Kinder, die Geborgenheit brauchen

Harmonisches Familienbild: (v.l.)Reto Hartmann, Ursula Flury, Lara von Riedmatten, Gastkinder Angela und Benjamin aus Berlin und Claudia mit Ehemann Andreas von Riedmatten auf dem Spielplatz im Deitinger Wald. (Felix Gerber)

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Harmonisches Familienbild: (v.l.)Reto Hartmann, Ursula Flury, Lara von Riedmatten, Gastkinder Angela und Benjamin aus Berlin und Claudia mit Ehemann Andreas von Riedmatten auf dem Spielplatz im Deitinger Wald. (Felix Gerber)

Die internationale Berliner Kinder- und Jugendhilfe Schweiz (IBKJ-Schweiz) vermittelt Ferienplätze für Kinder und Jugendliche aus der deutschen Hauptstadt. Reto Hartmann, der Präsident des Vereins, sucht immer wieder neue Gasteltern für diese Kinder.

Corinna Marti

Der Verein ermöglicht Berliner Kindern zwischen 5 und 17 Jahren aus einer sozial schwachen Familie, einer Wohngemeinschaft oder einem Kinderheim, Ferien bei einer Schweizer Familie zu machen. Reto Hartmann aus Deitingen ist seit gut einem Jahr Präsident des Schweizer Vereins der internationalen Berliner Kinder- und Jugendhilfe und hat auch schon Kinder aus Berlin bei sich gehabt. Er arbeitet ehrenamtlich für den Verein und holt die Kinder jeweils von Berlin ab und beleitet sie am Ende der Ferien wieder zurück.

Bereits zum zweiten Mal in der Schweiz

«Viele Familien haben heute gar keine Zeit mehr über die Ferien ein Kind aufzunehmen», erzählt Claudia von Riedmatten. Sie wohnt zusammen mit ihrem Mann Andreas und ihrer 7-jährigen Tochter Lara in Deitingen. Schon zum zweiten Mal haben sie die 10-jährige Angela aus Berlin über den Sommer bei sich aufgenommen. Da ihre Tochter ein Einzelkind ist, hat sie so über den Sommer ein «Gspändli». Auch der 8-jährige Benjamin ist bereits zum zweiten Mal über den Sommer in Deitingen. «Mein Mann und ich haben in der Zeitung über den Verein IBKJ-Schweiz gelesen und dann beschlossen ein Kind aus Berlin über die Sommerferien zu uns zunehmen», erklärt Ursula Flury, die Gastmutter von Benjamin. Die beiden Gastfamilien erhalten keine Entschädigung für das Aufnehmen eines Kindes. Dies spielt für die beiden Familien aus Deitingn jedoch keine Rolle. «Für unsere Tochter ist es toll über den Sommer jemanden zum Spielen zu haben», betont Frau von Riedmatten. Angela sei ein sehr liebes Mädchen und die beiden Kinder könnten sehr viel von einander lernen.

Bevor eine Familie ein Kind zu sich in die Ferien nehmen kann, wird sie vom Verein IBKJ-Schweiz genausten unter die Lupe genommen. «Wir mussten einen Strafregisterauszug vorweisen», sagt Angelas Gastmami. Sie findet dies durchaus in Ordnung, schliesslich kommen die Kinder aus einem sozial schwachen Umfeld und sollten ihre Ferien bei einer zuverlässigen Familie verbringen können.

Kinder aus sozial schwachem Umfeld

«Einfach ist nicht immer ganz einfach mit Benjamin», meint Ursula Flury. Obwohl er ein freundlicher und fröhlicher Knabe ist, kann er auch mal trotzen: «Der Junge braucht klare Grenzen, ansonsten würde er uns auf der Nase herum tanzen.» Auch Peter Hartmann betont, dass die Kinder grösstenteils keine Unschuldslämmlein seien. Sie sind aber auch alle in einem Umfeld aufgewachsen, das nicht unbedingt an die Sonnenseite des Lebens erinnert. Sie sind das Strassenleben gewohnt. «Diese Kinder haben alle drei verschiedene Gesichter: das zu Hause, das im Zug und das bei ihren Gasteltern», ist Hartmann überzeugt.

Gerade weil die Kinder aus einem sozial schwachen Umfeld kommen, brauchen sie viel Zuwendung. «Benjamin geniesst den normalen Familienalltag sehr», berichtet Claudia Flury. Wenn sich die Flurys am Abend die Tagesschau ansehen, will Benjamin immer zwischen seinen Gasteltern sitzen. «Er braucht viel Zuwendung und Geborgenheit», meint die Gastmutter. Auch Angela gefällt es sehr gut bei den von Riedmattens: «Sie sind alle sehr lieb zu mir.» Besonders gefallen hat ihr den zweitägigen Ausflug nach Rust in den Europa Park.

Die Kinder sind seit dem 16. Juli bei ihren Gasteltern in der Schweiz zu Besuch. Im Dezember findet über Weihnachten nochmals eine solche Ferienaktion für Berliner Kinder statt, jedoch nur für Heimkinder, dies aus finanziellen Gründen. Der Verein ist aber bestrebt diese Weihnachtsaktion im nächsten Jahr wieder für alle Kinder zu ermöglichen. Zudem werden für den nächsten Sommer bereits wieder fleissig Gasteltern gesucht, damit noch mehr Berliner Kinder ihre Ferien in der Schweiz verbringen können. «Ab diesem September haben wir endlich eine eigene Homepage», berichtet Reto Hartmann stolz.

Schon am 11. August heisst es für die deitinger Gastfamilien wieder Abschied nehmen. «Wir werden sie natürlich sehr vermissen», sagen die beiden Gastmütter. Man bleibt aber unter dem Jahr per Briefpost oder E-Mail in Kontakt mit den Kindern und deren Familien und freut sich auf ein möglichst schnelles Wiedersehen.

Sie wollen Gasteltern werden? Wenden Sie sich für weitere Informationen an Frau Ursula Ruch: Tel.: 031 372 60 68 oder E-Mail: uruch.ibkj@bluewin.ch

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