Wind
«Keine Monster auf dem Berg»

Jürg Lehmann geht in die Offensive: Erstmals zeigt er eine Fotomontage des geplanten Windparks auf der Schwängimatt oberhalb Laupersdorfs. Und die Investorenfirma Reninvest erklärt, wie sie den Ortsbezug herstellen will und wieso wenige grössere Anlagen vorteilhafter sind als viele kleinere.

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Solothurner Zeitung

Fabian Muster

Die Diskussion um Windparks im Thal ist in vollem Gang, seit der Kanton Ende Mai seinen Einwendungsbericht publiziert hat. Zuerst gründeten Befürworter der Windenergie einen Verein zur Förderung der erneuerbaren Energien im Thal, nun verschaffen sich die Gegner mit einer Inseratekampagne Gehör (wir berichteten). Da geht es auf beiden Seiten teilweise emotional zu und her. Biobauer Jürg Lehmann, der auf der Schwängimatt einen Windpark im kleineren Format plant (wir berichteten), präsentiert nun erstmals eine Fotomontage. Diese zeigt, wie gross der Windpark vom Thal aus erscheint. «Wir wollen mit offenen Karten spielen», so Lehmann. Damit will er auch klarmachen, dass «da oben auf dem Berg keine Monster zu stehen kommen».

Wieso die Schwängimatt?

Für die Firma Reninvest SA (siehe Kasten) stellt das Schwängimatt-Projekt punkto Rentabilität einen «durchschnittlichen Jura-Standort» dar, wie es deren technischer Leiter Roland Eichenberger ausdrückt. Sie will rund 7 Mio. Franken in den Standort investieren. Von «Goldgräberstimmung», wie von Gegnerseite unterstellt wird, könne daher keine Rede sein. «Die Rendite entspricht einem normalen Immobilienobjekt.» Genauere Angaben macht Eichenberger jedoch nicht.

Wieso kam man gerade auf die Schwängimatt? Eichenberger: «Wir schauten uns nach potenziellen Standorten auf dem Jura um, wo Stromleitung, Wind und Strasse vorhanden sind.» Sie staunten dann nicht schlecht, als sie beim ersten Besuch auf der Schwängimatt bereits das 6,5-Kilowatt-Windrad vorfanden.

Die Zahlen zum Schwängimatt-Windpark, die als erster Richtwert gelten: Geplant sind vier Windkraftanlagen mit je einer Leistung von 850 Kilowattstunden auf Laupersdörfer Gemeindegebiet. Rund 4,5 bis 5 Mio. Kilowattstunden Strom würden dadurch produziert und pro Kilowatt rund 0,8 Kilo CO2 eingespart. Dies deckt den Energiebedarf von zirka 1500 Haushaltungen oder 4500 Personen ab - also knapp einem Drittel der 14 000 Einwohner im Thal. Die Nabenhöhe der vier Anlagen ist auf 74 Meter angesetzt. Zusammen mit den Rotoren mit einem Durchmesser zwischen 52 und 58 Metern erreichen sie eine Gesamthöhe von rund 100 Metern. Die von den Rotoren überstrichene Fläche beträgt 2200 m2.

Planungsdauer von einem Jahr

Eichenberger ist überzeugt, dass es nicht primär die Höhe sei, welche die Wahrnehmung einer Anlage präge, sondern vor allem die Zahl der Anlagen. Man könne beispielsweise von blossem Auge kaum erkennen, ob eine Anlage 100 oder 130 Meter gross ist, wenn kein Vergleichsobjekt vorhanden sei. Daher spricht er sich eher für grössere, dafür weniger Anlagen aus, wie dies ebenfalls der Kanton Solothurn gemäss einem Planungsgrundsatz vorgesehen hat. Dies beeinträchtige die Landschaft weniger als viele kleinere Anlagen, glaubt er.

Der Fahrplan für die Realisierung des wahrscheinlichsten Windparks im Thal ist ehrgeizig. Der Laupersdorfer Gemeinderat will demnächst eine Arbeitsgruppe einsetzen, die als Ansprechpartner für Reninvest und Lehmann dient (wir berichteten). Eichenberger rechnet mit einer Planungsdauer von rund einem Jahr bis zur Baubewilligung. Das ganze Projekt wird bis dahin rund eine halbe Million Franken kosten. Zwei mögliche Wege stehen offen: Parallel zum Nutzungsplan wird bereits das Projekt bis ins letzte Detail ausgearbeitet. Dies habe laut Eichenberger den Vorteil der Transparenz. Oder aber es wird zuerst der Nutzungsplan abgesegnet und erst danach das Projekt angepasst. Da gebe es aber immer wieder den Vorwurf der Geheimniskrämerei.

Ortsbezug herstellen

Eine mögliche Gesellschaft Windpark Schwängimatt AG wird in Laupersdorf domiziliert sein und dort ihre Steuern zahlen. «So wollen wir ganz klar den Ortsbezug herstellen», sagt Roland Eichenberger. Mit der Gemeinde ist ein Abkommen auszuhandeln, in dem eine finanzielle Abgeltung festgelegt wird.

Schliesslich gehts um die Frage, ob der Windstrom per kostendeckender Einspeisevergütung des Bundes ins AEK-Netz gespeist oder privat verkauft wird. «Wir sind grundsätzlich für beide Optionen offen», sagt Eichenberger, «rechnen aber eher mit der Einspeisevergütung, mit der auch der Businessplan erstellt wurde.» Lehmann sieht als private Alternative einen langfristigen Vertrag mit den Thaler Gemeinden. «Das wird aber aus diversen Gründen schwierig.» Im Thal gebe es mehrere Stromanbieter. Zudem würde mit dem privaten Absatz neue Konkurrenz für diese entstehen. Ausserdem dürfte der Aufwand für Administration und Verkauf bei den Gemeinden wohl zu gross sein.

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