Muttenz
Kein Unterschlupf im Sommerloch

Das Jugendhaus in Muttenz bleibt während der Sommerferien geschlossen. Für Andrea Camenzind, die lokale SVP-Präsidentin, ist das unbegreiflich.

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Jugendhaus

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

Sie habe absolut kein Verständnis dafür, dass während der Sommerferien das Jugendhaus in Muttenz geschlossen sei, ärgert sich Andrea Camenzind, SVP-Präsidentin aus Muttenz. «Warum nimmt man in einer wirtschaftlich schwierigen Situation Jugendlichen einen Raum weg, in dem sie sich in ihren Schulferien aufhalten können?»

Seit letztem Freitag stehen jene Jugendlichen, die in ihren Sommerferien nicht ans Meer fahren und ihre freie Zeit gerne im Jugend- und Kulturhaus Fabrik verbracht hätten, dort vor verschlossenen Türen. Und das für einen ganzen Monat. «So verbaut man den Jugendlichen die Chance, in einer für sie bereitgestellten Infrastruktur etwas miteinander zu unternehmen. In einer Infrastruktur, die von den Steuerzahlern bezahlt wird.»

Gemeindeverwalter Urs Girod und Gemeinderätin Franziska Stadelmann verstehen die Wut von Camenzind. «Ich finde diesen Umstand auch nicht geschickt», sagt Girod. Dennoch dürfe man nicht nur das beachten, was die Jugendhausleiter jetzt nicht tun, sondern auch das, was sie in den letzten Monaten ermöglicht haben: «17 Samstage lang standen diese Leiter für das Projekt ‹Midnight Basket› freiwillig bis um Mitternacht in der Turnhalle.» Der Basketball-Anlass ist ein Angebot für Jugendliche, in einem öffentlichem Raum Sport zu treiben und dabei Verantwortung zu übernehmen, denn: Beim Basketball gibt es keine Schiedsrichter, und die Teilnehmer nehmen die Organsiation selber in die Hand.

Girod erklärt, dass in den nächsten Wochen alle drei Betreuer der Fabrik nicht in Muttenz arbeiten können - und dass das Jugendhaus zusätzlich personell nicht gut bestückt sei: «Eine Betreuungsperson macht Mutterschaftsurlaub, eine andere eine berufsbegleitende Ausbildung, und die dritte Person ist in den Ferien.» Für Camenzind zählt dieses Argument nicht: «Ich arbeite auch im Dienstleistungsbereich und kann nicht einfach in die Ferien gehen, wenn es mir passt.»

Stadelmann fährt mit anderen Argumenten auf - mit Statistiken: «Wir haben fünf Jahre lang Umfragen bei den Jugendlichen gemacht. Die meisten haben uns gesagt, sie halten sich im Sommer lieber draussen auf.» Und im Jugendhaus könne man sich nunmal nur im Gebäude treffen. «Ausserdem haben die letzten zwei Jahre gezeigt, dass die Fabrik während der Sommerferien wenig bis gar nicht aufgesucht wurde.» In den anderen Monaten seien dann doch zwischen 30 und 40 Jugendliche da.

Um während der vier Sommeferien-Wochen trotzdem für die Jugendlichen besser präsent zu sein, hat Muttenz versucht, einen zweiten Streetworker zur Unterstützung aufzutreiben - ohne Erfolg. Vermehrt Probleme unter den Muttenzer Jungen seien aber bis jetzt nicht aufgetreten. «Bisher hat sich alles ruhig verhalten. Keine ‹Lämpe›, kein Vandalismus», sagt Girod.

Der Ruf nach dem zweiten Streetworker ist ein weiterer Punkt, der Camenzind stört: «Mit der Suche nach einer Streetworker-Verstärkung hat man das Problem ja erkannt.» Ausserdem: «Für Senioren unternimmt man in Muttenz so vieles. Es wurden beispielsweise altersgerechte Wohnungen gebaut, was ja toll ist.» Aber ihr fehle oftmals die Sensibilität für die Bedürfnisse der Jugendlichen: «Die Jungen müssen in unserer Gesellschaft mehr wahrgenommen werden.» Girod weiss, dass punkto Öffnungszeiten des Jugendhauses etwas unternommen werden muss: «Wir müssen die Sache überdenken.»

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