Kein Katz-und-Maus-Spiel mehr

Dank dieser Verfügung können Jugendlich vom Bahnhofareal weggeschickt werden.

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Dank dieser Verfügung können Jugendlich vom Bahnhofareal weggeschickt werden.

Lärmende und randalierende Jugendliche sind an Bahnhöfen und auch anderswo unerwünscht. An Bahnhöfen werden sie durch richterliche Verbote weggewiesen. Dadurch verlagert sich das Problem aber lediglich. Balsthal sucht am runden Tisch nach Lösungen.

Thaïs In der Smitten

Was macht Bahnhöfe für Jugendliche so attraktiv? «Es hat einen Selecta-Automaten, es hat einen Unterstand, der vor Regen schützt, es ist ein neuralgischer Punkt, wo viel läuft und wo man sich automatisch trifft», definiert Jonathan Bucher, Jugendarbeiter in Balsthal, deren Anziehungskraft. Heinz von Arb, Balsthaler Gemeinderat Ressort Soziales, nennt einen weiteren Grund: «Der Bahnhof ist öffentlich und doch gibt es Nischen, wo man nicht beobachtet wird.»

Endlich eine Handhabe

Wo sich viele Jugendliche aufhalten, entsteht Abfall, Wände werden versprayed, Bierflaschen aufs Gleis geworfen, es wird schon mal laut. Kein neues Phänomen, aber ärgerlich für die Bahnunternehmen und noch immer nur teilweise gelöst. In den vergangenen Jahren haben die Aare Seeland Mobil AG (asm), die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) und die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn AG (BLS) ihre Areale unter ein richterliches Verbot gestellt.

Beim Bahnhof Niederbipp hat die asm Anfang Monat einen kleinen Lapsus korrigert: Eine Parzelle sei beim ersten Verbot vergessen gegangen, so habe man nun ein neues Verbot eingeholt, um dies zu korrigieren, erklärt Markus Flück von der Geschäftsleitung auf Anfrage. So können Jugendliche und andere unliebsame Gäste weggewiesen werden, sofern sie nicht auf einen Zug warten. Skateboard-, Inlineskates-, und Velofahren ist verboten, ebenso wie Betteln, Musizieren und lautes Abspielen von Tonträgern. Wer sich nicht daran hält, wird mit bis zu 1000 Franken gebüsst.

Die Erfahrungen mit den Verboten sind gemischt. Damit habe man eine Handhabe, heisst es bei asm und BLS. Heinz Kamber, Geschäftsführer der OeBB meint, die Situation habe sich beim Bahnhof Balsthal stark gebessert. Der Bahnhof Klus bleibt hingegen sein Problemkind: «Die Gleise sind oft voll mit Scherben von Bierflaschen. Um jemanden anzuzeigen, müsste man die Person in flagranti erwischen, was nicht gelingt.» Hinzu kommt: Schickt man die Jugendlichen von einem Ort weg, verlagert sich das Problem an einen anderen Ort. «Ein Katz und Maus-Spiel», nennt es Jugendarbeiter Bucher.

Da sich Balsthaler Dorfbewohner ob den lärmenden Jugendlichen eine Petition eingericht haben, wurde nach anderen Lösungen gesucht. Ab Ende April wird eine uniformierte Person als Sicherheitsdienst vor allem an Wochenende patroullieren, wie Bruno Oess, Gemeinderat Ressort öffentliche Sicherheit, auführt. 20 000 Franken sind dafür gesprochen worden. Die Person soll mit den Jugenlichen das Gespräch suchen und Verständnis für die Erwachsenen schaffen, so Oess.

Vor zwei Jahren hatte Balsthal bereits einen Sicherheitsdienst, bis dieser weggespart wurde. Die Person habe einmal ein Brandstiftung und einmal eine Vergewaltigung verhindert, weiss Oess. Die Bevölkerung habe sich sicherer gefühlt und die Sicherheitsperson habe auch den Kontakt zu den Jugendlichen gepflegt.

Mehr Orte für Jugendliche

Jugendarbeiter Bucher begrüsst den Sicherheitsdienst als ergänzende Massnahme. Das allein reiche aber nicht: «Jugendlich brauchen langfristig mehr Räume und Orte, wo sie sich aufhalten dürfen.» Davon gebe es nämlich immer weniger. Zusätzlich zum Sicherheitsdienst organisiert Heinz von Arb auf Anfang Mai einen Runden Tisch.

Er möchte Dorfbewohner allen Alters und aller Gesinnungen an einen Tisch bringen: Vom Pfarrer bis zu fremdsprachigen Erwachsenen, die eine Brückenfunktion übernehmen könnten. Thema des ersten Anlasses soll sein, wie die verschiedenen Bedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen unter einen Hut zu bringen sind. Die Lösung sieht von Arb unter anderem darin, bei den Jugendlichen mehr Verständnis zu schaffen, aber auch die Erwachsenen zu mehr Toleranz aufzufordern.

Bucher wünscht sich, dass die Jugenlichen bei Entscheiden, die sie betreffen im Vorfeld einbezogen würden. «Man sollte ihnen das Gefühl geben, dass sie dazu gehören, aber auch Verantwortung tragen», lautet sein Rezept. Wieso die Jugendlichen nicht einmal beim Bahnhof eine Wand mit Sprayereien gestalten lassen? Diese Idee möchte er am Runden Tisch einfliessen lassen. Zudem müsse man vernetzt arbeiten und auch vernetzt denken; wenn möglich sogar über die Region hinaus.

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