Hirnforschung
Kinder können wegen ihrem Hirn Versuchungen weniger widerstehen

Das linke Frontalhirn ermöglicht es dem Menschen, einer Versuchung zu widerstehen. Das haben Schweizer Forscher in Zusammenarbeit mit den USA herausgefunden. Dieser Teil des Hirns ist bei Kindern und Jugendlichen noch nicht voll ausgebildet. Demnach können Erwachsene sich selbst besser kontrollieren.

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Keystone

Das zeigt eine Studie, die Forscher der Universitäten Basel und Zürich gemeinsam mit Kollegen aus den USA im Fachmagazin «Nature Neuroscience» publiziert haben.
Das Team um Bernd Figner von der Columbia University und Daria Knoch von der Uni Basel untersuchte bei 52 Probanden, welche Hirnareale am so genannten Belohnungsaufschub beteiligt sind. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten, um eine grössere, in der Zukunft liegende Belohnung zu erhalten.

Solche Entscheidungen seien allgegenwärtig im Leben, teilte die Uni Basel am Montag mit. Soll man sich bei einem guten Film entspannen, oder im Fitnessstudio etwas für seine zukünftige Gesundheit tun? Sich eine Zigarette gönnen - oder darauf verzichten und dafür die Lunge schonen?

Hirnregionen gestört

Laut der Mitteilung ist die Fähigkeit, in diesen Situationen der Versuchung zu widerstehen, ein zentraler Mechanismus, mit dem Menschen - und Tiere - die langfristig besten Entscheidungen treffen. Die neurobiologischen Grundlagen des Belohnungsaufschubs lagen bislang allerdings weitgehend im Dunkeln.

Figner, Knoch und ihre Kollegen gingen das Problem nun mit einer Gehirnstimulation an. Bei dieser schmerzfreien Methode wird den Probanden eine Art Magnetspule an eine bestimmte Stelle des Kopfs gehalten. Die darunter liegende Hirnregion wird dadurch für einige Minuten gestört.

Jugendverhalten erklären

Es zeigte sich, dass am linken Frontalhirn stimulierte Probanden weniger gut in der Lage waren, auf eine unmittelbare Belohnung zu verzichten. Sie liessen sich grössere, in der Zukunft liegende Belohnungen entgehen. Das weist darauf hin, dass die Funktion dieser Hirnregion darin besteht, Selbstkontrolle auszuüben.

Das sei auch im Licht der Gehirnentwicklung interessant: Das Frontalhirn ist nämlich bei Kindern und Jugendlichen noch nicht voll ausgebildet. Das könnte vielleicht erklären, weshalb Heranwachsende auf unmittelbare Belohnungen oft schlecht verzichten können. (sda)

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