Keine Pillenpanik nach Todesfall

Keine Pillenpanik nach Todesfall

Umstrittene AntiBabypillen bleiben im Verkauf (Archiv)

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Umstrittene AntiBabypillen bleiben im Verkauf (Archiv)

Eine Frau starb, eine ist schwer behindert – beide Fälle stehen im Zusammenhang mit einer Pille von Bayer. Dennoch soll diese auf dem Markt bleiben. Für Patientenschützerin Erika Ziltener ist das ein Skandal.

Jessica Pfister

Drei Ärzte haben Yvonne B., 21, untersucht, keiner konnte ihr helfen. Erst als sie an einer Lungenembolie starb, kam der Verdacht auf, die Antibabypille Yaz könnte damit etwas zu tun haben. Denn wie Swissmedic vor kurzem bekannt gab, hatte sich die Frau zehn Monate zuvor das Verhütungsmittel der Firma Bayer verschreiben lassen.

Brisant: Der Wirkstoff von Yaz, Drospirenon, ist der gleiche wie bei Yasmin, einer weiteren Pille von Bayer, die Ende Mai für Schlagzeilen sorgte. Damals schockierte das Schicksal von Céline die Schweiz. Die heute 17-Jährige hatte kurz nach der Einnahme von Yasmin eine Lungenembolie erlitten und fiel ins Koma. Heute kann sie weder sprechen noch gehen. Nach der Meldung im Mai brach eine regelrechte Pillenpanik aus. Die Telefondrähte bei Frauenkliniken liefen heiss, viele wollten ihre Antibabypille Yasmin sofort absetzen, die Verkäufe gingen um einen Drittel zurück.

Verkäufe von Yasmin stabilisiert

Doch nun, nach dem zweiten schweren Zwischenfall im Zusammenhang mit einer Bayer-Pille, ist bei den Konsumentinnen von Panik nichts zu spüren. «Wir haben bis jetzt keine Anfragen von verunsicherten Frauen», sagt Fabian Vaucher vom Aargauischen Apothekerverband. Und offenbar hat sich auch der Wirbel um Yasmin gelegt: «Die Verkäufe von Yasmin haben sich auf einem hohen Niveau stabilisiert», so Vaucher.

Auch bei Swissmedic behält man ruhig Blut. «Seit dem Fall im Mai untersuchen wir die drei Pillen Yasmin, Yaz und Yazminelle von Bayer», sagte Sprecher Joachim Gross gestern der MZ. Auf zwei vorgängige Studien und zwei neue Untersuchungen gestützt gehe man davon aus, dass diese Pillen kein aussergewöhnliches Risiko darstellen: «Wir müssen noch die Endresultate unserer Untersuchung abwarten, doch im Moment rechnen wir nicht damit, diese Pillen vom Markt nehmen zu müssen.»

Verbot, bis Langzeitstudien kommen

Für Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbands Schweizerischer Patientenstellen, ist das ein Skandal: «Wir können keine Antibabypillen abgeben, deren Risiken noch nicht in Langzeitstudien getestet wurden.» Sie fordert: «Bis solche Studien vorhanden sind, soll die Herausgabe von Yasmin und Yaz gestoppt werden.» Angesprochen auf diese Kritik, weist Gross darauf hin, dass Nebenwirkungen von Verhütungsmitteln normalerweise während des ersten Jahres der Einnahme aufträten. «Es braucht also keine Langzeitstudien, um die Risiken zu ermitteln.»

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