Blidung
«Kein Klub elitärer Klugköpfe»

Die Schweizerische Studienstiftung mit Sitz in Zürich hat rund 600 Studierende aus der ganzen Schweiz unter ihre Fittiche genommen, um sie speziell zu fördern. Es handelt sich um die Elite – wer ins Programm aufgenommen werden will, muss bei der Matur mit einer Durchschnittsnote vom mindestens 5,3 geglänzt haben.

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Studienstiftung Zürich

Studienstiftung Zürich

Limmattaler Zeitung

Alfred Borter

Warum brauchen ausgerechnet die cleversten Studentinnen und Studenten eine spezielle Förderung? Cla Reto Famos, der Geschäftsleiter der Schweizerischen Studienstiftung, ist um eine Antwort nicht verlegen: «Natürlich würden sie auch ohne Studienstiftung im Studienbetrieb zurechtkommen, aber es lohnt sich, den Besten zu helfen, dass sie noch besser werden.» Für den Denkplatz Schweiz sei es nützlich, wenn man auf die speziellen Bedürfnisse dieser Menschen eingehe und ihnen helfe, ihr Potenzial zu entfalten. Für Famos wäre es merkwürdig, wenn man etwa im Bereich der Musik oder des Sports ohne weiteres bereit wäre, die Spitzenleute kräftig zu fördern. «Die Gesellschaft ist doch auf Spitzenkräfte in allen Bereichen angewiesen», lautet sein Argument. Abgesehen davon sei der Begriff der Exzellenzförderung nicht mehr mit dem Ruch des Elitären behaftet. «Es geht uns ja nicht darum, einen Klub von weltfremden Klugköpfen zu schaffen», sagt er, es handle sich um ganz normale Menschen, die - und das ist nun doch speziell - mit einer hohen Intelligenz und Motivation ausgestattet seien.

Die Stiftung, seit 1992 aktiv, hat auch dieses Jahr wieder sämtliche Gymnasien gebeten, den Absolventinnen und Absolventen mit einem Notenschnitt von 5,3 und mehr ein Bewerbungsdossier samt Informationsmaterial zu übergeben. Die meisten Schulen kooperieren offenbar, wie der Geschäftsleiter zusammen mit Nicole Schwyzer, zuständig für Public Relations und Marketing, erklärt. Im Jahr sind es zwischen 150 und 200 Maturanden, die sich für eine Aufnahme bewerben, etwa 70 Prozent davon werden nach einem Aufnahmeverfahren Stiftler oder Stiftlerinnen, wie sich die Teilnehmenden nennen.

Den Horizont erweitern

Was braucht es denn, um ins Programm aufgenommen zu werden? Neben einer hohen Intelligenz sollen sie Lust mitbringen, ihren Horizont zu erweitern. Sie sollen neugierig sein und ein möglichst weites Interessenspektrum aufweisen, sollen bereit sein, sich auch mit Fragestellungen auseinander zu setzen, die nicht zu ihrem engsten Studienbereich zählen. Vernetzung, interdisziplinäres Denken hält die Studienstiftung für wichtig. «Wir ermutigen die Teilnehmer, über den Fächerrand hinauszublicken», sagt Famos, «Fachidioten sind nicht unser Zielpublikum.» Bei der Auswahl der Teilnehmer schaut man nicht auf Geschlecht oder sozialen Hintergrund, die Stiftung ist auch politisch und konfessionell neutral. Was zählt, ist Leistungsbereitschaft und Persönlichkeit. Wer sich übrigens nicht gleich nach der Matur angemeldet hat, kann auch später noch einsteigen.

Die Studienstiftung fördert Studierende an allen Schweizer Universitäten, in zunehmendem Mass auch an den Fachhochschulen. Obwohl das Studienfach bei der Auswahl keine Rolle spielt, sind Studierende aus dem Bereich Mathematik, Informatik und Physik, Medizin und Pharmakologie überdurchschnittlich häufig. Studierende der Sozialwissenschaften sind eher unterdurchschnittlich vertreten. Das heisst aber nicht, dass sozial engagierte junge Leute nicht mitmachen, betonen Famos und Nicole Schwyzer. Im Gegenteil, denn auf Bereitschaft zu gesellschaftlichem Engagement wird bei der Auswahl Wert gelegt.

Sie zählen denn auch eine ganze Reihe von ehemaligen und jetzigen Teilnehmern auf, welche zum Beispiel in humanitären Hilfswerken an verantwortlicher Stelle tätig sind. Unterstützung gewährt die Stiftung ihren Schützlingen etwa im Bereich des Weiterkommens im Studium, indem ihnen kompetente Ansprechpartner zur Seite gestellt werden. Wichtig sind auch Bildungsveranstaltungen ausserhalb des Hochschulbetriebs, wobei beispielsweise Veranstaltungen über gutes Auftreten, richtiges Kommunizieren, aber auch über Ethik und anderes mehr sehr gefragt sind. Nötigenfalls gewährt die Stiftung auch finanzielle Hilfe, etwa wenn es um einen Auslandaufenthalt oder den Besuch eines Kongresses geht.

Wachstum erwünscht

Der Stiftung stehen heute rund 2 Millionen Franken im Jahr zur Verfügung, das Ziel ist es, diese Mittel bis 2012 auf 3,2 Millionen Franken zu steigern. Und statt jetzt 600 möchte man dann etwa 800 Studierende fördern. «Wir sind dann immer noch eine eher kleinere Organisation», hält Famos fest, die Schwesterorganisation in Deutschland ist mit 11 000 Stipendiaten um ein Vielfaches grösser, und sie wird zu 90 Prozent vom Staat subventioniert, während die Schweizerische Studienstiftung nur marginale Beiträge vom Staat erhält. «Aber vielleicht bessert das ja auch noch», hält der Geschäftsleiter hoffnungsvoll fest.

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