«Keine Angst, verheizt zu werden»

FDP-Ständerat Didier Burkhalter legt seine Karten bezüglich Couchepin-Nachfolge auf den Tisch. (Peter Mosimann)

Didier Burkhalter

FDP-Ständerat Didier Burkhalter legt seine Karten bezüglich Couchepin-Nachfolge auf den Tisch. (Peter Mosimann)

Die FDP hätte gerne einen Medienstar im Bundesrat. Ständerat Didier Burkhalter weiss, dass er das nicht ist, und erklärt, warum die Partei dennoch auf ihn setzen sollte. Burkhalter legt als erster Bundesratskandidat seine Karten auf den Tisch.

Beat Rechsteiner

Herr Burkhalter, warum haben Sie mit der Bekanntgabe Ihrer Kandidatur so lange gezögert?
Didier Burkhalter: Ich habe Zeit gebraucht, um vorhandene Zweifel auszuräumen.

Welche Zweifel?
Burkhalter: Ich war mir nicht sicher, ob es für den Kanton Neuenburg nicht besser wäre, ich würde Ständerat bleiben. Doch ich habe nun anhand der vielen Reaktionen aus der Bevölkerung festgestellt, dass die Neuenburger meine Bundesratskandidatur wollen.

Hat Sie auch der Wunsch der FDP nach einer Art Medienstar im Bundesrat zweifeln lassen? Diese Forderung entspricht ja nicht gerade Ihrem Profil.
Burkhalter: Das ist richtig. Ich gewichte das Kollegium, den Konsens und die politische Regierungsarbeit höher als die persönliche Präsenz in den Medien. Und ich hatte deswegen tatsächlich meine Zweifel. Diese sind nach reiflicher Überlegung aber verflogen, weil sich beides verbinden lässt: Als Kandidat werde ich mehr Medienpräsenz haben und kann dabei gerade die genannten Werte vermitteln. Die Darstellung der Politik in den Medien ist ein wichtiges Mittel, aber nicht Mittel zum Selbstzweck.

Was sagt Ihre Familie?
Burkhalter: Meine Familie lebt seit mehr als 20 Jahren mit meiner politischen Karriere und sie hat mich immer unterstützt.

Sie könnten vielleicht sogar in Neuenburg wohnen bleiben.
Burkhalter: Das stimmt, das ist für mich ein Vorteil. Aber das hat beim Entscheid keine Rolle gespielt.

Sie sind der erste Kandidat, der die Karten auf den Tisch legt. Fürchten Sie nicht, verheizt zu werden?
Burkhalter: Nein, ich habe keine Angst. Doch natürlich bin ich mir bewusst, dass die Gefahr besteht. Die ersten Wochen nach der Rücktrittsankündigung von Pascal Couchepin verliefen sehr chaotisch. Ich glaube deshalb, es ist jetzt an der Zeit, dass die Spielchen ein Ende haben und eine sachlichere Diskussion beginnt. Die ernsthaften Kandidaten müssen jetzt vorgeschlagen und dann auch auf ihre Qualitäten und Positionen hin geprüft werden. Ich finde, es wäre gut, wenn innert kurzer Frist nun die weiteren Nominationen kämen. Das wäre auch wichtig für die Partei, damit sie ein einheitliches Gesicht zeigen kann.

Sie gelten bereits seit einiger Zeit als grosser Favorit für Couchepins Nachfolge. Warum eigentlich?
Burkhalter: Dass ich der Topfavorit sein soll, haben die Medien kolportiert. Ob es zutrifft oder nicht, kann ich nicht sagen.

Was spricht für Sie als Bundesrat?
Burkhalter: Ich politisiere sehr gerne und konstruktiv, bin motiviert und mir liegt die Konkordanz sehr am Herzen. Wichtig erscheint mir auch, dass ich nach sechs Jahren im nationalen Parlament und insgesamt 14 Jahren in der Neuenburger Stadtregierung die nötige Erfahrung auf legislativer und exekutiver Ebene mitbringe.

Sie sind 49-jährig. Das Alter könnte für Sie ein Plus sein.
Burkhalter: Das stimmt. Doch für mich spielt das Alter eine nebensächliche Rolle.

In der Deutschschweiz kennt man Sie wegen Ihrer Vorstösse zum Entführungsalarmsystem. Sonst sind Sie für viele ein unbeschriebenes Blatt. Ein Nachteil?
Burkhalter: Ich habe viele Kontakte in der Deutschschweiz und auch Familie im Raum Zürich. Zudem stammt meine Frau aus dem Vorarlberg, nahe der Schweizer Grenze. Aber dass man als Romand in der Deutschschweiz nicht so bekannt ist, ist normal. Mit der nun beginnenden Kampagne gibt es jetzt die Möglichkeit, das zu ändern.

Sie sind ein Verfechter einer Regierungsreform und haben dazu auch verschiedene Vorstösse gemacht, unter anderem, um die Bundesräte zu entlasten. Haben Sie Angst vor zu viel Arbeit im Bundesrat?
Burkhalter: Nein, auch davor habe ich keine Angst. Das Problem ist nicht das grosse Arbeitspensum, sondern dass die Departementsführung zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Die Bundesräte haben zu wenig Gelegenheit, wirklich zu regieren. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn es zu Krisensituationen kommt. Sie haben auch zu wenig Zeit, sich international zu verflechten. Das Regieren muss wieder entdeckt werden, denn es ist nach und nach verschwunden.

Machen Sie bitte eine Prognose: Wie hoch stehen Ihre Chancen?
Burkhalter: Das sage ich nicht. Das einzuschätzen, ist doch eher Ihre Aufgabe.

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