Es ist der Albtraum jedes Polizisten, Feuerwehrmannes oder Ambulanzfahrers: Bei einer dringlichen Einsatzfahrt mit Blaulicht und Sirene, bei der es eigentlich darum geht, Menschenleben zu retten, kommt es zu einem Unfall, und ein Mensch stirbt.

Dass genau dies am Montag in Dättwil geschah, als eine Ambulanz bei Rot auf die Kreuzung fuhr, beschäftigt deshalb Menschen weit über den Kreis der Direktbetroffenen hinaus. «Die Betroffenheit ist sicher bei allen gross, die selber mit dringlichen Einsatzfahrten zu tun haben», erklärt etwa Rudolf Scherer, Chef der Mobilen Einsatzpolizei (Mepo) der Kantonspolizei.

Im Schritttempo auf die Kreuzung

Und da interessiert natürlich auch die Frage, warum es zum Unfall kommen konnte. «Nach heutigem Stand gehen wir davon aus, dass sich keiner der Beteiligten grob fahrlässig verhielt», stellt Scherer dazu klar. Laut den zahlreichen Zeugen an der dicht befahrenen Kreuzung sei die Ambulanz im Schritttempo über das Rotlicht auf die Kreuzung gefahren.

Und auch der Motorradfahrer, der Grün gehabt habe, sei keineswegs auf die Kreuzung gerast oder habe noch andere Fahrzeuge überholt. Die genaue Klärung des Sachverhalts sei jedoch Gegenstand der Untersuchung, die das Bezirksamt nun führe.

Verhältnismässigkeit entscheidet

Wie Scherer erklärt, muss grundsätzlich bei dringlichen Einsatzfahrten, bei denen ja von den Strassenverkehrsregeln abgewichen werden darf, immer der Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachtet werden. Das heisst: Je mehr von den Regeln abgewichen wird, desto höher steigen die Sorgfaltspflichten, die es dabei zu beachten gilt.

Im Falle des Überfahrens einer Kreuzung bei Rot bedeute dies, dass man eben besonders vorsichtig sein müsse: Sich im Schritttempo vorantasten, um jederzeit noch reagieren zu können und sofort zum Stillstand zu kommen. Denn man müsse ja mit kreuzendem Verkehr rechnen, der sich darauf verlasse, Freie Bahn zu haben, so Scherer.

Wie man sich genau zu Verhalten hat, regelt dabei nicht das Strassenverkehrsgesetz selbst. Vielmehr basieren die konkreten Regelungen auf Auslegungen von Gerichtsurteilen. Jede Blaulichtorganisation habe ihre eigenen internen Weisungen, erklärt Scherer. Im Falle der Polizei regelt ein Dienstbefehl, was bei einer dringlichen Einsatzfahrt geht und was nicht.

Schwere Unfälle auf dringlichen Einsatzfahrten sind denn auch äusserst selten. Im Aargau kam es letztmals im Juli 2001 in Unterentfelden zu einer tödlichen Kollision. Ausgelöst wurde sie durch ein Universallöschfahrzeug (ULF) der Feuerwehr Aarau. Der Fahrer des ULF wurde später wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, weil er mit 67 km/h ungebremst über ein Rotlicht auf eine Kreuzung gefahren war und dabei ein querendes Auto rammte. (mz/alf/fhe)