Angelo Zambelli

Als die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) Ende der Siebzigerjahre publik machte, dass sie auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs am Dorfrand von Neckarwestheim ein zweites Atomkraftwerk bauen möchte, regte sich in der Bevölkerung und insbesondere bei den ortsansässigen Weinbauern Widerstand. Die Weinbauern befürchteten wegen des Schattenwurfs der Dampffahne, die Qualität ihrer Trauben könnte leiden.

Die Energie Baden-Württemberg hatte Erfolg mit dem Vorschlag, einen Hybrid-Kühlturm zu bauen, bei dem praktisch keine Schwadenbildung mehr zu erkennen ist. Ein weiterer Vorteil des Hybrid-Kühlturms: Dem Neckar muss deutlich weniger Kühlwasser entnommen werden als mit einem herkömmlichen Kühlturm. Gebaut wurde schliesslich ein Hybrid-Kühlturm mit einer Höhe von 51,2 Metern und einem Basisdurchmesser von 160 Metern.

Als Nachteil des Hybrid-Kühlturms bezeichnet die Energie Baden-Württemberg den hohen Energieaufwand für den Betrieb der riesigen Ventilatoren, die trockene Luft in den Kühlturm blasen. Der hohe Stromverbrauch senkt den Wirkungsgrad des Atomkraftwerks.

Erstaunte Aaretaler

Die Reisegruppe aus dem unteren Aaretal konnte sich an Ort und Stelle davon überzeugen, dass ein Hybrid-Kühlturm auch bei schlechten Wetterverhältnissen, wie sie am Montag herrschten (kalt, dichte Wolken, hohe Luftfeuchtigkeit), keine nennenswerte Dampffahne erzeugt. Es gibt indes zwei Ausnahmen: Zwischen Mitternacht und 4 Uhr am Morgen- wenn sich niemand durch die Dampffahne gestört fühlt - wird der Trockenteil des Kühlturms abgeschaltet, sodass sich eine gut sichtbare Schwade bildet.

Das Gleiche geschieht, wenn die Getriebe der Ventilatoren ersetzt werden müssen. Auch ist bei Kaltluftströmen eine Rekondensation in rund 400 Meter Höhe möglich. Die Schwaden werden dann als Wolke sichtbar. Im Normalfall kräuseln sich aber nur wenige Wölklein über dem Hybrid-Kühlturm. Auch der Schallpegel ist für eine Anlage dieser Grösse erstaunlich tief: Messungen in 860 Meter Entfernung haben eine Lärmbelastung von 30 Dezibel ergeben (entspricht einem leisen Flüstern).

Die Reisegruppe aus dem unteren Aaretal, die sich auf Einladung der Axpo auf die 860 Kilometer lange Reise nach Neckarwestheim gemacht hatte, zeigte sich in der Mehrzahl beeindruckt von den geringen optischen und akustischen Auswirkungen des Kühlturms auf die Umgebung. Einig war man sich, dass für die Böttsteiner Bevölkerung auch ein Hybrid-Kühlturm eine Belastung darstellt, während die Döttinger vom neuartigen Turm nur geringfügig tangiert werden.