Nach diversen Ermittlungspannen hatten die Behörden den Fall erneut untersucht. Die Staatsanwaltschaft befragte 110 Menschen, 30 davon als Zeugen. Auch DNA-Spuren, die im Haus des Entführers Wolfgang Priklopil in Strasshof genommen wurden, deuten laut den Ermittlern nicht auf weitere Täter hin.

Der jetzt vorgelegte Bericht enthält nicht viele neue Informationen. Die Behörden legten ihn nach eigenen Angaben vor, um alle Gerüchte zu zerstreuen, die sich inzwischen um den Fall ranken.

Nach den Erkenntnissen der Staatsanwälte hat der Entführer Priklopil weder Kampusch noch ihre Angehörigen vorher gekannt, sondern sich das Mädchen zufällig ausgesucht. Hintergrund der Tat war wohl eine Art "Lebenskrise" des als Einzelgänger beschriebenen Entführers.

Er habe sich zu der Zeit mehr auf sein Privatleben als auf seine Arbeit konzentrieren wollen und erkannt, dass er wohl nie eine Frau finden werde. Daraufhin habe er beschlossen, sich seine Partnerin von einem Kind quasi "selbst zu erschaffen".

Der zuletzt immer wieder ins Visier der Ermittlungen gerückte Freund von Priklopil war nach Angaben der Behörden eher ein Geschäftspartner. Er habe zwar viel Kontakt mit dem Kidnapper gehabt, beide Männer hätten aber - auch nach der Aussage Kampuschs - kaum über Privates gesprochen.

Erst kürzlich hatte der Freund entgegen bisheriger Aussagen gestanden, kurz nach der Flucht von Kampusch von Priklopil von der Entführung erfahren zu haben.

Der Mann habe die Priklopil-Beichte so lange verschwiegen, um die Polizei nicht auf illegale Geldgeschäfte hinzuweisen, die er mit Priklopil gemacht hatte, hiess es. Nun drohen ihm noch Verfahren wegen Finanzbetruges, Beihilfe zum Selbstmord und dem Verstecken eines gesuchten Täters.

Natascha Kampusch war 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt worden. Nach achteinhalb Jahren Gefangenschaft konnte sie 2006 aus dem Haus ihres Peinigers fliehen. Ihr Entführer Wolfgang Priklopil nahm sich noch am selben Abend das Leben.