Pöschwies
Keiner entkommt, wenns brennt

Die Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf unterhält eine eigene Feuerwehr Sollte das Gefängnis brennen, können die Häftlinge nicht einfach freigelassen werden. Die Strafanstalt Pöschwies hat darum eine eigene Feuerwehr.

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Céline Trachsel

Ein Insasse zündet in seiner Zelle einen Stuhl an. Es raucht und stinkt so sehr, dass er es nur kurze Zeit aushält, bevor er über die Gegensprechanlage einen Aufseher alarmiert. Sofort rückt die betriebseigene Feuerwehr aus und rettet ihn innerhalb weniger Minuten aus seiner misslichen Lage und dämmt das Feuer ein. Dieser Vorfall ereignete sich vor wenigen Jahren. Die ganze Aktion sei ein Protest gewesen, erinnert sich Thomas Marchetti, Kommandant der Betriebsfeuerwehr der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf.

2400 Brandmelder

Dies war der einzige Zwischenfall in den letzten sieben Jahren, die Zeit, in der Marchetti die Betriebsfeuerwehr leitet. «Kleinere Brände haben wir auch schon gelöscht, aber das waren höchstens Papierkörbe, die Feuer gefangen hatten», erinnert er sich. Brandgefährlich seien vor allem die Arbeitsateliers in der Strafanstalt.

In allen Gebäuden innerhalb der Mauern und in den Wohngruppen der Strafanstalt sind 2400 Brandmelder installiert. «Der Insasse in der Zelle hat die Möglichkeit, sich im Notfall über die Gegensprechanlage zu melden und Hilfe zu fordern, bevor es ihm zu heiss wird», sagt Marchetti.
Doch sollte tatsächlich einmal ein Grossbrand in der Strafanstalt Pöschwies ausbrechen, müssten die Aufseher die Häftlinge in Sicherheit bringen. «Keine Angst, wir würden Insassen nicht einfach rauslassen», beruhigt der Feuerwehrkommandant, «zuerst bringen wir sie in einen Gemeinschaftsraum im Gebäude, und wenn dies nicht möglich ist, führen wir sie nach draussen an einen sicheren Ort. Aber da sind sie ja noch lange nicht frei.» Die Mauer würde einen Ausbruch der Insassen verhindern, Brandschutz- und Sicherheitstüren eine Ausbreitung des Feuers. Insassen aus dem Sicherheitstrakt werden bereits im Normalfall von drei Aufsehern begleitet, käme es zu einem Grossbrand, wären es mehr.

Posten und Tore als Hindernisse

Die öffentliche Feuerwehr habe es schwer, in der Strafanstalt einzugreifen, erklärt Marchetti. Denn der Weg von ausserhalb der Mauer bis in den Sicherheitstrakt kostet knapp fünf Minuten Zeit, da die Feuerwehrleute mehrere Posten und Tore passieren müssten. Braucht die Feuerwehr also schon zehn Minuten, bis sie vor Ort ist, müsste sie auch noch in das Gebäude kommen - die Hilfe käme unter Umständen zu spät. «Wir können viel schneller reagieren», zeigt Marchetti die Vorteile einer betriebseigenen Feuerwehr auf, «wir kennen die Gebäude und die Massnahmen, die wir bei einer Evakuierung beachten müssen.» Seine Feuerwehrmänner und -frauen sind Angestellte der Strafanstalt. Neben ihrer Arbeit üben sie jeden Monat den Ernstfall.

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