jeannine Albiez aus Baden gemacht: «Man muss manchmal einfach um Hilfe bitten.» Doch wenn es um den Kaffeetratsch geht, müssen auch sie in die Restaurants der grossen Einkaufshäuser ausweichen. «Wir würden gerne wieder mal in ein richtiges Café gehen. Leider ist das in Baden fast unmöglich.» Den «Himmel» meiden sie mit dem Kinderwagen sowieso: «Ich begreife, dass es die Leute ärgert, wenn alles vollgestellt ist.»

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