«Keine teure Pflästerlipolitik»

Das sorgt für Irritationen in der Bevölkerung: Statt die Schlaglöcher der Kantonsstrasse zwischen Neuendorf und Wolfwil zu flicken, stellt man nur Warntafeln auf. Doch: Nun will der Kanton die Strasse sanieren und prüft gar ein Lastwagenverbot.

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Solothurner Zeitung

Erwin Von Arb

Wer auf der Kantonsstrasse zwischen Neuendorf und Wolfwil mit dem Auto unterwegs ist, muss derzeit besondere Aufmerksamkeit an den Tag legen. Die wegen «Schnellfahrern» ansonsten schon nicht ungefährliche Strecke ist nämlich mit unzähligen Schlaglöchern übersät. Besonders betroffen ist der Strassenabschnitt auf Neuendörfer Boden, wo sich kurz nach der Minigolfanlage in Richtung Wolfwil auf einer Strecke von etwa einem Kilometer Schlagloch an Schlagloch reiht. Die vornehmlich am Strassenrand auftretenden Löcher weisen teilweise eine Länge von mehreren Metern auf. Gefährlich wird es insbesondere bei beidseitig auftretenden Schlaglöchern, durch welche sich die sonst bis zu 5 Meter breite Fahrbahn auf nur noch gerade 3,5 Meter verengt. Wenn der Schulbus die betroffene Strecke abfährt, hat der Gegenverkehr oft das Nachsehen - anhalten oder Zurücksetzen sind in vielen Fällen unumgänglich.

Kanton will Strasse sanieren

Dass der Kanton die Löcher nicht wie sonst üblich längst geflickt hat und stattdessen lediglich Warntafeln aufstellt, löst in Teilen der Bevölkerung Irritationen aus. Auch Wolfwils Gemeindepräsident Christian Kühni wurde mehrfach darauf angesprochen. Vor allem Eltern, deren Kinder die Schule in Neuendorf besuchten, seien besorgt ob der Verkehrssituation. «Wir nehmen diese Kritik ernst und haben daher wie auch die Gemeinde Neuendorf beim Kanton schriftlich interveniert, dass endlich etwas unternommen wird.» Der Neuendörfer Gemeindepräsident Paul Stöckli hat ein gewisses Verständnis dafür, dass der Kanton bislang noch keine konkreten Massnahmen eingeleitet hat. Als Grund nennt er die Zusage des Amtes für Verkehr und Tiefbau (AVT), die Kantonsstrasse gesamthaft zu sanieren. «Für eine gute Lösung lohnt es sich zu warten», so Stöckli.

Roger Schibler, AVT-Abteilungsleiter Strassenbau, bestätigt auf Anfrage, dass der Kanton die Strasse auf jeden Fall sanieren wird. Deshalb verzichte man auch bewusst auf die Reparatur der Schlaglöcher. «Das wäre nur eine teure Pflästerlipolitik.»

Lastwagenverbot wird geprüft

Der Kanton ist derzeit daran, eine Zustandsanalyse für das etwa 2,7 Kilometer lange Kantonsstrassenstück zwischen der Minigolfanlage Neuendorf und dem Ortseingang von Wolfwil zu erstellen. Zudem wird ein Betriebskonzept für ein allfälliges Lastwagenfahrverbot auf dieser Strecke erarbeitet. «Dies haben die Gemeinden Neuendorf und Wolfwil in ihrem Schreiben beantragt», sagt Schibler. Ob ein solches Verbot beim Kanton Chancen hat, wollte er nicht abschliessend beantworten. «Für eine Kantonsstrasse wäre eine solche Massnahme eher aussergewöhnlich», erklärt der AVT-Abteilungsleiter lediglich. Auch in Bezug auf die zu erwartenden Kosten wollte sich Schibler nicht äussern. «Es gibt noch keine konkreten Zahlen.» Ein wichtiger Faktor für die Kalkulation sei die vorhandene Fundation der Strasse. Wie stark diese ausgelegt sei, werde derzeit untersucht. Saniert wird die Strasse noch in diesem Sommer oder spätestens Anfang Herbst, wie Schibler versichert.

Paul Stöckli glaubt, dass die Sanierung der Kantonsstrasse mindestens 1 Mio. Franken kosten wird. Für Neuendorf rechnet er mit einem Anteil von rund 500 000 Franken. Darin eingerechnet ist auch die Sanierung der Wolfwilerstrasse von der Minigolfanlage bis zur Einmündung Weiherweg. Dieses Projekt will der Kanton im Zug der Sanierung vorziehen, wie Schibler bestätigt. Ein Teil dieser Kosten könnte die Gemeinde Neuendorf via Perimeter bei den Anstössern zurückfordern. Weil die Kantonsstrasse über ihr Territorium führt, müssen sich auch die Gemeinden Wolfwil und Niederbuchsiten an den Kosten beteiligen. Die Höhe der Beiträge werden mittels eines Verteilschlüssels ermittelt.

Stöckli zeigt sich erfreut über ein mögliches Lastwagenverbot. Dies vor allem zur Sicherung des Schulwegs, wie der Neuendörfer Gemeindepräsident betont. «Es kann nicht im Interesse des Kantons liegen, dass der Schwerverkehr aus dem Oberaargau bei einer allfälligen Realisierung des Aareübergangs via Wolfwil ins Gäu rollt. Die Leidtragenden wären die Schüler.»

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