Paintball
«Killergames sind viel gefährlicher als Paintball»

Urs Neuweiler (42), der in Wohlen das «Paintball-Paradies» betreibt, wehrt sich gegen Politiker, die Paintball als «Tötungstraining» oder «kranken Kick» sehen.

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Urs Neuweiler vom Paintball-Paradies Wohlen

Urs Neuweiler vom Paintball-Paradies Wohlen

Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Vor einer Woche war die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala bei Ihnen auf der Anlage. Sie bezeichnete Paintball kürzlich als «kranke Art, sich einen Kick zu holen».
Urs Neuweiler: Ich habe mit Frau Fiala diskutiert, ihr geht es in erster Linie um den Jugendschutz. Sie meint, Paintball könne bei Minderjährigen, die psychisch noch nicht gefestigt sind, negative Auswirkungen haben. Ich muss aber sagen: Ich halte Killergames am Computer für viel gefährlicher als Paintball. Da spritzt das Blut, fliegen Körperteile durch die Luft, alles völlig realistisch - und die Jugendlichen spielen diese Games. Dagegen haben beim Paintball alle, Jung und Alt, einfach nur Fun.

SP-Nationalrat Hans Widmer sagte, Paintball sei ein «Tötungstraining».
Neuweiler: Das ist völliger Unsinn. Ich habe das Gefühl, dass Herr Widmer einen Anlass suchte, um sich zu profilieren und Medienpräsenz zu bekommen. Wir haben ihn letztes Wochenende auch eingeladen, er ist aber bezeichnenderweise nicht nach Wohlen gekommen. Früher haben wir als Jugendliche Räuber und Poli oder Indianer gespielt. Paintball ist genau das Gleiche, einfach benutzen wir Markierer statt Pfeilbogen.

Zur Person

Urs Neuweiler ist 42-jährig und gilt als Paintball-Pionier in der Schweiz. Heute ist er Inhaber der Firma PBMax Paintball Games GmbH, die in Wohlen Paintball-Events veranstaltet und in Rudolfstetten einen Shop betreibt. Neuweiler absolvierte ursprünglich ein Studium als Maschinenbauingenieur.

Sie fühlen sich also zu Unrecht angegriffen von der Politik?
Neuweiler: In der Schweiz gibt es heute einige hundert aktive Spieler. Paintball wird auf eigens eingerichteten, abgesperrten Feldern unter Kontrolle gespielt. Ich habe einfach das Gefühl, dass gewisse Politikerinnen und Politiker eine Gelegenheit suchen, um sich zu profilieren. Es gibt bedeutend wichtigere Probleme in der Schweiz, die wir dringender lösen sollten. Wenn ich nur an die wüsten Ausschreitungen nach den letzten Fussballspielen denke . . .

Aus der Politik kommen Forderungen, Paintball in der Schweiz ganz zu verbieten oder eine Alterslimite von 18 Jahren einzuführen.
Neuweiler: Das sind alles Aussagen von Leuten, die noch nie selber Paintball gespielt haben. Wir haben kürzlich einen Kindergeburtstag bei uns durchgeführt, die Knaben waren 10 Jahre alt und hatten zusammen mit ihren Vätern riesigen Spass.

Paintball gibt es seit über 30 Jahren Paintball entstand in den 80er-Jahren in den USA, als amerikanische Cowboys mit Markiergeräten und Farbkugeln ihre Rinder markierten. «Rasch merkten die Cowboys, dass es viel lustiger ist, sich gegenseitig mit Farbkugeln zu markieren als die Rinder», sagt Urs Neuweiler. In Amerika zählt Paintball heute zu den meistgespielten Outdoor-Sportarten. Ausgetragen wird das Spiel auf einem definierten Geld, in der Regel auf einer Wiese oder einem Waldstück. Die Paintballs bestehen aus einer Gelatinehülle und sind mit Lebensmittelfarbe gefüllt. Sobald eine Kugel am Gegner zerplatzt und Farbe zurücklässt, scheidet der Spieler aus. Es gibt diverse Paintball-Varianten. Die bekannteste Spielart ist «Capture the flag» (Fahne erobern). Dabei werden zwei Teams gebildet, die gegeneinander antreten. Das Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Fahne zu erobern und in die eigene Basis zurückzubringen, ohne markiert zu werden. Laut Urs Neuweiler ist Paintball völlig ungefährlich: «In den USA gibt es Turniere für Rentner, und gemäss einer amerikanischen Studie ist das Spiel weniger risikoreich als Tischtennis.» Ein Treffer könne im ersten Moment etwas «surren», das sei aber schnell wieder vorbei. «Im schlimmsten Fall gibt es einen blauen Fleck.» (fh)

Paintball gibt es seit über 30 Jahren Paintball entstand in den 80er-Jahren in den USA, als amerikanische Cowboys mit Markiergeräten und Farbkugeln ihre Rinder markierten. «Rasch merkten die Cowboys, dass es viel lustiger ist, sich gegenseitig mit Farbkugeln zu markieren als die Rinder», sagt Urs Neuweiler. In Amerika zählt Paintball heute zu den meistgespielten Outdoor-Sportarten. Ausgetragen wird das Spiel auf einem definierten Geld, in der Regel auf einer Wiese oder einem Waldstück. Die Paintballs bestehen aus einer Gelatinehülle und sind mit Lebensmittelfarbe gefüllt. Sobald eine Kugel am Gegner zerplatzt und Farbe zurücklässt, scheidet der Spieler aus. Es gibt diverse Paintball-Varianten. Die bekannteste Spielart ist «Capture the flag» (Fahne erobern). Dabei werden zwei Teams gebildet, die gegeneinander antreten. Das Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Fahne zu erobern und in die eigene Basis zurückzubringen, ohne markiert zu werden. Laut Urs Neuweiler ist Paintball völlig ungefährlich: «In den USA gibt es Turniere für Rentner, und gemäss einer amerikanischen Studie ist das Spiel weniger risikoreich als Tischtennis.» Ein Treffer könne im ersten Moment etwas «surren», das sei aber schnell wieder vorbei. «Im schlimmsten Fall gibt es einen blauen Fleck.» (fh)

Keystone

Bei der «Paintball-Farm» in Dietwil werden Spieler erst ab 18 Jahren zugelassen. In Deutschland ist Paintball für Minderjährige gar verboten.
Neuweiler: Ich bin gegen Alterslimiten. Paintball ist nicht gefährlich, und es macht Jugendliche nicht aggressiv oder gewalttätig. Das zeigen diverse Studien, unter anderem jene der deutschen Pädagogin Linda Steinmetz aus dem Jahr 2000, klar. Im Gegenteil: Wir haben immer wieder Rückmeldungen von Eltern, die uns berichten, dass ihre Kinder nach einem Paintball-Anlass zwar müde, aber zufrieden und ohne Aggressionen nach Hause kommen.

Geht es Ihnen nicht hauptsächlich um wirtschaftliche Interessen? Die minderjährigen Paintball-Spieler bringen schliesslich auch Geld.
Neuweiler: Nein, darum geht es auf keinen Fall. Unsere primären Kunden sind Firmen, die Teambildungsanlässe machen, oder Sportvereine wie zum Beispiel der FC Zürich oder der HC Lugano, die mit ihren NLA-Mannschaften kommen. Und es ist nicht so, dass ein Jugendlicher bei uns einfach zugelassen wird. Wir verlangen zwingend eine Einverständniserklärung der Eltern.

Wie alt waren Sie selber, als Sie zum ersten Mal Paintball gespielt haben?
Neuweiler: Das war Anfang der 90er-Jahre, ich war damals etwa 25 Jahre alt. Ich kaufte beim einzigen Schweizer Paintball-Shop in Zürich die Ausrüstung, gründete einen Verein und begann zu spielen. Es gab noch keine abgesperrten Spielfelder wie heute, wir waren im Wald.

Wie sind Sie gerade auf Paintball gekommen? Was macht die Faszination für Sie aus dabei?
Neuweiler: Ich hatte von Kollegen davon gehört und wollte das einfach ausprobieren. Paintball ist für mich ein Spiel, bei dem Körper und Geist gleichermassen gefragt sind: Bewegung, Wettkampf, Teamgeist, Jagen, Adrenalin, Taktik - alles ist dabei.

Kritiker sagen, Paintball sei eigentlich ein Kriegsspiel, weil dabei auf Menschen geschossen wird.
Neuweiler: Dieser Vorwurf kommt immer wieder auf, aber er ist trotzdem falsch. Paintball hat mit Krieg nichts zu tun, es geht darum, die Fahne des gegnerischen Teams zu erobern und auf die eigene Seite zu bringen, ohne getroffen zu werden.

Paintball-Gewehre sehen echten Waffen zum Verwechseln ähnlich.
Neuweiler: Erstens sprechen wir im Paintball von Markierern, und nicht von Gewehren. Wir verschiessen mit diesen Druckluftwaffen kleine Farbkugeln. Meist sehen die Spieler aus wie beim Eishockey, mit bunten Trikots, Schonern, Helm und Schutzbrille. Tatsächlich gibt es Szenario-Spieler, die Markierer verwenden, die wie echte Waffen aussehen. Der grösste Teil der Paintballer spielt heute aber mit möglichst leistungsfähigen Markierern, und die sehen so aus. (Neuweiler zeigt zwei Exemplare)

Haben Sie Verständnis dafür, dass Zuschauer schockiert sein können, wenn Sie sehen, wie sich die Teams beim Paintball abschiessen?
Neuweiler: Wenn Paintball im Wald gespielt wird, kann es durchaus vorkommen, dass Spaziergänger plötzlich auf eine Gruppe Spieler treffen, die im Tarnanzug, maskiert und mit Markierern unterwegs sind. Dass man in einer solchen Situation eventuell erschrickt, ist für mich absolut verständlich.

Sie sprechen immer von «Spielen» im Zusammenhang mit Paintball. Ist das wirklich der richtige Ausdruck?
Neuweiler: Ja, auf jeden Fall. Paintball ist ein Spiel oder eine Sportart. Jeder, der selber schon einmal aktiv am Paintball teilgenommen hat, wird dies bestätigen. Es gibt übrigens in den USA auch Profis, die mit Paintball und Sponsoring ihren Lebensunterhalt verdienen. Und es gibt die sportliche Seite, ich selber habe schon an Weltmeisterschaften im Paintball teilgenommen.

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