Italien
Keine «unbefleckte Empfängnis»: Nonne Roxana erlag ihrer Jugendliebe

Die Schwangerschaft einer Nonne vom Orden der «kleinen Jüngerinnen Jesu» war die Folge eines «schwachen Moments». Roxana hatte sich in ihrer Heimat El Salvador mit ihrer Jugendliebe getroffen.

Dominik Straub, Rom
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Roxana soll sich bereits jetzt «mehr als Mutter denn als Nonne fühlen».

Roxana soll sich bereits jetzt «mehr als Mutter denn als Nonne fühlen».

Als sie mitten in der Nacht auf Freitag die Ambulanz rief, klagte die 32-jährige Nonne über heftige Bauchschmerzen. Für die Rettungssanitäter war der Fall bald klar: Nicht eine Magenverstimmung, ein Blinddarm oder eine Nierenkolik war die Ursache der Krämpfe, sondern eine sich anbahnende Entbindung, was eine Ultraschalluntersuchung schnell bestätigte.

Kurz darauf erblickte auch schon der 3,5 Kilo schwere, kerngesunde Francesco das Licht der Welt. Den Namen erhielt er zu Ehren von Papst Franziskus, der in Italien Francesco heisst.

Nonne Roxana vom Orden der «kleinen Jüngerinnen Jesu» stammt aus El Salvador und will von ihrer Schwangerschaft nichts geahnt haben. Auch ihre Mitschwestern bemerkten offenbar nicht, dass die kleine und ohnehin etwas rundliche Roxana unter ihrem perlgrauen Ordensgewand immer runder wurde.

In der Kleinstadt Rieti am Fuss der Abruzzen redeten die Leute am Wochenende von nichts anderem mehr - und im Internet machten ironische Bemerkungen von wegen «unbefleckter Empfängnis» die Runde.

«Ein Geschenk Gottes»

Der «Corriere della Sera» ging der Sache auf den Grund und stellte schnell fest, was alle längst vermutet hatten: Die Vaterschaft war natürlich nicht - wie im Fall der Jungfrau Maria - dem Heiligen Geist zu verdanken, sondern Folge eines «schwachen Moments», wie die Oberin des Konvents in Rieti, Erminia Pusceddu, durchblicken liess.

Nonne Roxana hatte anlässlich einer Passverlängerung in El Salvador im vergangenen Frühling offenbar eine alte Jugendliebe wiedergetroffen und dabei gegen das Keuschheitsgelübde verstossen.

Gegenüber dem «Corriere della Sera» sagte Schwester Roxana, dass sie sich bereits «mehr als Mutter denn als Nonne fühle» und dass sie Francesco keinesfalls weggeben wolle: «Er ist ein Geschenk Gottes.» Roxana weiss natürlich auch, dass sie das Kloster und den Orden nun verlassen muss, wie dies auch der Bischof von Rieti bereits angekündigt hatte. Sie habe aber keine Schuldgefühle und auch keine Angst.

Grosse Solidarität

Das muss sie auch nicht, denn die Solidarität in Rieti mit der jungen Mutter ist gross: Auf der Geburtsabteilung des Spitals hatten die anderen Mütter spontan mit einer Babykleider-, Schnuller- und Windelsammlung reagiert. Und selbst der gestrenge Bischof zeigte sich gnädig: «Sie hat nicht abgetrieben, das verdient Respekt. Wir werden ihr ganz sicher beistehen.»