Erdbeben
Keine Einbrecher, es war ein Erdbeben

50 Anrufe gingen nach dem Erdbeben in der Nacht auf gestern bei der Aargauer Kantonspolizei ein Häuser zitterten, Menschen schreckten aus dem Schlaf: Etwa 50 besorgte Anrufer erkundigten sich auch im Aargau in der Nacht auf gestern bei der Polizei, was denn los war. Nicht alle dachten aber als Erstes an ein Erdbeben.

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Polizei Erdbeben

Polizei Erdbeben

Aargauer Zeitung

Alois Felber

Es ist schon eine Weile her, seit die Erde im Aargau spürbar bebte. Umso mehr machten sich nicht wenige Menschen, die den Erdstoss in der Nacht auf gestern erlebten, Sorgen oder konnten nicht recht einordnen, was sie denn nun aus dem Schlaf aufgeschreckt hatte. Das bekam auch die Einsatzzentrale der Kantonspolizei zu spüren. Etwa 50 Anrufe gingen bei ihr ein, nachdem das Beben der Stärke 4,5 auf der Richterskala um 3.39 Uhr das Epizentrum beim Ort Steinen nahe bei Lörrach erschüttert hatte. Laut dem Landeserdbebendienst Baden-Württemberg dürfte das Beben im Umkreis von rund 100 Kilometern spürbar gewesen sein. Auch die Polizisten in der Einsatzzentrale bemerkten es. Die Anrufe kamen aber fast ausschliesslich aus dem Fricktal. Laut Polizeisprecher Bernhard Graser gingen alle innerhalb weniger Minuten nach dem Beben ein.

Viele der Anrufer seien aufgeschreckt, hätten irgendetwas gehört, aber nicht gewusst, was passiert sei. Manche hätten sich lediglich bei der Polizei vergewissern wollen, dass sie tatsächlich ein Erdbeben gespürt hätten. Eine Anruferin aus Frick habe mitgeteilt, dass ihr ganzes Haus gezittert habe. Eine Frau aus Rheinfelden habe nach dem Beben einen Riss an ihrem Haus entdeckt. Ein anderer Anrufer aus dem Fricktal befürchtete indes, dass Einbrecher, die Geräusche verursacht hatten, die er nicht einordnen konnte. Das stellte sich zum Glück als falsch heraus.

Keine richtigen Schäden zu erwarten
Gebäudeschäden sind bei einem solchen Beben nicht zu erwarten, wie Donat Fäh vom Schweizerischen Erdbebendienst der ETH Zürich erklärt. Die Messungen der ETH stuften es mit 4,3 auf der Richterskala etwas weniger stark ein als die Geräte in Deutschland. Das Erdbeben habe sich auch sehr tief, 8 bis 10 Kilometer unter der Erdoberfläche, entladen. Laut Fäh treten ähnlich starke Erdbeben jedes Jahr etwa einmal in der Region auf.

Bei der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) gingen gestern vorerst auch keine Schadenmeldungen ein. Allerdings sind Erdbebenschäden im Grundsatz auch nach wie vor nicht versichert, wie Peter Schiller, Abteilungsleiter Gebäudeversicherung der AGV, erklärt. Der mit 2 Milliarden Franken gedeckte spezielle Erdbebenversicherungspool von 18 kantonalen Gebäudeversicherungen käme erst bei ganz schweren Beben zum Tragen. Es geht dabei um die Stufe VII der makroseismischen Intensitätsskala, die im Gegensatz zur Richterskala Aussagen über die tatsächlich zu erwartenden Schäden eines Bebens macht. Bei Stufe VII sind mässige Schäden an vielen gut gebauten Häusern zu erwarten. Doch auch in diesem Fall bestünde ein Selbstbehalt von 10 Prozent der Schadensumme oder ein Minimum von 50 000 Franken, das Hauseigentümer noch immer selbst zu tragen hätten. Deswegen werden kleine Risse an Gebäuden so oder so kaum je ein Thema für die Gebäudeversicherung sein, erklärt Peter Schiller.

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