Kompost

Kein Kampf um Grüngut?

Besichtigung: Mitinhaber Urs Bobst, (links) erläutert Ständerat Rolf Büttiker, Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, und Andreas Röthlisberger, Vizepräsident des Verbandes Kompost- und Vergärwerke Schweiz, die Anlage.

Kompost Oensingen

Besichtigung: Mitinhaber Urs Bobst, (links) erläutert Ständerat Rolf Büttiker, Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, und Andreas Röthlisberger, Vizepräsident des Verbandes Kompost- und Vergärwerke Schweiz, die Anlage.

16 000 Tonnen organischer Abfälle können in der Kompogasanlage Oensingen jährlich zu Biogas verarbeitet werden. Mit einer Auslastung von rund 60 Prozent soll die Anlage in einem Monat in Betrieb gehen. Die Betreiber glauben, dass genügend Grüngut vorhanden ist, ein Kampf sei nicht in Sicht.

Alois Winiger

Die neue Kompogasanlage in Oensingen diente im Rahmen der Generalversammlung des Verbandes Kompost- und Vergärwerke Schweiz (VKS, siehe Kontext) als aktuelles Beispiel moderner Vergärtechnik. Und da es sich um die 10. Generalversammlung handelte, wurde auch Rückschau gehalten.

Vor zehn Jahren haben sich mittlere und grössere Kompostierwerke zum VKS zusammengeschlossen. Mittlerweile zählt er 46 Mitglieder, mit dabei auch die Kompogas AG, Erbauerin der Oensinger Anlage.

Die VKS-Betriebe verarbeiten 600 000 Tonnen jährlich, das sind rund zwei Drittel des in der Schweiz gesammelten Grüngutes.

Unterschied zur Kompostierung

Die 16 000 Tonnen, die jährlich in Oensingen verwertet werden könnten, setzen sich aus 12 000 Tonnen Vergärung und 4000 Tonnen Kompostierung zusammen. Dafür zuständig ist die Oensinger BV Kompostierung AG (BVK), die dort bereits seit Jahren Grüngut zu Kompost verarbeitet - ausgenommen jedoch Küchenabfälle. Diese können nun in der neuen Kompogasanlage vergärt werden. «Ein grosser Teil des Küchenabfalls ist bis jetzt im normalen Hauskehrichtsack gelandet», erklärt Urs Bobst, BVK-Verwaltungsratspräsident.

Die Anlage ist im weiteren speziell dafür ausgerüstet, um Panseninhalte (aus den Vormägen von Wiederkäuern) zu vergären. Insbesondere wurde dabei an Material aus der Grossschlachterei Bell in Oensingen gedacht. Wann solches Material angeliefert wird, ist laut Bobst noch Verhandlungssache.

Welche Gemeinden sind dabei?

Verhandelt wird auch mit weiteren Gemeinden in der Umgebung über die Anlieferung von Grüngut, unter anderem mit der Stadt Olten und weiteren Gemeinden in den Bezirken Thal und Gäu sowie dem angrenzenden Bernbiet. Bereits abgeschlossen sind Lieferverträge mit Oensingen, Härkingen, Oberbuchsiten, Niederbuchsiten, Kestenholz, Wolfwil, Balsthal, Mümliswil, Niederbipp und Wolfisberg.

Zuständig für die Vertragsabschlüsse ist die Kompogas AG, wie Daniel Würgler erläutert. Er ist Leiter Stoffstrom Schweiz bei der Firma und kennt die Szene, die sich rund um das Grüngut entwickelt hat.

«Übertrieben dargestellt»

Dass sich in der Branche mittlerweile auch eine Konkurrenzsituation gebildet hat, sei nur logisch, sagt Würgler. «Aber deswegen von einem richtigen Kampf ums Grüngut zu sprechen, wie es etwa in den Medien dargestellt wird, halte ich doch für übertrieben.»

Wie ist die Situation in Oensingen? Reichen die zugesicherten Mengen denn überhaupt aus, die Anlage rentabel zu betreiben? «Ja, sonst wären wir nicht eingestiegen», antwortet Daniel Würgler. «Wir betreiben in Aarberg, Utzenstorf, Langenthal und Oensingen eine Kompogasanlage.» Im luzernischen Wauwil ist noch eine weitere geplant, «aber dann ist Schluss für diese Region», führt Würgler aus.

In Oensingen gehe man von 9000 Tonnen Grüngut im ersten Jahr aus, der Start ist für Ende Mai geplant. «Wir sind optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren die Vollauslastung mit 16 000 Tonnen jährlich erreichen werden.»

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