Keine Angst, wohl aber Respekt

«Trockenübung»: Die Schüler lernen das «Päckli»: Hinknien, Kopf zwischen Beine legen und Arme im Nacken verschränken. (Oliver Menge)

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«Trockenübung»: Die Schüler lernen das «Päckli»: Hinknien, Kopf zwischen Beine legen und Arme im Nacken verschränken. (Oliver Menge)

Von Dienstag bis Freitag fand in Selzach für Kindergärtler und Primarschüler das Projekt «Prevent a bite» statt. Dabei wurde den Kindern das richtige Verhalten im Umgang mit Hunden beigebracht. Wichtig war auch die Frage, was man tun soll, wenn man sich von einem Hund bedroht fühlt.

Christoph Neuenschwander

Hans-Peter Hadorn, Schulleiter Primarschule und Kindergarten Selzach, geht über den Pausenplatz des Schulhauses III und freut sich: «Es ist beeindruckend was diese Leute leisten, Sie werden sehen.» Er meint die Hundehalterinnen von «Prevent a bite Biel». Es ist Donnerstagmorgen, zwei Klassen haben sich auf dem Pausenhof eingefunden: die zweite und die vierte. In Kürze wird ihr 90-minütiges Training beginnen.

Die Zweitklässler-Gruppe wird von Christine Heiniger geleitet. Zusammen mit drei weiteren Hundehalterinnen wird sie der Gruppe zeigen, dass man vor Hunden keine Angst, wohl aber Respekt haben sollte. Vorerst beginnt der Unterricht jedoch spielerisch: Die Kinder werden gebeten, herumzurennen und zu schreien, sich ganz einfach so zu benehmen, wie sie das auch sonst während der Pausen tun. Heiniger rennt den Kindern mit der Handpuppe «Willi Wuff» nach, greift mit dem Plüschhund nach den Kindern, knurrt und bellt sie an.

Die vier Grundregeln

Anschliessend müssen die Kinder versuchen, das Verhalten des «Hundes» zu erklären. Es funktioniert ähnlich wie bei Sokrates: Die Lehrerin erläutert kaum etwas, sondern fragt nur nach und setzt darauf, dass die Kinder selbst auf die Lösung kommen. Und das tun sie auch. Dass der Hund ihnen nachgerannt ist und gebellt hat, weil sie auch gerannt sind und geschrien haben, und dass der Hund an ihnen hochgesprungen ist, weil sie die Hände in die Höhe gehalten haben, ist für die Kinder ganz logisch. Und auch auf den nächsten Schritt kommen sie von selbst: die vier Grundregeln, wenn man sich von einem Hund belästigt fühlt, sind still zu stehen, die Arme hängen zu lassen, still zu sein und den Blick abzuwenden - denn einem Hund direkt in die Augen zu starren ist eine Herausforderung zum Kräftemessen.

Üben mit echten Hunden

Die vier Grundregeln werden von allen Gruppen geübt, vom Kindergarten bis zur sechsten Klasse. «Je älter sie sind, umso mehr Infos können wir ihnen zumuten», sagt Heiniger. Die Primarschüler lernen zusätzlich das sogenannte «Päckli»: Wird man von einem Hund umgeworfen, muss man sich hinknien, den Kopf zwischen die Beine legen und die Arme hinter dem Nacken verschränken.

Geübt werden sowohl die Grundregeln als auch das «Päckli» erst mit «Willi Wuff» und dann mit den echten (aber angeleinten) Hunden der Hundehalterinnen - diejenigen Kinder, die sich fürchten, dürfen natürlich von weitem zusehen.

Anschliessend lernen die Schüler etwas über Hundepflege. Auch Isabelle Mosimann, die Leiterin der Viertklässler-Gruppe am anderen Ende des Pausenhofs, packt das «Hunde-Necessaire» aus. «Normalerweise ist das für die erste und zweite Klasse», erklärt sie. «Mit den Dritt- und Viertklässlern lernen wir sonst etwas über Hundeberufe, mit den Fünft- und Sechstlern etwas über die Körpersprache der Hunde. Doch diese zwei Themen sind relativ theoretisch und wir entscheiden oft situativ, ob wir sie bringen. Wir setzen sie vor allem ein, um die Kinder ein wenig ‹herunter zu holen› wenn sie aufgedreht sind.» Die Selzacher Viertklässler sind aber ruhig und zeigen Freude am Kontakt mit den Hunden, deshalb wird die Theorie weggelassen.

Zufrieden mit dem Projekt

Nach Selzach geholt wurde «Prevent a bite Biel» vom Elternrat des Dorfes, insbesondere von der Projektgruppe Kind und Hund, unter der Leitung von Daniela Cicoira. Nebst den Bielern, die pro Monat zwei Trainings an Schulen durchführen, sind auch die Gruppen aus Bern und dem Aargau für den Kanton Solothurn zuständig.

Cicoira ist äusserst zufrieden mit der Arbeit, die geleistet wurde. Sie selbst hat sich als Hundehalterin der Bieler Gruppe angeschlossen und bei der Durchführung des Projekts im Dorf mitgeholfen. Und die Arbeit hat ihr gefallen: «Ich werde auch in Zukunft bei ‹Prevent a bite› tätig sein.»

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