Kindergarten

Kinder sollen ohne Spielzeugflut auskommen

Kindergarten: Es geht auch ohne Spielzeuge.

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Kindergarten: Es geht auch ohne Spielzeuge.

Der Aargauer Regierungsrat unterstützt das Projekt «Spielzeugfreier Kindergarten». Er weist in einer Interpellations-Antwort auf die durchwegs positiven Erfahrungen hin.

Fränzi Zulauf

Über 100 Aargauer Kindergärten haben sich in den letzten neun Jahren an das jeweils dreimonatige Projekt «Spielzeugfreier Kindergarten» herangewagt. Mit ausserordentlichem Erfolg, wie eine Elternumfrage ergab: 55 Prozent der befragten Eltern von Kindergartenkindern beurteilten das Projekt der Suchtprävention Aargau als sehr gut und 45 Prozent als gut.

«Man kann es durchaus positiv bewerten, dass die Kinder lernen, auch ohne Spielzeugflut auszukommen, sich sinnvoll zu beschäftigen und vermehrt auf Rollenspiele und auf die Natur als Spielplatz hingeführt zu werden», findet auch CVP-Grossrätin Alexandra Abbt (Islisberg).

Nicht eingreifen und nur beobachten?

«Allerdings lösen einige Vorgaben in diesem Projekt Irritationen aus», hält die CVP-Grossrätin in der Begründung zu einer entsprechenden Interpellation fest. «Ist es richtig, dass die Lehrpersonen angewiesen werden, gar nicht in das Verhalten der Kinder einzugreifen und die Entwicklungen lediglich zu beobachten?», will Abbt unter anderem vom Regierungsrat wissen.

Dessen Antwort fällt beruhigend aus: «Selbstverständlich ist die Kindergartenlehrperson weiterhin verantwortlich für die Führung der Gruppe. Die Erfüllung der Obhutspflicht ist für sie oberstes Primat. Es gibt beim Spielzeugfreien Kindergarten folglich genauso wie im herkömmlichen Kindergarten Situationen, in denen sie intervenieren wird oder Regeln setzen muss.» Eine der wichtigsten Aufgaben der Lehrperson sei das Beobachten der Kinder.

«Sie kann durchaus fehlbare Kinder auf ihr Verhalten aufmerksam machen. Macht die Situation ein sofortiges Eingreifen nötig, interveniert sie genauso, wie sie das ohne Projekt auch tun würde.»

Lehrpersonen sind motiviert

Der Regierungsrat kann auch andere Bedenken ausräumen. So ist für ihn klar, dass das Projekt nur dann Sinn macht, wenn die Kindergartenlehrpersonen motiviert sind und sich mit den Zielsetzungen identifizieren können. «Dies lässt sich mit Druck durch die Schulleitung nicht erzwingen.»

Bezüglich Kosten hält der Regierungsrat fest, dass das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) nicht am Projekt beteiligt sei und somit auch nichts dafür bezahlen müsse. Der Suchtprävention Aargau entstehen pro Kindergarten (Kurse und Praxisbegleitung für Lehrpersonen) Kosten von 200 bis 300 Franken.

«Unterstützt der Regierungsrat den Spielzeugfreien Kindergarten in dieser Form und befürwortet er die Weiterführung in diesem Rahmen?», wollte Abbt zu guter Letzt wissen. Es gebe keinen Grund, von der bisherigen Praxis abzuweichen, lautet die Antwort.

«Der Regierungsrat unterstützt alle Bestrebungen, welche Kinder in ihrer Entwicklung zu starken Persönlichkeiten machen.» Die Suchtprävention Aargau könne das Projekt innerhalb ihres Leistungsauftrags weiterhin anbieten. Der Auftrag der «universellen Prävention» bleibe aber weiterhin bei der Pädagogischen Hochschule der FHNW.

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