Birgit Günter

Der Ort der Begierde: Der Keller des Pestalozzischulhauses in Binningen. Dort will die Gemeinde einen Mittagstisch für Kinder einrichten. Das passt jedoch den Mitgliedern des einheimischen Schwingclubs (SCB) nicht, da der SCB den Raum seit 62 Jahren zum Trainieren nutzt. In der Verzweiflung haben sie deshalb vor einem Jahr gegen den Einwohnerratsbeschluss das Referendum ergriffen.

Ein Jahr später haben sich die Fronten zwischen Gemeinderat und Schwingclub - nach einer zwischenzeitlichen Friedensphase - eher wieder verhärtet. Denn der Gemeinderat hatte von den Schwingern erwartet, dass sie nicht mehr für ihr Referendum kämpfen würden. Als «Trost» hatte die Gemeinde den Schwingern angeboten, die Athletikhalle ihren Wünschen gemäss umzubauen.

Doch dann kam es zum Bruch. Gemeinde wie SCB werfen sich gegenseitig Falschaussagen vor. Mit Umbaukosten von über 100 000 Franken wurde die Variante Athletikhalle zu teuer, weshalb die Gemeinde die Schwinger zum Trainieren nach Oberwil schicken wollte. Gegen dieses «Exil» wehren sich die Schwinger und wittern eine «abgekartete Sache». «Die Gemeinde wollte uns von Anfang an nach Oberwil schicken», kritisiert Philippe Moll vom SCB. Schwinger und Gemeinderat kämpfen darum nun wieder in getrennten Lagern - die Schwinger für ein Nein an der Urne am 29. November, der Gemeinderat für ein Ja.

Zwischen diesen beiden Lagern stehen die Eltern - und zwar jene, die endlich einen Mittagstisch haben wollen (Ja), und jenen, die ihre Kinder nicht in den Keller eines Schulhauses schicken wollen (Nein). Entsprechend offen präsentiert sich der Abstimmungsausgang. Tendenziell dürften aber die Gegner in der Unterzahl sein, denn die Ortsparteien geben alle - mit Ausnahme der SVP - die Ja-Parole heraus.

Alle Nein-Sager betonen aber, dass sie keinesfalls gegen die Kinderbetreuung per se sind. SVP-Einwohnerrat Urs-Peter Moos hat extra fünf Standorte geprüft, an denen die Kinder stattdessen hinkönnten: Familienzentrum, Feuerwehr-Aufenthaltsraum, Reschhaus, Jugendhaus und ein Lokal an der Hauptstrasse 71. Bei allen winkt Gemeindeverwalter Olivier Kungler ab. Beim Feuerwehrlokal käme es im Einsatzfall zu Problemen, andere Häuser seien besetzt oder dann die Miete viel zu teuer.

Meiriacker bei Nein nicht gefährdet

Mit seiner dringlichen Motion rennt Moos bei der Gemeinde jedoch offene Türen ein: So will er an der nächsten Einwohnerratssitzung am 14. Dezember erreichen, dass die mit der Pestalozzikeller-Vorlage verknüpfte, aber ansonsten unbestrittene Kinderbetreuung im Meiriacker auch bei einem allfälligen Nein umgesetzt würde. Eine praktisch identische Vorlage habe der Gemeinderat aber bereits in der Schublade. «So weit haben wir selber auch gedacht», so Kungler.